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Große Emotionen und menschliche Nähe auch auf dem Matthias-Beltz-Platz im Nordend.
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Große Emotionen und menschliche Nähe auch auf dem Matthias-Beltz-Platz im Nordend.

Fußball-EM

Frankfurt und die Fußball-EM: Tore, Tauben und Freudentaumel statt Corona

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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In Frankfurt bejubeln die Menschen das 4:2 gegen Portugal. Die Corona-Pandemie steht für 90 Minuten klar im Abseits.

Frankfurt am Main - Das Neuste vom Sport: Wer am selben Ort dasselbe Fußballspiel verfolgt, erlebt nicht unbedingt denselben Spielverlauf. Und Corona ist scheinbar vorbei – jedenfalls im Zusammenhang mit der EM 2021. Aber staunen Sie selbst.

0:0. Samstag, 17.45 Uhr. Gleich spielt Portugal in München gegen Deutschland. Die FR hat weder Mühe noch Telefongespräche gescheut, um ein portugiesisches Restaurant ausfindig zu machen, in dem sich das Spiel verfolgen lässt, aber keins gefunden. Jedenfalls nicht in Frankfurt. Höchstens in Portugal. Oder in Offenbach. Aber das muss ja nun wirklich nicht sein.

EM 2021 in Frankfurt: Großbildschirme hat doch jeder

0:0. In der Frankfurter Innenstadt hat dafür praktisch jedes Haus einen Großbildschirm, von der Schillerstraße über Hauptwache und Stoltze-Platz bis zum Paulsplatz: alles live. Die Katharinenkirche läutet zum Einlaufen der Nationalspieler. Hoffentlich hört sie um 18 Uhr wieder auf.

0:0. Die „BarCelona“ auf dem Stoltzeplatz ist vollbesetzt. Javier Gamez und Alex Brodbeck wollen dort zuschauen. „Weil es schön schattig ist“, sagt Gamez. Das kann über 90 Minuten durchaus hilfreich sein. Wer gewinnt? „2:1 für Deutschland“, sagt Brodbeck, die Mannschaft sei schon gegen Frankreich das bessere Team gewesen, „aber gegen Leute wie Kylian Mbappé ist im Einzelfall halt wenig zu machen“. Die jungen Männer sind übrigens aus Venezuela (Gamez) und Südafrika (Brodbeck) nach Frankfurt gekommen. Für die EM? Nein, zum Studieren. Wirtschaftswissenschaften.

0:0. Jetzt aber zum Spiel. Im Lokal „Leib & Seele“ sitzt es sich auch schattig, und … Toooor! Hä? Irgendwo wird gejubelt, aber der Ball – ah, jetzt auch hier. Tooor!

Frankfurt: Wenn EM ist, ist eben kein Corona

0:1. Eine Freiluftkneipe nach der anderen bejubelt zeitversetzt das erste Tor für die Deutschen. Fast überall sitzen die Leute dicht beieinander, keine Masken, und nirgends ein beherzter Schiedsrichter, der mit Freistoßspray die 1,50 Meter abmarkiert. „Und?“, sagt einer, „in Budapest war das ganze Stadion voll.“ Wenn EM ist, ist eben kein Corona. Ganz einfach. Public Viewing meint bekanntlich, wo man Englisch spricht: Leichenbeschau. Das nur am Rande.

0:0. Tor hat nicht gezählt. Im „Helium“ fällt fast das nächste – und da ist ja sogar ein freier Sitzplatz mit Abstand! Aber man sieht von dort den Fernseher nicht. Also weiter zum Paulsplatz.

0:0. Die ganze City vibriert, die ganze City ist ein Ah und Oh. Oh! Tchibo am Liebfrauenberg ist weg! Oh! Tor für Portugal.

1:0. Der Reklamier-Arm von Manuel Neuer kann nichts dagegen tun. Der Reporter im TV ist entsetzt. „Basti, wie ordnest du das ein?“ Keine Antwort von Schweinsteiger. „Basti ist schon an die Bar gegangen“, lästert ein Zuschauer. „Chips fressen“, präzisiert sein Sitznachbar.

EM 2021: Deutschland wartet wie entfesselt auf das nächste Bier

1:0. Lieber weg hier. Der Paulsplatz war schon immer ein guter Ort für alles Mögliche, aber nicht, wenn keine Frankfurter mitspielen. Vielleicht hat unser Tor ja in der „Paninoteca“ gezählt? „Nee, nur das für Portugal“, bedauert Leon. Leon? Wie Leon Goretzka? Toooor!

1:1. Tooor! auch im „Nonno“, Toooor! im „Leib & Seele“ und Toooor! eine Minute später in der „BarCelona“.

1:2. Toooor! jetzt überall, außer am Stoltzeplatz, wo beide Fernseher eingefroren sind, trotz 35 Grad Außentemperatur. Die Deutschen jetzt wie entfesselt. „Noch eins, noch eins!“ Gemeint ist natürlich: noch ein Bier.

1:2. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hat sich im Stadion zur allgemeinen Erheiterung eine Taube rechts freigelaufen, wird aber von Gnabry nicht angespielt. In der Frankfurter Innenstadt ist wenig Schwarzrotgold zu sehen, die Stimmung angenehm gelöst. Wir schauen mal weiter, was so in Bockenheim los ist.

EM 2021 in Frankfurt: Das letzte Tor für Jogi Löws Elf fällt auf dem Heimweg

1:2. An der Bockenheimer Warte: alles belegt. Auf der Leipziger Straße wäre noch was frei, nur nicht draußen, sondern drinnen im Nagelstudio „Daisy Nails“. Oh, aber da läuft kein Fußball, sondern was Romantisches. Die freundliche Mitarbeiterin wäre sogar bereit, zum Fußball umzuschalten, wenn sie auf die Schnelle den richtigen Knopf fände.

1:3. Vielen Dank, nicht nötig. In der Grempstraße fällt gerade das dritte Tor für Jogi Löws Elf, am Kirchplatz läuft die Wiederholung. Zählt? „Ei, was glaubst du, Schreiberling!“ – „Ei, ich glaub, das zählt.“ – „Ei, dann zählt’s!“

1:4. Das nächste Tor fällt auf dem Heimweg mit genug Abstand, live ins Ohr übertragen von HR-Info. Der optimale Abschluss wäre jetzt der Kastaniengarten im Eschersheimer „Drosselbart“. Aber den gibt’s ja nicht mehr.

2:4. Und noch eins für Portugal. Es mag den „Drosselbart“ nicht mehr geben, aber dafür ist ja auch Corona vorbei. Jedenfalls solange EM ist. Danach sehen wir weiter. Und gegen Ungarn sollte Jogi mal darüber nachdenken, ob er die Taube auf Rechtsaußen von Anfang an bringt. Für das Flügelspiel eine echte Belebung.

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