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In der Kasinostraße wird der Radverkehr auf einer Straßenseite zwischen Dalbergkreisel und Andreasplatz gegen die Einbahnrichtung geführt. Gerade dort stellen nahe an der Fußgängerzone Lieferanten immer wieder ihre Autos auf dem Schutzstreifen ab. Foto: Maik Reuß

In Nied und Höchst

Verkehrsversuch soll Situation der Radfahrer an gefährlichen Stellen verbessern

Auffällig rot markiert worden sind Radwege und -schutzstreifen am Nieder Kirchweg und in der Kasinostraße. Das Radfahrbüro des Straßenverkehrsamts will damit testen, ob sich die Situation für Radfahrer verbessert.

Frankfurt - In anderen Städten, etwa Berlin oder Karlsruhe, gibt es schon viel mehr dieser rot markierten Radwege und Radfahrer-Schutzstreifen; in Frankfurt wird die auffällige Markierung bisher eher zurückhaltend eingesetzt. Nun sind im Frankfurter Westen der vom Dalbergplatz bis zur Zuckschwerdtstraße gegen die Einbahnrichtung der Kasinostraße geführte Radweg und Teile der Radfahrerführung auf dem Nieder Kirchweg und an der Stroofstraße rot markiert worden. "Es ist ein Versuch", sagt Joachim Hochstein vom Radfahrbüro des Straßenverkehrsamts.

Mit der Markierung wolle man erreichen, dass den Radfahrern mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde. Eine solche Roteinfärbung ist auch beim Rad- und Schutzstreifen am Baseler Platz umgesetzt und in Richtung Hafentunnel fortgesetzt worden. Fahrrad-Piktogramme weisen zusätzlich auf die Radfahrer hin. Auf der Kasinostraße nahe der Fußgängerzone wird der in Richtung der Zuckschwerdtstraße führende Radweg ständig von Lieferanten zugestellt; auf dem Nieder Kirchweg kreuzt die Rad-Infrastruktur mehrere Zu- und Abfahrten der Schwanheimer Brücke. "Es ist die klassische Situation der Rechtsabbieger, die Radfahrer gefährdet", sagt Hochstein. "Es ist unsere Strategie, verstärkt Aufmerksamkeit durch Farbe herzustellen. Wir wollen schauen, ob es Effekte gibt."

"Nicht inflationär"

Die rote Markierung solle jedoch nicht inflationär eingesetzt werden. Am Nieder Kirchweg / Stroofstraße ist der Radfahrstreifen zwischen den Fahrbahnen sowie die Radfahrer-Furt über die B 40-Zubringer markiert worden. Bei der Roteinfärbung sei darauf geachtet worden, dass der Plastiküberzug die Griffigkeit der Radfahrer nicht gefährde, sagt Joachim Hochstein. In anderen Städten hatte es damit bei Nässe vereinzelt Probleme gegeben; sogar von "Blutstreifen" war die Rede. Der Überzug muss jedoch auch der Dauerbelastung des querenden Autoverkehrs standhalten.

Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Frankfurt, begrüßt den Markierungs-Vorstoß der Stadt: "Man sollte es dort einsetzen, wo eine gewisse Sicherheitsproblematik besteht", sagt er. "Es macht keinen Sinn, jede Radverkehrsstruktur rot einzupinseln." Auf langen Radwegen ohne Kreuzungssituationen sei die Markierung überflüssig. Einsetzbar sei sie dort, wo ein Radweg durch eine Straße unterbrochen werde. Allerdings könne die Markierung auch auf längeren Bordstein-Radwegen sinnvoll sein, wenn etwa viel genutzte Ein- und Ausfahrten die Radler gefährdeten - etwa bei den Autohäusern auf der Mainzer Landstraße. Der ADFC sei diesbezüglich im Gespräch mit der Stadt.

Es gibt viele Beschwerden von Radfahrern: Zwar wird die Öffnung von Einbahnstraßen im Gegenverkehr von den Radlern nach Auskunft des ADFC gut bewertet (Note 1,9), und auch die Möglichkeit, sich ein öffentliches Fahrrad auszuleihen, wird positiv gewürdigt (Note 2,6). Jedoch gibt es einige Aspekte, bei denen Frankfurt sehr schlecht abschneidet.

Immer die Falschparker

Dazu gehört die als mangelhaft empfundene Falschparkerkontrolle auf Radwegen: Note 5,3 gab es von den Radfahrern dafür. Auch bei der Breite der Radwege (Note 4,9), der Ampelschaltungen, des Fahrraddiebstahls und der Konflikte mit dem Autoverkehr steht Frankfurt mit einer Benotung von jeweils nur 4,8 nicht sonderlich gut da. Diese Umfrage nennt sich "Fahrradklimatest".

Seit 2016 wurde zwar viel in Fahrradabstellanlagen und Wegweisung investiert. Doch davon konnte das Fahrradklima in Frankfurt nicht profitieren, denn die Einzelnoten haben sich nicht verändert. Verschlechterungen um jeweils 0,4 Punkte gab es zudem beim Fahren auf Radwegen und -streifen und beim Fahren im Mischverkehr. Die Kritik ist geharnischt: Radfahrer erlebten immer wieder "die Kapitulation der Ordnungsbehörden vor Falschparkern und dass Parkplätze für wichtiger gehalten werden als eine gute Rad-Infrastruktur", bemängelt der ADFC.

Kritik gibt es seitens der Autofahrer aber auch immer wieder am Verhalten von Radfahrern, die rote Ampeln missachten oder mit Karacho gegen die Einbahnrichtung durch enge Straßen fahren. Es ist immer wieder festzustellen: Die Straßen sind zu eng.

VON HOGER VONHOF

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