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Frankfurt: Verdi kämpft für faire Löhne für Handwerker:innen

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Verdi und Arbeitnehmende diskutieren und demonstrieren für höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Monika Müller
Verdi und Arbeitnehmende diskutieren und demonstrieren für höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Monika Müller © Monika Müller

Die Gewerkschaft führt den Arbeitskampf mit „aktiven Pausen“. Und Frühstück.

Vor dem Grünflächenamt, bei der Stadtentwässerung und im Palmengarten treffen sich am Donnerstagmorgen Beschäftigte des öffentlichen Diensts. Es gibt Kaffee und Bockwurst, doch man redet nicht nur über Privates.

Die gemeinsame Pause wurde von Verdi initiiert, um auf die neuen Verhandlungstermine zum Hessischen Lohntarifvertrag (HLT) für Handwerker:innen im öffentlichen Dienst aufmerksam zu machen. Berufe umfassen dabei zum Beispiel Reinigungskräfte, Kraftwagenfahrer:innen, Müllwerker:innen, aber auch Gärtner:innen und Tierpfleger:innen.

Es gehe in die entscheidende Phase, kommentiert Christian Barthelmes, Chef des Gesamtpersonalrats der Frankfurter Stadtverwaltung und Verdi-Mitglied, die kommenden Verhandlungen. „Heute bin ich als ‚Verdianer‘ hier, der für angemessene Löhne kämpft“, betont Barthelmes. Diese sind das Ziel der Tarifverhandlungen zwischen dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) in Hessen und den Personalräten. „Wir kämpfen für eine finanzielle Aufwertung der Arbeit, die die Menschen hier leisten, ganz konkret durch Geld“, so Barthelmes weiter. Dafür müsse der HLT von 1991 an vielen Stellen nachgebessert und den heutigen Arbeitsverhältnissen angepasst werden.

Die Anforderungen an die handwerklichen Tätigkeiten seien gestiegen und Berufe wie beispielsweise Spielplatzkontrolleure gäbe es nicht einmal im Tarifvertrag, erklärt er. Die Einordnung von handwerklichen Berufen in höhere Entgeltklassen und die Entlohnung von sogenannten Mischtätigkeiten sind nur einige offene Punkte, die die Gewerkschaft aushandeln will. „Viele Beschäftigte üben verschiedenste Aufgaben aus, werden aber nicht entsprechend entlohnt“, so Barthelmes.

Julia Sedlaczek, Auszubildende zur Gärtnerin für Zierpflanzen, überlegt bereits länger, ob sie Verdi beitreten solle. „Eigentlich müssen wir alle für mehr Geld kämpfen“, gibt sie zu bedenken.

Die Verhandlungen haben bereits im Oktober 2019 begonnen, doch bislang konnte keine Einigung erzielt werden. Barthelmes begründet dies mit der „grundlegenden Verweigerungshaltung“ und langsamen Organisation des KAV.

Freilandgärtner Steffen Schenk kommentiert die Situation auf der Arbeit trocken mit „schlecht halt“. Es gebe viele unbefristete Verträge, die im November endeten, wodurch das Weihnachtsgeld entfalle. Auch die Urlaubszeit im Sommer könne man als Gärtner nicht so gut nutzen.

Luis Spiegel, Jugendauszubildendenvertreter im Palmengarten, fordert daher eine unbefristete Übernahme für alle Auszubildenden. Er habe noch Hoffnung, dass ein Kompromiss erreicht werde.

Leon Kubiczak, Laszo Hinz und Kerem Kumbasar sind Auszubildende des Garten- und Landschaftsbaus. Hinz bekommt 820 Euro Lohn im ersten Lehrjahr. „Bei einer Miete von über 500 Euro in Frankfurt bleibt da nicht viel übrig.“ Kumbasar fügt hinzu, dass zwei Fünfzehn-Minuten-Pausen bei schwerer körperlicher Arbeit zu wenig seien.

Barthelmes zeigt sich trotz vieler offener Punkte optimistisch, dass sich die Parteien einigen. Eine Einschätzung des KAV Hessen konnte gestern nicht eingeholt werden.

Die Verhandlungen werden am 9. März fortgeführt.

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