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Flughafen Frankfurt

Vorbereitung für Corona-Impfstoff-Transport: Profis für sensible Ware

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Leute im Pharma-Hub von Lufthansa Cargo bereiten den Transport der Corona-Impfstoffe vor. Das Team am Flughafen Frankfurt besteht aus zertifizierten Experten.

  • Vom Flughafen Frankfurt wird ein Corona-Impfstoff in die Welt transportiert.
  • Ohne tiefe Minustemperaturen und Einsatz von Stickstoff kann der Corona-Impfstoff von Biontech verderben.
  • Der Pharma-Hub am Frankfurter Flughafen hält hohe Qualitätsstandards ein.

Die Experten der Mainzer Firma Biontech waren schon im März da. Zusätzlich zum Trockeneis wollen sie Stickstoff zur Kühlung einsetzen. Denn ihre Impfstoffe benötigen tiefe Minustemperaturen. Die anderen Hersteller Curevac und Moderna haben auch das Gespräch gesucht – verzichteten aus Gründen des Infektionsschutzes bisher allerdings auf einen persönlichen Besuch. Das sei auch nicht zwingend notwendig. Schließlich seien bei Lufthansa Cargo zertifizierte Profis am Werk, sagt Karin Krestan, Leiterin des Pharma-Hubs. Der Transport temperatursensibler medizinischer Güter ist das größte Geschäftsfeld des Unternehmens und Alltagsgeschäft des 100-köpfigen Teams, das am Frankfurter Flughafen hinterm Tor 25 arbeitet. Mit Corona-Serum verhält es sich nicht anders, als mit Blutplasma, Insulin, Infusionen oder Grippeimpfstoff. Sie verderben ohne durchgehende Kühlketten.

Jetzt bereiten die Experten sich auf die weltweit größte Massenimpfung vor. Für die Logistik ist eine Taskforce eingesetzt, die sämtliche Abläufe durchgegangen ist und gegebenenfalls angepasst hat. „Für die Arbeit bei uns im Lager ist das nicht viel anders“, sagt Krestan. „Standardprozesse sind nötig, um das Risiko möglichst klein zu halten.“ Doch dies ist nicht irgendein Pharmaprodukt. Mit den Corona-Impfstoffen sind große gesellschaftliche Erwartungen verknüpft. Das geht auch an den Beschäftigten des Pharma-Hubs nicht vorbei, der mit einem Exportgeschäft rechnet. „Es macht uns schon ein Stück stolz, ein Teil des Transports zu sein“, sagt die 60-Jährige, die vor ihrem Betriebseintritt bei Lufthansa Cargo als Krankenschwester arbeitete. „Wir freuen uns darauf.“

Ein riesiges Thermometer schmückt die Fassade des Pharma-Hub.

Corona-Impfstoff: Flughafen Frankfurt der größte Pharma-Hub in Europa

Das Drehkreuz Flughafen Frankfurt nimmt für sich den Titel Europas größter Pharma-Hub in Anspruch. 120.000 Tonnen an Produkten wurden im vergangenen Jahr umgeschlagen. Laut Betreiberin Fraport stehen aktuell rund 14.000 Quadratmeter „temperaturgeführte“ Umschlagkapazitäten zur Verfügung. Der Großteil wird von der Lufthansa Cargo selbst gemanagt.

Auf mehr als 8.000 Quadratmetern verteilt sich alles, was temperaturempfindliche Medikamente benötigen. Am angenehmsten ist es in den beiden großen Hallen, in denen konstante 20 Grad Celsius herrschen. Die optimale Temperatur für die in dicke Papptonnen verpackten chlorhaltige Chemikalien mit den Gefahrgutaufkleber mit Zielort Rio de Janeiro. Oder den in Thermofolie verpackten Rohstoff mit dem Aufkleber Boehringer Ingelheim. Am Rand stehen jene Container, deren Inhalt einer Kühlung bedürfen. Die Hersteller können unter zwei Techniken wählen: Trockeneis oder Kompressor. Die Temperaturen sind exakt und stehen ständig unter Beobachtung. Für Grippeimpfstoff oder Insulin etwa sind fünf Grad der von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestimmte „offizielle Setpoint“.

Corona-Impfstoff: Transport über den Flughafen Frankfurt - Lagerung von bis zu minus 75 Grad nötig

Bis zu fünf Europaletten passten in einen großen Container, eine einzige in den kleinen, sagt Krestan. Die Behältnisse kommen per Lastwagen über die Rampe in den Pharma-Hub oder die Fraport-Kollegen bringen sie vom Vorfeld her. In der Regel bleiben sie nicht lange, bevor die Reise weitergeht. Von Mumbai über Frankfurt nach Wien. Von Mexiko nach Indien. Das notwendige Trockeneis legen die Frankfurter nach – zum Schutz der Passagiere und Besatzung ist die Menge begrenzt. Gerade fährt ein Lastwagen aus Mannheim durch Tor 25 und liefert Nachschub: 6.000 Kilogramm pro Woche verbraucht der Hub, der sich „größtes Zentrum für temperaturgeführte Logistik in Europa“ nennt und „konstante Temperaturführung von -20°C bis +30°C“ verspricht. Der Corona-Impfstoff von Biontech braucht bis zu minus 75 Grad. Deshalb der zusätzliche Einsatz von Stickstoff.

Neben den beiden 20-Grad-Hallen gibt es einen Kühlraum mit konstanten minus 20 Grad und drei, in denen immer um die fünf Grad herrschen. Darüber wachen diverse Thermometer, die akustischen und optischen Alarm anschlagen können. Das Ganze wird dokumentiert, für sage und schreibe zehn Jahre.

Auch das gehört zum hohen Qualitätsstandard, für den die internationale Zertifizierung IATA CEIV Pharma (Center of Excellence for Independent Validators in Pharmaceutical Logistics) steht. Entwickelt hat ihn der Weltluftfahrtverband gemeinsam mit Pharmaversendern und Airlines, um die Anforderungen branchenübergreifend zu vereinheitlichen. „Lufthansa Cargo gehörte mit den eigenen hohen Qualitätsstandards zu den ersten Airlines weltweit, die CEIV-Pharma-zertifiziert wurden und baut das Netzwerk an zertifizierten Stationen weltweit weiter aus“, sagt Pressesprecherin Katharina Stegmann.

Corona-Impfstoff: Team am Flughafen Frankfurt für den Transport geschult

Das Team am Frankfurter Flughafen ist entsprechend geschult, auch das in München, wo Lufthansa Cargo im Sommer einen zweiten kleineren Pharma-Hub eröffnet hat. Die Pharmaproduktion ist global. Wenn in Indien eine Fabrik abbrennt, treten in Deutschlands Apotheken Engpässe auf. Auch Diebstähle kämen vor, sagt die Leiterin des Hubs. Das sei der Grund dafür, dass die Container und Gebinde oft sehr unscheinbar daher kämen.

Ein Fraport-Vorfeldmitarbeiter kommt, um vier Behältnisse abzuholen. Sie landen in einem Bauch der insgesamt 19 Frachtmaschinen, die Lufthansa Cargo in Frankfurt betreibt. Im Moment sind die ständig im Einsatz. Passagierflüge sind in Frankfurt derzeit rar, was die Möglichkeit der Zuladungen stark begrenzt hat. Krestan geht dennoch davon aus, dass die Kapazitäten ausreichen, wenn es los geht mit dem Export von Corona-Impfstoff made in Deutschland oder der Schweiz. Eine lukrative Perspektive und ein Beschäftigungsprogramm für die Mitarbeiter. Kurzarbeit? Für Dezember und Januar kein Thema hinter Tor 25.

Rubriklistenbild: © christoph boeckheler

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