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In Frankfurt protestieren Aktivisten gegen den Ausbau der A66 und Rodungen der Wälder.
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In Frankfurt protestieren Aktivisten gegen den Ausbau der A66 und Rodungen der Wälder.

Riederwaldtunnel

Scharfer Protest gegen Baumrodungen: Aktivisten richten sich in Bäumen ein

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Der Protest gegen Rodungen im Teufelsbruch für den Riederwaldtunnel in Frankfurts Osten wird schärfer. Aktivistinnen und Aktivisten haben sich in den Bäumen eingerichtet.

Frankfurt – Ende September haben junge Klimaaktivistinnen und -aktivisten den Fechenheimer Teufelsbruch besetzt. Sie wollen verhindern, dass die Landesstraßenbehörde Hessen Mobil die Bäume für den Bau des Riederwaldtunnels rodet. Und das sieht nicht nach einer vorübergehenden Laune aus. Die jungen Menschen haben sich eingerichtet, wollen bleiben. Notfalls den ganzen Winter über.

Eine zweistellige Zahl an Kräften sei im Wald versammelt, sagen sie. Am Donnerstag ist es allerdings eine kleinere Gruppe, die die Presse zwischen den Baumhäusern herumführt. Sie haben eine ganze Reihe von Unterkünften in 15 bis 18 Metern Höhe gezimmert. „Mit einem Ofen kann man ein Baumhaus auch schön warm halten“, sagt eine junge Frau entschlossen.

Proteste in Frankfurt gegen Baumrodungen: „Die werden es erst kapieren, wenn alles abgeholzt ist.“

Der Rundgang beginnt an der Mahnwache, einem Bauwagen mit Vordach aus Plastikplane. Eindrucksvoller, weil unerwartet, ist die weiße Zimmertür, die etwas verloren an einem Baum steht. „Fecher bleibt“ steht groß darauf. Etwas kleiner: „Die werden es erst kapieren, wenn alles abgeholzt und zubetoniert ist.“

Die Tür markiert das Entree zum Wäldchen zwischen Borsigallee, Fechenheimer Fußballplatz, Vilbeler Landstraße und A66. Aber auch zwischen Zivilisation (Parkhaus Borsigallee) und romantischer Wildnis – Baumhäuser und engagierte junge Menschen.

Zwei Demos

Für einen Bau- und Planungsstopp für alle Autobahnen in Deutschland und gegen die Rodung von Bäumen für den Riederwaldtunnel demonstrieren zahlreiche Gruppen am Samstag, 9. Oktober. Zwei Protestzüge sind geplant, eine gemeinsame Kundgebung an der Mahnwache Teufelsbruch (Parkhaus Borsigallee, U-Bahnhaltestelle Kruppstraße).

Die Fußgängerinnen und Fußgänger starten um fünf vor zwölf am Eskisehir Platz, Saalburgstraße, Ecke Neebstraße, in Bornheim. Die Fahrraddemo fährt um 12.30 Uhr vom Parkplatz des Abenteuerspielplatzes Günthersburgpark im Nordend aus los. sky

Proteste in Frankfurt gegen Baumrodungen am Riederwaldtunnel: Aktivisten schlafen in Bäumen

Die, so zwischen 13 und Ende 20, sind vermummt, sie tragen Tarnnamen, wie Milan oder Siebenschläfer. Die Verkehrswende wollen sie mit ihrer Aktion herbeiführen, das Klima retten, auch, da sind sie erfrischend ehrlich, Gemeinschaft erfahren, ein Leben abseits der Konsumgesellschaft erproben, ein Abenteuer erleben. Alter, Geschlecht, soziale Herkunft, all das zähle in der Waldgemeinschaft nicht.

Die Baumhäuser sind über Traversen verbunden. Eine junge Frau, die sich Simba nennt, klettert eine Route vor. Sie ist nicht die sportlichste Revolutionärin, aber das ist gerade der Punkt. Die Gemeinschaft unterstützt sie, alle bringen sich gegenseitig die wichtigsten Kniffe bei. Einmal rutscht sie ab, baumelt an der Sicherungsleine. Aber dann rafft sie sich auf und klettert zu Ende.

Proteste wegen Baumrodungen am Riederwaldtunnel: Bürgerinitiative sieht Staus voraus

Der Teufelsbruch-Protest ist kein alleiniges Privileg der Jugend. Zur Vorstellung des Camps sind ältere Semester gekommen. Inge Wendel vom Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn etwa. Der Lückenschluss zwischen A66 und A661 sei für Pendler:innen uninteressant, kritisiert sie. „Es ist eine Ost-West-Verbindung für den Fernverkehr.“ Der fahre dann über die A661 mitten durch die Stadt. Darum findet sie es „gut, dass die jungen Menschen dagegen aufstehen“.

Rainer Frey von der Bürgerinitiative Riederwald sieht das genauso. Vor zehn Jahren habe die BI noch gehofft, den Autobahnausbau so verträglich wie möglich mitzugestalten. Heute ist sie nur noch entsetzt. Die Prognosen der Verkehrsfachleute seien immer gruseliger. Der Vorteil für den stark belasteten Erlenbruch werde immer niedriger taxiert, dafür steige in den Vorhersagen die Zahl der Autos, die den Tunnel nutzen werden, immer mehr an. Frey sieht Staus auf der A661 und auf allen Einfahrtsstraße im Osten Frankfurts voraus.

Proteste in Frankfurt gegen Baumrodungen: FDP fordert „Beendigung der Waldbesetzung“

In der Stadt ist die neue Regierungskoalition bereits am Zanken, wie mit den jungen Menschen umzugehen sei. FDP-Stadtverordneter und Hardliner Uwe Schulz hat die „sofortige Beendigung der illegalen Waldbesetzung“ gefordert. Katharina Knacker, Stadtverordnete der Grünen, begrüßt hingegen „jeden gewaltfreien Protest gegen den Ausbau von Autobahnen“.

Nun meldet sich die Linke im Römer zu Wort. „Die Rodung des Waldes ist ein Symbol für den Irrsinn des fossilen Zeitalters“, sagt die verkehrspolitische Sprecherin Daniela Mehler-Würzbach. Eine solche „rückwärtsgewandte Politik“ könne sich die Stadt in der Klimakrise nicht leisten. Sie werde an der Demo am Samstag teilnehmen. (George Grodensky)

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