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Frankfurt: Unterstützung für trauernde Eltern nach der Geburt

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Von: Steven Micksch

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Spezielle Grabfelder für Sternenkinder gibt es in Frankfurt, aber auch, wie im Bild, in Darmstadt.
Spezielle Grabfelder für Sternenkinder gibt es in Frankfurt, aber auch, wie im Bild, in Darmstadt. © Peter Jülich

Der Verein „Unsere Sternenkinder Rhein-Main“ bietet in Frankfurt und drei weiteren Städten Hilfe für Eltern von früh verstorbenen Kindern an. Die Thematik ist noch zu sehr mit Tabus behaftet.

Die gut gemeinten Ratschläge und unpassenden Aufmunterungsversuche waren mit das Schlimmste, erinnert sich Jessica Hefner noch heute. 2017 war es, als Sohn Jona bei der Geburt starb. Das Ehepaar Hefner war darauf vorbereitet gewesen: Die Diagnose, dass der Junge wohl nicht lebensfähig sein würde, hatten sie bereits in der Schwangerschaft erhalten – und sich entschieden, Jona weiterzutragen. Den Schmerz konnte das Vorwissen trotzdem nicht mindern. Und die Sätze wie „vielleicht ist es besser so“ und „immerhin habt ihr ja schon ein gesundes Kind“ machten beide Elternteile wütend.

Weil damals Angebote für Eltern rar waren und für Väter ganz fehlten, entschieden sich die beiden Offenbacher schließlich, selbst eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Zunächst in Offenbach, später auch in Frankfurt. Mittlerweile gibt es die Gesprächskreise in vier Städten. 2019 gründeten sie den gemeinnützigen Verein „Unsere Sternenkinder Rhein-Main“. Die Angebote wurden ausgeweitet, etwa mit einer Geschwistergruppe, Trauergruppe, Impulstreffen zu Folgeschwangerschaften und mehr. Ehemann Joshua Hefner initiierte im Verein auch ein Vätertreffen. Nicht weil Männer unbedingt anders trauern, sondern weil Angebote wie Rückbildungskurse eher den Frauen vorbehalten sind. Trotzdem sei es schon so, dass die Väter der Trauer erst später Raum gäben, weil sie anfangs für die Partnerin da sein wollten. Jessica Hefner fragt sich aber selbst, ob der Vätertreff noch zeitgemäß sei, da es gleichgeschlechtliche weibliche Paare ausschließe und es für sie kein Angebot gebe.

Nach Jonas Tod wurde Jessica Hefner wieder schwanger. Diesmal erwartete das Paar ein Mädchen: Juno. Zwei Tage nach der Geburt war das Kind tot. Es hatte einen aggressiven bakteriellen Infekt, den es nicht besiegen konnte. Ein zweiter Schicksalsschlag, der die Familie erneut hart traf. Freunde und Familie kümmerten sich um Geschwisterchen Jakob, kochten Essen oder kamen zu Besuch. Diesmal herrschte eher Stille, weil auch das Umfeld erschüttert war. Auch Monate später war das Schweigen bei Treffen nur schwer auszuhalten. „Man sollte nicht so tun, als hätte es sie nicht gegeben“, sagt Jessica Hefner. Sie empfiehlt, wenn man keine passenden tröstenden Worte findet, Fragen zu stellen. Wie war die Geburt oder die Beerdigung seien keine Tabufragen, sondern könnten Gesprächsansätze mit den Eltern schaffen.

Generell seien die Themen Fehlgeburt, Totgeburt oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder noch zu sehr tabuisiert. Dabei seien viele Menschen davon betroffen, doch gesprochen werde darüber zu wenig. Auch deswegen gebe es unpassende, wenn auch gut gemeinte Sätze nach solchen Schicksalsschlägen.

Gedenktag

Am Sonntag ist das „Worldwide Candle Lightning“, ein Gedenktag für alle verstorbenen Kinder. Dabei stellen Eltern und Angehörige um 19 Uhr für eine Stunde eine Kerze in ihr Fenster. Über alle Zeitzonen entsteht so ein 24-stündige Lichterwelle.

Von 16 bis 18 Uhr organisiert der Sternenkinder-Verein am Sonntag eine Mahnwache auf dem Domplatz in Frankfurt. Kerzen werden gestellt, die Veranstaltung ist öffentlich und wird von einer Harfinistin begleitet. mic

Wenn man das Paar Hefner heute fragt, wie viele Kinder es hat, sagen sie fünf. Drei lebende und zwei verstorbene. Und keines wird jemals vergessen werden.

Kontakt zum Verein per Mail an info@ unsere-sternenkinder-rhein-main.de und mehr Infos auf der Internetseite unsere-sternenkinder-rhein-main.de.

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