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Tausende besuchen das Straßenfest zwischen Bethmannpark und Höhenstraße.  

Berger Straße

Frankfurt: Unteres Berger Straßenfest steht vor dem Aus

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Wenige Wirte beteiligen sich an den Unkosten des Berger Straßenfestes in Frankfurt. Die Organisatoren möchten sich vor Trittbrettfahrern schützen.

Frankfurt - Dem Straßenfest auf der unteren Berger Straße droht das Aus. Die meisten Gastronomen haben während der Party ihre Sommergärten geöffnet. Doch immer weniger beteiligten sich an den Unkosten, klagt der Organisator, die Interessengemeinschaft (IG) Untere Berger Straße. Sie fordert die Stadt auf, ihr für die Dauer der Party die Hoheit über die Straße zu überlassen.

Seit 35 Jahren veranstaltet die IG Frankfurts zweitgrößtes Straßenfest. Zehntausende wandelten zuletzt Anfang Juni über die Berger zwischen Bethmannpark und Höhenstraße. Kosten von 130 000 Euro hat der Zusammenschluss von Wirten und Einzelhändlern, der sich für die Belebung der Einkaufsmeile einsetzt, dafür bezahlt. Alleine für die Müllentsorgung seien 25 000 Euro fällig geworden, sagt der Vorsitzende Kaweh Nemati. „Tendenz steigend.“

Frankfurt: Berger Straßenfest womöglich 2020 nicht mehr durchführbar

Auch für das Sicherheitskonzept muss der Verein immer mehr investieren. Doch von den 25 Wirten, die auf der unteren Berger ausschenken, wollten sich zunehmend weniger beteiligen. Derzeit seien es zehn, die sich nicht anmeldeten, sagt Nemati. Bis zu 20 000 Euro gingen der IG dadurch verloren. Denn ihre Sommergärten nutzten die Lokale dennoch. Die IG könne die Fläche nicht vermieten. Nach der aktuellen Kalkulation sei das Fest 2020 nicht mehr durchführbar. Und ohne die Feier könne keine Weihnachtsbeleuchtung und Werbung mehr für die Straße finanziert werden.

Erschwerend komme hinzu, dass die IG für die Fluchtwege verantwortlich sei und sich mit allen Gastronomen abstimmen müsse. Gingen die Rettungswege durch die Tische und Stühle, forderten manche Wirte Ausgleichzahlungen oder alternative Flächen. „Das können wir nicht leisten“, sagt der Vorsitzende. Nicht einmal die Supermärkte auf der Straße beteiligten sich. Dabei nähmen diese den Ständen Kunden, auch entstehe viel Abfall, den die IG zu entsorgen habe. Vor allem Glasmüll, für den zuletzt 5000 Euro gezahlt werden musste.

Nemati fordert deshalb, dass die Stadt Frankfurt der IG während des Straßenfests die Hoheit über die Berger Straße überlässt. So handhabe die Kommune das auch bei eigenen Veranstaltungen oder den Wochenmärkten. „Wir wollen nicht, dass die Außengastronomie weggeräumt wird, sondern dass sie sich am Fest beteiligen.“ Kein Wirt werde weniger Fläche erhalten. Auch könnten dann der Sicherheitsdienst der IG bei Streitereien eingreifen, „derzeit kann er nur die 110 rufen“. Bis November müsse sich die Stadt entscheiden, sagt Nemati. Dann müsse die IG die ersten Verträge für die Party im kommenden Jahr abschließen.

Rewe will Berger Straßenfest künftig unterstützen

Der Ortsbeirat 3 unterstützte die IG. In seiner jüngsten Sitzung hat das Gremium mehrheitlich einen gemeinsamen Antrag von CDU und FDP auf den Weg gebracht. Darin fordert das Gremium die Stadt auf, bei einer jährlichen Anpassung oder einer Neugenehmigung der Außengastronomie den Passus aufzunehmen, dass die Genehmigung am ersten Juniwochenende ausgesetzt wird – also während des Straßenfests.

Doch das ist laut Michaela Kraft vom Amt für Straßenbau und Erschließung nicht möglich. Die Zusage für die Außengastronomie werde nur dann temporär widerrufen, „wenn die Durchführbarkeit einer privaten Veranstaltung Dritter aus Sicherheitsgründen nachweislich nicht möglich ist“. Das sei der Fall, wenn Rettungswege durch die Außengastronomie behindert werden, wie etwa beim Ironman.

Rettungswege und Entfluchtungsflächen hätten in der Vergangenheit beim Berger Straßenfest kein Problem dargestellt, sagt Amtsleiterin Kraft. „Aus diesem Grund werden zum jetzigen Zeitpunkt die genehmigten Sommergärten zugunsten des Berger Straßenfestes nicht widerrufen.“ Zur Klärung der Gesamtproblematik sei ein Abstimmungsgespräch mit allen Beteiligten geplant.

Frankfurt: Obere Berger zeigt sich solidarisch

Gespräche wird es auch mit dem Rewe-Konzern geben, der auf der Berger drei Filialen betreibt und der das Fest künftig unterstützen will, wie eine Sprecherin des Kölner Unternehmens auf Anfrage sagt. Wie und in welchem Umfang, sei noch offen. Dazu werde sich der Leiter der Filiale oberhalb der Höhenstraße mit der IG in Verbindung setzen.

Auf der oberen Berger Straße gibt es keine Probleme mit den Gastronomen. Wenn die Bernemer Kerwe-Gesellschaft Anfang August auf die Gass’ lockt, zeigten sich die meisten Wirte mit dem Verein solidarisch, sagt der Vorsitzende Ralf Moritz. „Das läuft bei uns gut.“ Allerdings sei die Kerb auch ein Jahrhunderte altes Kulturfest, bei dem jeder mitmacht.

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