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Einige Reihen von Kriegsgräbern auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main.
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Gräber auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main.

Justiz

Kurioser Grabraub in Frankfurt: Mann klaut tausende Knochen und hunderte Urnen

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der Prozess gegen einen Hobby-Grabräuber scheitert unter seltsamen Umständen vor dem Amtsgericht Frankfurt.

Frankfurt – Der Auftritt ist so schaurig, wie die Anklage es verspricht, und die lautet immerhin auf Störung der Totenruhe und schweren Diebstahl. Langsamen und schweren Schrittes nähert sich der 53 Jahre alte Angeklagte am Dienstagmorgen dem Amtsgerichtssaal in Frankfurt. Den langen schwarzen Mantel hat er sich zum Schutz vor den Pressefotografen über den Kopf gezogen, ein schmaler Schlitz am Kopf offenbart nur den Blick auf eine weiße Gesichtsmaske. Dann nimmt die vermummte Gestalt auf der Anklagebank Platz und verharrt dort völlig regungslos. Einzige Lebenszeichen sind das Heben und Senken der Maske durch Atmung. Der Angeklagte erinnert an ein Schreckgespenst, wenn auch ein stark adipöses.

Angeklagt ist der Diebstahl von mehr als 131 Urnen von Frankfurter Friedhöfen. Aber die sind nur ein Teil der Geschichte. Insgesamt soll der Mann von 2017 bis 2019 auf dem Hauptfriedhof und den Friedhöfen von Griesheim, Heddernheim, Höchst und Niederrad etwa 400 Urnen und fast ebenso viele Grabsteine oder -platten gestohlen haben. Zudem soll er aus diversen Beinhäusern auch Knochen Verstorbener aus abgelaufenen Gräbern an sich genommen haben. Bereits im Mai vorigen Jahres hatte das Amtsgericht den Grabräuber zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt, aber die 131 Urnen, um die es jetzt gehen soll, waren damals nicht Teil der Anklage.

Diebstahl in Frankfurt bewiesen: Polizei fand tausende Knochen und hunderte Urnen

Der Angeklagte ist geständig. Leugnen wäre angesichts der etwa 3.000 Knochen und Hunderten Urnen, die Polizeibeamte im September 2019 bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Bad Soden gefunden hatte, auch ziemlich zwecklos gewesen. Auf die Spur waren die Ermittler:innen ihm gekommen, nachdem sie die Videos von Überwachungskameras an friedhofsnahen S-Bahn-Stationen ausgewertet hatten – an den Tagen der Grabräubereien war jedes Mal der damals unvermummte Mann zu erkennen.

Aus dem ersten Prozess kennt man auch sein Motiv. Der Mann, der als Hausmeister in einer Klinik arbeitet, hat keinerlei soziale Kontakte. Einzige Bezugsperson war wohl seine Mutter, die 2007 starb. Bei der Pflege ihres Grabs sei ihm die Idee mit der Grabräuberei gekommen.

Er habe das aus zwei Gründen für eine gute Idee gehalten: Zum einen sei dieses Hobby „außergewöhnlich“ und somit erstrebenswert. Zum anderen habe er sich an der Stadt Frankfurt rächen wollen, weil die seine Bewerbung als Friedhofsgärtner ignoriert habe. Im ersten Prozess war es versäumt worden, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen, das die Frage klärt, ob der Mann noch ganz bei Trost ist. Das soll in dieser Verhandlung nachgeholt werden.

Frankfurter Gericht scheitert an eigener Besetzung - Kurioses Hobby bleibt weiterhin ungestraft

Doch dazu kommt es nicht. Einer der beiden Schöffenrichter ist nicht erschienen. Das passiert hin und wieder, aber dieser Schöffe hat sich nicht abgemeldet. Das passiert seltener. Und er ist telefonisch nicht erreichbar. Für solch extrem seltenen Fälle hat das Amtsgericht einen Ergänzungsschöffen parat, der eigentlich nichts weiter zu tun hat, als im Notfall telefonisch erreichbar zu sein. Was er allerdings nicht ist. Nach knapp einer Stunde der versuchten Störung der Schöffenruhe sieht der Amtsrichter ein, dass wohl nichts mehr zu machen ist.

Und damit wird der Prozess zumindest für diesen Verhandlungstag zu Grabe getragen. Wann ein neuer Versuch unternommen wird, steht noch nicht fest. Der Angeklagte verlässt das Gericht ebenso langsam und gravitätisch, wie er es betreten hat. (Stefan Behr)

Kuriose Begründungen von Angeklagten sind dem Frankfurter Amtsgericht nicht neu: Im Juli stand eine 79-Jährige unter Verdacht, spielende Kinder in Frankfurt mit Steinen beworfen zu haben.

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