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Die Baubranche spürt den Fachkräftemangel deutlich.

Fachkräftemangel

Frankfurt: Unternehmen spüren Mangel an Arbeitskräften

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Immer mehr Betriebe in Frankfurt und Rhein-Main berichten von Schwierigkeiten, Beschäftigte zu finden. Manche gehen deshalb in der Auswahl der Auszubildenden mehr Kompromisse ein.

Immer mehr Betriebe im Rhein-Main-Gebiet haben nach einer Untersuchung des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (Iwak) an der Frankfurter Goethe-Universität Probleme, passendes Personal zu finden. Bei einer Befragung von 952 Betrieben in der Metropolregion gaben 61 Prozent an, sie spürten einen Arbeitskräfterückgang. Im Jahr 2017 hatten sich dagegen gerade einmal 34 Prozent, im Jahr 2014 sogar nur knapp 20 Prozent entsprechend geäußert.

Auch bei Unternehmensbefragungen der Industrie- und Handelskammer Frankfurt nennen die befragten Betriebe seit einigen Jahren regelmäßig den Fachkräftemangel als das größte Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Und solange die Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet weiter wächst und die Arbeitslosenquote auf geringem Niveau bleibt, wird sich das so schnell auch nicht ändern. Im Gegenteil könnte sich die Situation noch weiter verschärfen.

Das Iwak weist etwa darauf hin, dass in den kommenden Jahren relativ geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen. Dafür kämen neue Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt, die zahlenmäßig viel kleiner seien. Die Forscher gehen davon aus, dass auch dies dazu führen wird, dass der „war for talents“, der Kampf um gute Mitarbeiter, sich noch verstärken wird.

Bisher schlagen sich Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet in diesem Wettbewerb sehr gut. Anders ist es kaum zu erklären, dass die Zahl der Beschäftigten zuletzt von Jahr zu Jahr auf neue Rekordstände gestiegen ist. Immer mehr Stellen werden dabei allerdings mit Menschen besetzt, die ins Rhein-Main-Gebiet pendeln oder von weit her zuziehen. Doch das macht es, wie die Regionaldirektion Hessen der Agentur für Arbeit jüngst warnte, für Betriebe in den ländlichen Betrieben noch schwieriger, Fachkräfte zu finden – und verstärkt die Verkehrs- und Wohnungsprobleme im Ballungsraum noch zusätzlich.

In Frankfurt und Umgebung sind die Preise und Mieten in den vergangenen Jahren bereits in einem Maß gestiegen, dass es Unternehmen schwerer haben, Menschen außerhalb der Region selbst für gut bezahlte Jobs zu gewinnen. Wirtschaftsvertreter werben denn auch vehement für die Ausweisung neuen Baulands in Frankfurt und Region, um das Angebot der riesigen Nachfrage nach günstigem Wohnraum anpassen zu können.

Trotz des von den Unternehmen beklagten Fachkräftemangels gaben bei der Iwak-Befragung nur 24 Prozent der Betriebe an, sie hätten zum laufenden Ausbildungsjahr Ausbildungsplätze angeboten. Von den ausbildenden Betrieben machen viele der Studie nach Zugeständnisse, senken die Erwartungen an ihre Auszubildenden, um möglichst alle Stellen auch besetzen zu können.

Etwa die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, sie hätten Kompromisse gemacht beziehungsweise machen müssen. 38 Prozent machten dabei Abstriche bei der erwarteten schulischen Vorbildung, 26 Prozent nahmen in Kauf, dass das Ausdrucksvermögen der Bewerberinnen oder Bewerber schlechter war als gewünscht. 20 Prozent gingen Kompromisse bei den gewünschten sozialen Kompetenzen ein.

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