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Frankfurt und der Wald in der Klimakrise

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Von: Thomas Stillbauer

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Das Baumsterben macht neue Ideen nötig – und vor allem Klimaschutz.
Das Baumsterben macht neue Ideen nötig – und vor allem Klimaschutz. © imago images/Oliver Vogler

Eiche, Ulme, Esskastanie: Die Forschung testet, was dem wärmeren Klima der Zukunft standhalten kann. Eine Führung zeigt Beispiele.

An manchen Stellen in Frankfurt kann man die Zukunft betreten – wenn man weiß, wo. Im Wissenschaftsgarten der Goethe-Uni und auch im Stadtwald etwa, auf speziellen abgetrennten Flächen: Da wächst der Wald von morgen. Hoffentlich. Es sind Versuche, und Versuche mit Bäumen sind vor allem eins: langwierig.

Jan Schwenkenbecher beschreibt im Magazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Uni, wie die Wissenschaft sich darauf einstellt, den Wald umzubauen. Die Fachleute vergleichen, was in wärmeren und trockeneren Gegenden wächst. In Südfrankreich und Spanien etwa die Steineiche, fand eine Arbeitsgruppe des Frankfurter Botanikprofessors Wolfgang Brüggemann heraus. Kann sie die Lösung sein? Um das zu klären, sei der Stadtwald mit seinem Sandboden ideal, zitiert der Autor den Professor: „Wer es hier schafft, der schafft es überall.“

Wen der Wald mag

Also wachsen Steineiche und weitere mediterrane Eichenarten auf der Versuchsfläche. Es ist ein gegenseitiges Abtasten: Nicht nur die „Neuen“ müssen sich wohlfühlen – es geht auch darum, ob der Wald den zugezogenen Baum mag. Bloß nicht den Fehler machen, der einst zur Invasion der Spätblühenden Traubenkirsche aus Nordamerika führte. Sie breitete sich rasend schnell aus und stahl heimischen Arten das Licht. Auch die Tiere des Waldes fremdeln oft mit Neophyten.

Als Hoffnungsträger nannte Thomas Hickler, Uni-Professor und Senckenberg-Klimaexperte, bei einer Online-Diskussion unlängst etwa Flaumeiche, Feldulme und Schwarzpappel. Was ist mit der Douglasie? Nadelbäume leiden besonders unter der Klimakrise, die Douglasie hat eventuell am ehesten die nötige Widerstandskraft. Sie stammt aber auch aus Nordamerika. „Keine einfache Frage, wie viele nichtheimische Arten man will“, sagte Hickler.

Im März und April setzte das Frankfurter Grünflächenamt gut 100 000 junge Bäume in die Erde, um die kahlen Flächen im Schwanheimer und Goldsteiner Forst zu schließen. Traubeneichen aus eigener Aufzucht, verkündete Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Die Forstleute sammelten eigens Eicheln. Das macht es dem Nachwuchs leichter; er kennt die Boden- und Wasserbedingungen vor Ort.

Weitere trockenresistente einheimische Arten sollen möglichst mithelfen: Winterlinde, Esskastanie, Elsbeere, Schwarzkiefer, Vogelkirsche, Zerreiche, Flatterulme. Als vielfältiger Laubmischwald soll sich der Frankfurter Stadtforst behaupten und mit seiner gewachsenen Kraft dem Klimawandel trotzen.

Aber auch der Kurzschwanzmaus. Denn die knabbert gern die Bäume an, beklagte das hessische Umweltministerium im Januar. Da sind wiederum Erlen, Birken oder Weiden am besten dran. Die mag die Maus nicht.

Führung in die Zukunft

Im Wissenschaftsgarten auf dem Frankfurter Unicampus Riedberg ist zurzeit in einer Ausstellung zu sehen, wie sich zugewanderte Pflanzenarten als „Neue Wilde“ aufführen. Das informative Begleitbuch beschäftigt sich auch mit „exotischen Baumarten für den Wald von morgen“. Vor Ort, im artenreichen Garten, gibt es übernächste Woche eine Führung in den „Wald der Zukunft“. Am Freitag, 24. September, 16 bis 17.30 Uhr, geht es um veränderte Lebensbedingungen und das Ökosystem Wald. Welche Baumarten sind zukunftsfähig? Antworten gibt Vera Holland, die mit dem eingangs bereits erwähnten Wolfgang Brüggemann am Forst von morgen forscht. Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig.

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