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Frankfurt: Umwege und Hupkonzerte am Ratswegkreisel

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Von: Jana Ballweber

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Bauarbeiter bereiten am Montagmorgen die Sperrung der Ratswegbrücke vor. Monika Müller
Bauarbeiter bereiten am Montagmorgen die Sperrung der Ratswegbrücke vor. Monika Müller © Monika Müller

Die Sperrung der Frankfurter Ratswegbrücke stellt den Berufsverkehr auf eine harte Probe

Die besonders frühen Vögel konnten noch schnell rüber huschen, ehe orange gekleidete Herren die Schotten dicht machten. Ab etwa neun Uhr ging am Montagmorgen dann nichts mehr für Autofahrer:innen auf der Ratswegbrücke in Richtung Bornheim und Riederwald.

Zum Startschuss der größten von insgesamt 90 Baumaßnahmen, die in diesem Jahr in Frankfurt geplant sind, wird die baufällige Brücke zunächst nur in die eine Richtung gesperrt. Richtig idyllisch ist der Übertritt zu Fuß also noch nicht. Der Einbahnstraßenbetrieb reduziert zwar die einzuatmende Menge Stickoxide auf nur noch die gefühlte halbe Jahresdosis, der Lärmpegel macht der Brücke als zentralem Verkehrsknotenpunkt aber immer noch alle Ehre.

Dafür sorgen unter anderem die ungeduldigen Pendler:innen, die an den Ampeln am Ratswegkreisel lange in der Schlange stehen und dann doch nicht den gewünschten Weg einschlagen dürfen. Angesichts der unterbrechungsfreien Darbietung der Hupmanöver muss die leidende Fußgängerin an einen koordinierten, akustischen Angriff glauben.

Doch die röhrenden Dissonanzen vermögen die Absperrungen nicht von der Straße zu pusten. Man muss sich fügen an diesem ersten von vielen weiteren Baustellentagen und den Umweg über die Hanauer Landstraße oder die A 661 in Kauf nehmen.

Aber damit im Autoland Deutschland alles seine Richtigkeit hat, unterwirft sich auch der ÖPNV den Renovierungsplänen der Stadt. Die Straßenbahnlinie 12 unternimmt schon seit der Nacht auf Montag einen etwa zehnminütigen Umweg über den Zoo, und die Buslinie 103, die Ärmste, muss ganz in Offenbach bleiben.

Die Brücke in jedwede Richtung darf einzig überqueren, wer mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist. Wo sich vor der Sperrung diese beiden Gruppen einen viel zu schmalen Streifen links und rechts der Fahrbahn teilen mussten, vereint beide ein besonderes Privileg: Denn auch wenn zum Start der Sommerferien am 25. Juli die Ratswegbrücke für alles, was Lärm und Gestank macht, ganz gesperrt werden wird, so darf doch jederzeit hier geradelt und gelaufen werden, verspricht die Stadt.

Dort ist man übrigens froher Hoffnung, die Bauarbeiten bis Ende September beenden zu können. Aufgehübscht mit neuen Geländern, Brückenlagern und Beleuchtungsanlagen und genesen von allerhand grundsätzlichen Schäden an der Brückenunterseite, der Fahrbahn und den Straßenbahnschienen soll die Ratswegbrücke dann wieder guten Gewissens dem morgendlichen Wahnsinn überlassen werden.

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