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Eine Frau in der Schneiderei in Port Loko, Sierra Leone, näht Kissenbezüge und andere Wäsche für das Lindley-Lindenberg-Hotel im Frankfurter Ostend. Foto Oliver Tamagnini .
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Eine Frau in der Schneiderei in Port Loko, Sierra Leone, näht Kissenbezüge und andere Wäsche für das Lindley-Lindenberg-Hotel im Frankfurter Ostend.

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  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Die Studentische Unternehmensberatung der Frankfurt School widmet sich Projekten in Afrika.

Bo Raban Sauer trinkt gerne Kaffee. Wo die Bohnen herkommen, wie sie wachsen, wer sie erntet, verarbeitet, welche Transportwege sie zurücklegen. Das hat ihn lange nicht interessiert. Bis Anfang des Jahres. Seit März ist er Projektleiter eines neuen Teams: Sechs Studierende der Frankfurt School of Finance and Management unterstützen Kaffeefarmen in Äthiopien und eine Schneiderei in Sierra Leone mit kostenloser Unternehmensberatung.

„Eher ungewöhnlich“ sei das, sagt Sauer verschmitzt. Die angehenden Betriebswirt:innen und Wirtschaftswissenschaftler:innen der privaten Hochschule sind Teil der schuleigenen Unternehmensberatung. 70 Bachelor- und Masterstudierende im Alter zwischen 19 und 25 Jahren sind bei der Frankfurt School Student Consulting GmbH aktiv, beraten Banken oder Fin-Tech-Firmen. Gegen Honorar versteht sich, wobei das Finanzielle nicht im Vordergrund stehe, sagt Sauer. Wichtig sei eher die Lernerfahrung aus den Beratungen, auch das Netzwerken.

Beraten

Die Frankfurt School Student Consulting (FS-SC) ist die studentisch-geführte Unternehmensberatung der Frankfurt School of Finance & Management, der privaten Wirtschaftshochschule an der Adickesallee 32-34 in Frankfurt.

Die studentische Unternehmensberatung agiert als echte Firma am Markt, sie entstand 2014 als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Frankfurt School und arbeitet seitdem mit namhaften Unternehmensberatungen wie Roland Berger, Deloitte Consulting, zeb oder Simon-Kucher zusammen. Das gemeinsame Projekt mit Pfefferminz-Green ist das erste Nonprofitprojekt. Die Zusammenarbeit soll ausgebaut werden.

Pfefferminz-Green ist ein gemeinnütziger Verein aus Frankfurt, der in Afrika Entwicklungshilfeprojekte regionaler Organisationen unterstützt. 2006 haben ihn Stella und Steen Rothenberger ins Leben gerufen.

Der Einsatz der Expertise in Afrika ist das erste ehrenamtliche Engagement der Berater:innen. Das fühlt sich gut an, da sind sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig. Der Kontakt ist über den Frankfurter Verein Pfefferminz-Green zustande gekommen. Der unterstützt seit 2006 Projekte in Afrika, in enger Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen vor Ort.

Hinter Pfefferminz-Green stehen unter anderem Stella Rothenberger und Steen Rothenberger, der Immobilienentwickler. Gefördert hat der Verein bislang Projekte im Bildungsbereich und solche, die Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen. Wie die Schneiderei und die Kaffeefarmen. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wünschen sich die Akteur:innen aber, dass die angeschobenen Projekte auch ohne Spendengeld weiterlaufen. Da trifft es sich, dass Steen Rothenberger im Kuratorium der Frankfurt School sitzt. Eine Verbindung, die ihn zu den studentischen Unternehmensberater:innen geführt hat.

Die sind begeistert. „Es war eine hohe Bereitschaft da“, sagt Bo Sauer. Auch, weil das Ganze eine ziemliche Herausforderung ist. Von „einem großen Kraftaufwand“, spricht Angelika Werner von der Frankfurt School, zuständig für strategische Beziehungen. „Alle haben unterschiedliche Stundenpläne, Zeiten, Termine. Und haben noch nie so ein komplexes Projekt gestemmt.“ Mit global organisierten Branchen und Märkten. Noch dazu geht ein Virus um die Welt, macht persönliche Treffen unmöglich.

Das frisch gegründete Team muss mitten im Lockdown in Videokonferenzen zusammenfinden. „Das war eine große Umstellung“, sagt Jakob Otto. Trotzdem sei die Chemie gut gewesen, ein Teamspirit entstanden.

Auch mit den Rothenbergers und den Partner:innen in Afrika läuft die Kommunikation übers Internet und Telefon. Bei der Abschlusspräsentation im Oktober trifft sich das Team erstmals physisch.

Mit Erfolg. Die Präsentation hat die Rothenbergers beeindruckt. So sehr, dass sie die Zusammenarbeit mit den jungen Beraterinnen und Beratern vertiefen wollen. Diese sollen auch vor Ort zum Einsatz kommen. In einer Art Praktikum. Die Ideen seien ja noch nicht umgesetzt, sagt Stella Rothenberger. Aber bereits jetzt sei der Einsatz erfolgreich. „Das hat für die Menschen dort große Bedeutung gehabt.“ Die Wertschätzung ihrer Arbeit. Aber auch, weil sie sehen, dass es Möglichkeiten gibt für die Zukunft.

Rund 1500 Menschen leben in den zwei Projekten in Äthiopien vom Kaffeeanbau. Sie sind abhängig vom Weltmarkt – die Preise für Kaffee schwanken gehörig. Die Frankfurter:innen haben Empfehlungen entwickelt, wie die Produktionsbedingungen vor Ort zu optimieren wären, um effizienter zu sein.

Sie haben auch darüber nachgedacht, ob die Farmer:innen nicht auf ökologischen Landbau und Fair-Trade-Handel umstellen sollten. Damit hätten sie höhere Einkünfte und wären nicht so abhängig vom Markt, erklärt Lukas Hoffmann. Für Fair-Trade-Produkte gibt es garantierte Mindestpreise. Andererseits ist die Zertifizierung dafür aufwendig und teuer.

Was von den Ideen wie umgesetzt wird, daran wird die Gruppe weiterarbeiten. Bo Sauer jedenfalls betrachtet die heiße Flüssigkeit in seiner Kaffeetasse inzwischen mit anderen Augen. „Mit mehr Wertschätzung“, sagt er. Gleiches gilt für seine Kleidung. Er scheint nicht der Einzige zu sein. Die studentische Unternehmensberatung wolle ihren wohltätigen Einsatz ausbauen, sagt Leiter Johannes Niemann. Nicht nur das Projektteam für Pfefferminz-Green soll wachsen. Auch andere Einsätze sollen folgen.

www.fs-sc.de

www.pfefferminzgreen.com

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