Protest mal anders

Vereint im Kampf um Klima und Straße

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Fridays for Future und Radentscheid fahren zusammen durch Frankfurt. Die Sternfahrt zur IAA am 14. September wird „das größte Brett, das Hessen je gesehen hat“.

Freitag, halb vier, Bockenheimer Warte. Man möge bitte nicht rauchen, oder wenn, dann irgendwo am Rand, sagt jemand durch. „Und keine Gewalt, nehmt Rücksicht, denkt daran: Wir Menschen sind alle gleich.“ Dann geht’s los, die Fridays-for-Future-Demo ist wieder unterwegs, sie ist hier, sie ist laut – aber zum zweiten Mal, seit es sie gibt, ist ihr Hauptgeräusch: Fahrradklingeln.

Die Initiative Radentscheid ist wieder dabei. „Fridays for Future und Radentscheid stehen für eine Verkehrswende und die autofreie Innenstadt“, sagt Emil, der für die auch in den Ferien demonstrierenden Schüler spricht. „Wir schaffen es durchaus, die Diskussion über die Klimaziele in die Gesellschaft zu tragen“, betont er. „Aber wir haben nicht das Gefühl, dass das Thema wirklich in der Politik angekommen wäre. Wir sehen jeden Tag, wie das Eis an den Polen wegbricht, Flut und Trockenheit.“ Kaum zu glauben, findet Emil, dass Politiker darüber hinwegsehen können.

Unterstützung aus Schweden

Der Protest ist wie stets am Freitag bunt und fröhlich, es gehen auch Leute mit, die sichtbar keine Schüler mehr sind und Plakate tragen wie: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen (Immanuel Kant)“.

Das Motto hat Janine O’Keeffe längst verinnerlicht, eine in Stockholm lebende Australierin, die vor einem Jahr zu den ersten Unterstützerinnen von Fridays-Gründerin Greta Thunberg zählte. „Greta nannte die Klimakrise eine Krise“, sagt O’Keeffe im Gespräch mit der FR, „und sie will, dass die Politiker auch Krise dazu sagen.“ Um das weiterzugeben, ist sie unterwegs. „Ich wollte das Thema aus Schweden hinausbringen“, erklärt sie ihre Motivation. Mit Greta steht sie regelmäßig in Kontakt. Wird sie ihr von Frankfurt erzählen? „O ja! Aber Greta weiß sowieso von Frankfurt.“

Rund 300 Teilnehmer trotz Regens

Von hier wird Janine O’Keeffe nach Dortmund zum Klimakongress reisen, aber erst einmal ist sie bei der Raddemo dabei. Genau wie Janna (11) und Luna (so gut wie 11). „Die Politiker werden nichts machen, bis etwas Schlimmes passiert, zum Beispiel, dass Amsterdam überflutet wird“, sagt Janna. Die beiden Mädchen wollen so laut sein, dass vielleicht doch Vernunft einkehrt, ehe Amsterdam untergeht. „Andere Länder machen ja auch was.“ Bei der Raddemo bewerben sie sich als „Korker“. Das sind Leute, die an Straßenkreuzungen die Autos aufhalten, damit der Zug ungestört passieren kann. Die sollten allerdings schon 18 sein. Hat irgendjemand bei der Demo minderjährige Korker gesehen? Die FR jedenfalls nicht.

Leider regnet es am Freitagnachmittag. Zuerst sieht es nicht so aus, als würden viele Leute kommen, aber dann sammeln sich doch etwa 300. Unter ihnen: Werner Buthe vom Radentscheid, der die Fridays-Schüler bei der Organisation unterstützt, wo es nur geht. „Wir als Schwarm müssen die Leute zum Umdenken bewegen: Wie gewichten wir alles, damit das bestmögliche Zusammenleben herauskommt? Wir haben keine Zeit, und wir haben nur eine Erde.“

Weil das so ist, leitet Buthe auch die Sternfahrt zur Automobilausstellung IAA am 14. September. „Das wird das größte Brett, das Hessen je gesehen hat“, verspricht er, „nie gab es eine so große Sternfahrt.“ An die 20 000 Teilnehmer aus sieben Himmelsrichtungen erwartet er. Die sind dann hier und laut, damit ihnen niemand mehr die Straße klaut.

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