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Der tägliche Stau im Riederwald ist für die zu hohen Schadstoffwerte mitverantwortlich.

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Frankfurt: Die Verkehrswende kommt kaum voran

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Bündnis aus Fridays for Future, VCD, BUND, Radentscheid fordert Frankfurt zum Handeln auf.

Um die Verkehrswende in Frankfurt ist es nicht gut bestellt. Zu diesem Ergebnis kamen Vertreter von Verkehrsclub Deutschland Rhein-Main, BUND Frankfurt-Ost, Radentscheid Frankfurt, Bürgerinitiative Riederwald, „Fridays for Future“ und Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Saalbau Bornheim.

„Es tut sich nichts Wesentliches“, sagte Mathias Biemann (VCD). 387 500 Beschäftigte pendeln nach jüngsten Angaben der Arbeitsagentur täglich nach Frankfurt, die meisten kommen mit dem eigenen Auto. Nach wie vor seien in der Stadt die Straßenzüge vollgeparkt. „Die Autofahrer nehmen uns seit Jahren den Platz weg. Diesen Platz fordern wir jetzt zurück.“ Für Fußgänger und Radfahrer müsse die Stadt ein barrierefreies und durchgängiges Netz umsetzen, wie es bislang nur dem Autoverkehr zur Verfügung stehe. Als Beispiel nannte Biemann den Weg von der Bockenheimer Warte zum Westbahnhof, auf dem Radfahrer und Fußgänger an jeder Ampel auf Grün warten müssten, auch wenn keine Auto in der Nähe sei.

Biemann machte sich für das flächendeckende Parkraummanagement stark, das die Stadt seit Jahresbeginn in Bornheim eingeführt hat – zum Ärger der Pendler, die nun keinen kostenlosen Parkplatz mehr finden. „Das flächendeckende Parkraummanagement reguliert den Verkehr, der in die Stadt fließt“, sagte er. Die Anwohnerinnen und Anwohner parkten mit dem Bewohnerparkausweis weiterhin günstig. Die Stadt sollte dieses Mittel mutiger anwenden und gleichzeitig den öffentlichen Nahverkehr ausbauen.

Günstiger Nahverkehr

Vorarbeiten für den Riederwaldtunnel laufen.

Das könne die Verkehrsprobleme im Riederwald lösen, sagte Rainer Frey von der dortigen Bürgerinitiative. „Wir brauchen den massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in die Fläche hinein.“ Auf den ÖPNV müsse man sich verlassen können und er müsse günstiger werden. Frey schlug vor, die Tarifzonen, wie es sie im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gibt, zu ändern, damit Fahrten aus dem Umland nach Frankfurt günstiger werden. Damit steige auch der Anreiz, aufs Auto zu verzichten.

„Man sollte jede Autofahrt infrage stellen“, sagte Friedhelm Ardelt-Theeck vom Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn. Er ermutigte Autofahrer, ihre Gewohnheiten zu überdenken. Der ÖPNV, über den viel geschimpft werde, sei besser als sein Ruf. Auf Autofahrten in die Frankfurter Innenstadt verzichte er wegen des gut ausgebauten Nahverkehrs seit langem.

Lars Keller von „Fridays for Future“ kritisierte die hohe Zahl der SUVs in der Stadt. Aus seiner Sicht könne man die schweren und breiten Fahrzeuge sogar abschaffen. „Manche Spritfresser gehören schon in der Produktion verboten“, sagte er. Moderator Thomas Klee, vormals beim HR, entgegnete, er fühle sich in seinem „kleinen SUV“ sicher, wie so viele Deutsche: Ein Drittel der Neuzulassungen seien mittlerweile SUVs mit durchschnittlich 165 PS.

Kritik an Einhausung

Einen Teil des Straßenraums, der bislang den Autos zur Verfügung steht, will Alexander Breit den Radfahrern zugute kommen lassen. Wie der Vertreter des Radentscheids Frankfurt ausführte, sehe er dafür gute Ansätze beim ausgehandelten Radentscheidkompromiss mit der Stadt Frankfurt.

„Die rote Farbe, die nun zum Beispiel in der Kurt-Schumacher-Straße aufgetragen wird, ist nur der erste Schritt. Die Trennung der Radwege vom Autoverkehr muss noch folgen.“ Als Feuerprobe bezeichnete er den Wegfall von zwei Fahrspuren auf der Friedberger Landstraße beziehungsweise Konrad-Adenauer- und Kurt-Schumacher-Straße. Dort sollen provisorisch getrennte Radwege hinzukommen, in den Osterferien zwischen Friedberger Tor und Battonnstraße, in den Sommerferien vom Friedberger Tor zum Friedberger Platz.

Folkhart Funk von der Umweltorganisation BUND Frankfurt-Ost kritisierte das geplante Ernst-May-Viertel sowie die Einhausung der A661. Dadurch würden wertvolle Biotope in den wegfallenden Kleingärten nahe der Autobahn A661 zugunsten von Rasen auf dem geplanten Autobahndeckel vernichtet. Auch der Bau des Rewe-Logistikzentrums in Wölfersheim und der Ausbau des Frankfurter Flughafens stehe der Verkehrswende entgegen.

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