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Frankfurt: VdK Hessen fordert jährlichen Landessozialbericht

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Von: Steven Micksch

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Der größte Teil der pflegebedürftigen Menschen in Hessen wird zu Hause gepflegt.
Der größte Teil der pflegebedürftigen Menschen in Hessen wird zu Hause gepflegt. © Monika Müller

Paul Weimann, der Landesvorsitzende des VdK Hessen-Thüringen, zeigt beim Neujahrsempfang des größten Sozialverbandes die drängendsten Probleme für 2023 auf.

Vermutlich hätte der Landesvorsitzende des VdK Hessen-Thüringen, Paul Weimann, bei seiner Ansprache auf dem Neujahrsempfang des Sozialverbands noch ein Dutzend soziale Probleme benennen können. Doch der 66-Jährige beließ es angesichts der Redezeit bei drei drängenden Themen für das Jahr 2023.

Zuvor hatte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) zu den Gästen in der Deutschen Nationalbibliothek gesprochen. In Zeiten sich überlappender Krisen würden die sozioökonomisch benachteiligten Menschen am härtesten von den sich potenzierenden Problemen getroffen. Genau jenen helfe der VdK, der nicht nur der größte Sozialverband Hessens, sondern auch bundesweit der mitgliederstärkste ist. Der Verband kämpfe für soziale Gerechtigkeit und sorge dafür, dass die Hilfen, die es im deutschen Sozialstaat gibt, bei den Menschen ankommen. Dabei trete er immer wieder als konstruktiv kritischer Gesprächspartner auf. „Das ist gut und richtig, denn aus Widerspruch entsteht etwas Neues“, lobte Klose.

Häusliche Pflege belastet

Landesvorsitzender Weimann knüpfte daran an. Der VdK erlaube sich, kritisch zu sein, weil daraus Konstruktivität entstehe. Für den Verband sei es wichtig, die Menschen in den Mittelpunkt allen Handelns zu stellen.

Ein wichtiges Anliegen war deshalb für Weimann das Thema häusliche Pflege. Im vergangenen Jahr hatte der Verband mit dem Schlagwort „#Nächstenpflege“ eine Kampagne für mehr Aufmerksamkeit für diesen wichtigen Pflegebereich gestartet. Dabei wurden auch mehrere „Demos ohne Menschen“ organisiert, um zu zeigen, dass Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, eben keine Zeit haben, um auch noch für bessere Bedingungen zu kämpfen.

Der Vorsitzende erklärte, dass es 2021 rund 370 000 Pflegebedürftige in Hessen gab. Das seien 19 Prozent mehr als 2019. „Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.“ Und: 84 Prozent dieser Menschen würden zu Hause gepflegt. Das werde aber zu wenig beachtet in der medialen Welt. Man müsse erkennen und vor allem würdigen, dass die häusliche Pflege „wahnsinnig belastend“ sei. Es gehe dabei auch ums Geld, aber eben auch um die Wertschätzung der Pflegenden. Weimann plädierte dafür, wieder mehr auf den Anderen zu schauen und das Miteinander in den Vordergrund zu stellen.

Auch das Problemfeld der Armut sprach Weimann an. 2022 hätten 40 Prozent mehr Menschen die Tafeln aufgesucht. Kinder- und Altersarmut seien real – auch in Hessen. Mittlerweile sei die Armutsquote nicht mehr unterm Bundesdurchschnitt. Weimann forderte Klose auf, den Sozialbericht nicht mehr nur alle fünf Jahre zu erstellen, sondern jährlich. Dadurch gewinne man mehr Handlungsorientierung.

Bei der aktuellen Energiekrise warnte der 66-Jährige davor, die Hilfen nicht ins Leere laufen zu lassen. Die Kommunen bräuchten Unterstützung, um die Auszahlung des Wohngelds auch personell stemmen zu können.

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