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Frankfurt: Untersuchung zum Heldbockkäfer läuft

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Von: Florian Leclerc

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Mit Baumhäusern wie diesem wollen Aktivist:innen die Rodung verzögern.
Mit Baumhäusern wie diesem wollen Aktivist:innen die Rodung verzögern. Foto: Christoph Boeckheler © christoph boeckheler

Die Rodung im Fechenheimer Wald für den Ausbau der A66 sollte im November beginnen. Doch vorher müssen die Ergebnisse zum Vorkommen des Heldbockkäfers vorliegen.

Der geschützte Käfer Heldbock im Fechenheimer Wald wird die Rodung voraussichtlich verzögern. Im November wollte die Autobahn-Gesellschaft des Bundes zu roden beginnen. „Das exakte Datum des Beginns der Fällarbeiten steht noch nicht fest“, teilte die Autobahn-Gesellschaft nun mit. Die Rodung soll aber bis Februar 2023 abgeschlossen sein. Im Wald soll eine Baustraße für den 2,2 Kilometer langen Ausbau der Autobahn A66 entstehen.

Nachdem Aktivist:innen im Juli ein Heldbockweibchen bei der Eiablage gefilmt hatten, schickte die Autobahn-Gesellschaft Fachleute in den Wald. „Die Untersuchungen bezüglich des Heldbockkäfers sind noch nicht abgeschlossen“, sagte ein Sprecher der Autobahn-Gesellschaft nun.

Der BUND in Frankfurt hatte in Schreiben an die Planfeststellungsbehörde, die Obere und Untere Naturschutzbehörde sowie die Autobahn-Gesellschaft einen Stopp der Rodung gefordert, um einen Umweltschaden zu verhindern. Die Untere Naturschutzbehörde im städtischen Umweltamt verwies auf die Zuständigkeit der Planfeststellungsbehörde, der Oberen Naturschutzbehörde sowie die Autobahn-Gesellschaft als Vorhabenträgerin.

Autobahn-Gesellschaft kann artenschutzrechtliche Ausnahme beantragen

Die Obere Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Darmstadt teilte mit, artenschutzrechtliche Konflikte müsse die Autobahn-Gesellschaft selbst lösen. Falls der Heldbock nachgewiesen werde, könnte die Autobahn-Gesellschaft eine artenschutzrechtliche Ausnahme beantragen. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist eine Ausnahme vom Artenschutz aus „zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art“ möglich. Die Planfeststellungsbehörde müsste die Ausnahme genehmigen.

Die Planfeststellungsbehörde, das hessische Verkehrsministerium, verwies auf eine artenschutzrechtliche Prüfung aus dem Jahr 2015. Damals sei kein Heldbock im Wald entdeckt worden. Nach den neuen Erkenntnissen sei die Autobahn-Gesellschaft um eine fachliche Stellungnahme gebeten worden. Da die Ergebnisse ausstünden, könne das Ministerium zum weiteren Vorgehensweise noch keine Angaben machen.

Initiativen hatten wegen des Rückgangs an Bechsteinfledermäusen im Wald einen Rodungsstopp gefordert. Laut „Monitoring Bechsteinfledermaus 2021“, der im Auftrag der Autobahn-Gesellschaft entstanden ist, schrumpfte die Population an Bechsteinfledermäusen in der sogenannten Westkolonie in den vergangenen Jahren. In der Ostkolonie blieb die Population konstant.

Rodung darf Bechsteinfledermaus stören

Wie die Obere Naturschutzbehörde mitteilte, dürfe die Autobahn-Gesellschaft auch dann roden, wenn sich das auf die Fledermäuse auswirke. Die Autobahn-Gesellschaft habe im Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2019 eine Ausnahme vom artenschutzrechtlichen Störungsverbot erhalten.

Das hessische Verkehrsministerium konkretisierte: „Eine Umsiedlung der Bechsteinfledermaus sieht der Planfeststellungsbeschluss nicht vor.“ Es seien etwa 70 Ausweichquartiere wie Nistkästen und Baumhöhlen angelegt worden. Die Autobahn-Gesellschaft verzichte auch auf forstliche Nutzung in Teilen des Waldes, lege Streuobstwiesenflächen bei Seckbach an und baue eine Grünbrücke zwischen dem Fechenheimer und dem Enkheimer Wald für die Bechsteinfledermaus und weitere Tiere. Das Fledermaus-Monitoring laufe über einen Zeitraum von zehn Jahren, um nachjustieren zu können.

Im Fechenheimer Wald haben Aktivist:innen unterdessen zahlreiche Baumhäuser errichtet, um die geplante Rodung zu verzögern.

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