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Im Metzlerpark neben dem Museum Angewandte Kunst in Frankfurt sind Skulpturen ausgestellt, hier von Laura Prouvost „Boob Hills Burrows“, 2021.
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Im Metzlerpark neben dem Museum Angewandte Kunst in Frankfurt sind Skulpturen ausgestellt, hier von Laura Prouvost „Boob Hills Burrows“, 2021.

Kunstaktion

Frankfurt: Wohnen in den Kunstwerken im Metzlerpark

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Eine Ausstellung im Metzlerpark will zu Diskussionen über gesellschaftliche Probleme anregen - man kann in den Skulpturen aber auch übernachten.

In Strümpfen macht Zuzana Popova vorsichtig ihre ersten Schritte in der Skulptur. Bedächtig schreitet die Besucherin durch die „Spartà Hut“ von Künstler Thomas Schütte an zwei einfachen Hockern vorbei zu einer Pritsche, auf der eine Matratze liegt und eine Nachttischlampe leuchtet. „Ich finde das genial, minimalistisch, angenehm“, sagt die Heddernheimerin.

In Popovas „Lieblingspark“, dem Metzlerpark, hat die Kunstplattform „tinybe“ unter dem Titel „Living in a sculpture“ auf der Wiese zwischen dem Weltkulturen- und dem Angewandte-Kunst-Museum in den vergangenen Wochen neun Skulpturen internationaler Künstler:innen aufstellen lassen. Die interdisziplinär ausgerichtete Ausstellung, die Architektur, Design und Wissenschaft mit einbezieht, soll etwa zur Diskussion über fehlenden Wohnraum sowie Ressourcenknappheit anregen. Um das erlebbar zu machen, können Besucher:innen in sechs der Skulpturen hineingehen, sofern sie getestet, geimpft oder genesen sind. Zudem sind kostenpflichtige Übernachtungen möglich.

Frankfurt: Wohnen mitten im Metzlerpark?

Mit gepacktem Rucksack und großer Einkaufstasche geht Popova am Freitagnachmittag zur Eröffnung. „Nein“, lacht die 42-Jährige, zur Übernachtung sei sie heute nicht gekommen, müsse stattdessen gleich zu einem Friseurtermin. „Ich überlege aber, ob ich es buchen soll“, fügt sie hinzu. In diesem Moment und kurz vor Ausstellungseröffnung bittet Kuratorin Cornelia Saalfrank mit einem Handwerker um Einlass in Schüttes Holzhütte. „Herr Schütte braucht hier noch Kleiderhaken“, sagt die Kuratorin, zeigt auf die Wand neben der Eingangstür und der Handwerker misst mit Zollstock aus. Kurz darauf sind die beiden wieder verschwunden.

Günter Illers, der sich auch schon in der Hütte aus schwedischer Lärche mit Eichenfußboden umgesehen hat, ist begeistert. „Erst mal fasst es sich gut an“, sagt der 66-Jährige und greift an die dicke Tür. „Es ist stabiles, massives Holz und richtig wertig gebaut.“ Die schrägen Wände hätten außerdem „einen unheimlich entspannten Winkel“, sagt er.

Frankfurt: Der Preis spielt bei den Übernachtungen im Metzlerpark eine Rolle

„Es riecht so schön nach Holz“, sagt Illers Frau Anette von Wietersheim. Tatsächlich ist das auch durch die Mund-Nasen-Bedeckung im Metzlerpark noch wahrzunehmen, die jeder im Inneren tragen muss. „Das machen wir eine Nacht, Anette“, sagt Günter Iller zu seiner Frau, die jedoch sofort zwei Gründe dagegen nennt: „Man müsste erst mal über den Preis nachdenken und ich weiß nicht, ob ich mich hier sicher fühlen würde“, fügt die Wiesbadenerin hinzu.

Projektkoordinatorin Josefine Rauch beantwortet die Frage zur Sicherheit: „Es gibt Securityteams und viele Türen sind abschließbar.“ So wie bei der Skulptur „Boob Hills Burrows“ der Turner-Preisträgerin Laure Prouvost, die zwei mit Gras bewachsene Erdhügel nebeneinander präsentiert. Durch die Tür in einem der Hügel erreicht man eine Art Höhle. Auf beiden Hügeln sind Brustwarzen. Aus einer spritzt eine hohe Fontäne in ein Wasserbecken. Ein Bassin steht ebenfalls neben Christian Jankowskis Betonskulptur, innen hat er das Relief des berühmten Architekten Mies van der Rohe gegossen und damit gleichzeitig eine besondere Akustik geschaffen. Zwei Hängematten dienen als Schlafplatz.

Kunst und Wohnraum in Frankfurt: „Nicht jede Skulptur ist mit Betten ausgestattet“

„Nicht jede Skulptur ist mit Betten ausgestattet“, berichtet Josefine Rauch „Alle aber mit Bettzeug vom Steigenberger-Hotel und mit eigenem Sanitärmodul.“ Unter anderem durch die Einnahmen aus den Übernachtungen sollten 300 000 Euro des eine Million Euro betragenden Budgets gestemmt werden. Der andere Teil komme vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main.

Kulturamtsleiterin Sybille Linke bezeichnet „Kunst und Natur“ als „Kraftquellen“. „Wir können auf komplexe Zukunftsfragen nur gemeinsam Antworten finden.“ Ihre Antworten zum Thema Migration stellt Mina Afshar-Saheb-Ekhtiari auf der Rückseite der Skulptur „The Embassy of the Refugee“, einer Konstruktion aus Zelt, Holz und Baugerüst, von Mia Eve Rollow und Caleb Duarte aus. In Schaukästen zeigt die Frankfurter Künstlerin neben Familienfotos und einem Rucksack die langen Fluchtwege von Menschen über das Meer, „bis sie ein normales Leben erreichen“.

Aus Pilzen und Sperrholz hat die Berliner Gruppe „MY-CO-X Collective“ ihre Skulptur gebaut und sich so mit nachhaltigen Rohstoffen als Bausubstanz auseinandergesetzt.

„Wie ein Reptil“ sehe die rund geschwungene Behausung aus, findet Anette von Wietersheim. „Als wenn es in einen Dino, dieses Schuppentier, reinginge“, fügt sie hinzu. Die Ausstellung bringe sie zum Nachdenken, weil sie sich schon länger mit kleineren Wohnformen beschäftige. „Man müsste viel ausrangieren, was man besitzt“, sagt von Wietersheim.

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