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Frankfurt: Unmut über Corona-Regeln

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Von: Steven Micksch

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Jürgen Graf kritisiert die neuen Corona-Regel-Verschärfungen in Kliniken.
Jürgen Graf kritisiert die neuen Corona-Regel-Verschärfungen in Kliniken. © peter-juelich.com

Der Ärztliche Direktor des Frankfurter Universitätsklinikum, Jürgen Graf, sieht in den ab Oktober geltenden Maßnahmen Erschwernisse ohne konkrete Notwendigkeit.

Das verpflichtende Tragen einer FFP2-Maske sobald man ein Krankenhaus betritt sowie das dreimal wöchentliche, anlasslose Testen des Klinik-Personals – dies sind zwei neue Punkte, die ab 1. Oktober durch Änderungen im Infektionsschutzgesetz auf die Krankenhäuser in Deutschland zukommen. Ein Ärgernis, wie Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Frankfurter Universitätsklinikums sowie Leiter des Planstabs stationäre Versorgung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, findet.

„Wir sehen nicht, dass das der Lage angemessen ist“, sagt Graf mit Blick auf das anlasslose Testen. Die bisher erhobenen Sicherheitsmaßnahmen im Frankfurter Krankenhaus am südlichen Mainufer hätten sich bewährt. Die nun gefassten zusätzlichen Regeln seien nicht durch die Corona-Lage zu rechtfertigen.

Gleiches gelte für die Pflicht zum Tragen der FFP2-Maske. Von vielen Beschäftigten würde sie bereits freiwillig getragen, eine Verpflichtung sei nicht nachvollziehbar. Diese werde nun zu mehr Pausen führen, die das Arbeitsschutzgesetz für das Tragen der speziellen Masken vorsehe. Graf rechnet damit, dass 28 bis 35 Prozent der Arbeitszeit nun für Pausen aufgewendet werden müsse. Dies werde zu weniger Behandlungsmöglichkeiten und weniger Kapazitäten in den Häusern führen.

Dabei habe man in Hessen durchaus diese Bedenken dem Bund mitgeteilt. Es sei aber keine Rücksprache gehalten worden und die Bedenken seien auch nicht berücksichtigt worden. „Es wird schwer werden, unseren Angestellten diese Verschärfungen der Maßnahmen zu erklären, wenn es auf der anderen Seite im Alltagsleben immer weniger Schutzmaßnahmen gibt“, sagt Graf. Dies würde das Vertrauen in Klinikleitung und die politischen Entscheidungsträger nicht stärken.

Die aktuelle Corona-Lage in den hessischen Kliniken sei moderat. Graf sprach von rund 550 Infizierten auf den Normalstationen und 70 auf den Intensivstationen. Alle seien aber in der Regel mit Corona eingeliefert worden und nicht wegen. Der Leiter des Planstabs sieht Hessen als gerüstet für den Herbst und Winter mit Corona. Es seien unterschiedliche Szenarien betrachtet und Pläne dafür entwickelt worden. Klare Prognosen seien jedoch schwierig, man bereite sich auf alles vor.

Mit Blick auf die einrichtungsbezogene Impfpflicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sagte Graf, dass er grundsätzlich ein Befürworter der Impfpflicht gewesen sei, doch sie hätte im Sommer 2021 kommen müssen nicht im Frühjahr 2022. Der Ärztliche Direktor hatte sich auch immer wieder für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. In Kliniken sei sie immer noch gerechtfertigt. Graf hatte regelmäßig betont, dass die Einführung der Impfpflicht wegen der hohen Impfquote am Uniklinikum kein Problem darstellen werde.

Das Gesundheitsamt teilt auf FR-Nachfrage mit, dass es seit März 4754 Meldungen über Personen ohne ausreichenden Nachweis einer Immunisierung bekommen hat. 1845 davon seien bearbeitet und abgeschlossen worden. Ein Betretungsverbot wurde noch nie ausgesprochen.

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