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Frankfurt: Urlaubsziel Freibad

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Von: Oliver Teutsch

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Urlaub im Freibad, wie hier in Hausen, war im Juni das Motto vieler Menschen. Michael Schick
Urlaub im Freibad, wie hier in Hausen, war im Juni das Motto vieler Menschen. Michael Schick © Michael Schick

Im Juni gab es einen neuen Besucherrekord in den Bädern. 1,1 Millionen Besucher. Brentanobad besonders beliebt.

Eigentlich wollte Marie Luisa Jünger in ihrer Mittagspause im Brentanobad ein paar Bahnen schwimmen. Doch stattdessen steht sie nun an diesem leicht regnerischen Donnerstag Sportdezernent Mike Josef (SPD) gegenüber und hat die Hände voll mit Geschenken: Eine Quietschente mit Schwimmbrille, einen Blumenstrauß, einen Bembel mit Gravur „Frankfurter Bäder“ und einen Schwimmbad-Gutschein wird sie aus ihrer Mittagspause zurück in die City West nehmen. Bäderchef Boris Zielinski hat sie kurz davor zum 1,1 millionsten Badegast dieser Saison gekürt. Allein im Juni kamen 485 000 Menschen, allen voran in die Freibäder. „Das ist schon gigantisch, das ist der beste Juni aller Zeiten für uns“, freute sich Zielinski. Zum Vergleich: Im Jahr 2019, vor Ausbruch der Pandemie, hatten sich in der kompletten Saison 608 000 Menschen in den sieben Freibädern abgekühlt.

Vor allem das Brentanobad ist in diesem Sommer sehr angesagt. „Vielleicht liegt das an unserer neuen Rutsche“, mutmaßt Zielinski. Jubiläumsbesucherin Jünger kommt nicht wegen der Rutsche: „Ein Freibad ist einfach ein Stückchen wie Urlaub.“ Sportdezernent Josef kann das unterstreichen: „In Zeiten wirtschaftlicher Zwänge wird die Stadt immer mehr zum Urlaubsort.“ So gesehen ist die Rekordmarke nicht nur ein Grund zum Jubel, sondern auch Ausdruck der derzeit schwierigen Umstände und einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Angesichts der Pandemie und der hohen Preise machen in diesem Jahr viele Menschen Urlaub auf Balkonien oder eben im Freibad.

Beucher Freibäder im Juni

Brentanobad: 80 000

Hausen (seit 1. Mai): 75 000

Riedbad (inkl. Hallenbad): 60 000

Eschersheim: 50 000

Stadion: 50 000

Silobad: 30 000

Nieder-Eschbach: 25 000

Ein weiterer Grund für den Besucherboom ist der kostenlose Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, der immer mehr genutzt wird. Etwa 250 000 Badegäste im Juni waren unter 15 Jahre alt. Zum Vergleich: In der gesamten Freibadsaison 2019 waren es 120 000.

Die Stadt lässt sich den freien Eintritt einiges kosten und will auch weiter in ihre Bäder investieren. Einsparungen in diesem Bereich kommen für Josef nicht in Frage: „Jede Kommune, die Schwimmbäder geschlossen hat, um kurzfristig Haushaltslöcher zu stopfen, hat das langfristig bereut.“

In Frankfurt sollen die Bäder nicht geschlossen, sondern wie im Falle des Rebstock- und des Panoramabads neu gebaut oder wie das Riedbad in Bergen-Enkheim modernisiert werden. 15 Millionen Euro will die Stadt dafür demnächst in die Hand nehmen. Im Bäderkonzept 2025 wird dem kombinierten Hallen- und Freibad eine Rolle als Familienbad zugedacht. In eben jenem Konzept hatte eine Bedarfsanalyse übrigens schon 2018 eine stark steigende Besucherzahl vorausgesagt, weil Frankfurt wächst, immer mehr Menschen aus dem Umland mangels eigener Schwimmbäder nach Frankfurt kommen und der Klimawandel die Menschen immer häufiger nach Abkühlung lechzen lässt.

Dass mit Stammgast Jünger übrigens Besucherin 1,1 Millionen und nicht die runde Million gekürt wurde, liegt Josef zu Folge einfach an dem überraschenden Ansturm: Wir sind vom eigenen Erfolg überholt worden.“

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