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Schöne Bescherung in der Frankfurter City.
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Schöne Bescherung in der Frankfurter City.

Mehrkosten für Reinigung

Frankfurt: Immer mehr Feiern im Freien, immer mehr Müll

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Zerstörungen in bisher nicht gekanntem Ausmaß: Die Stadt Frankfurt hat immense Mehrkosten, weil viele Menschen ihre Corona-Wut ausleben.

Frankfurt - Müll ist unangenehm. Corona und Müll zusammen sind besonders unangenehm. Das macht sich auch finanziell bemerkbar. „Wir haben mehr als eine Million zusätzliche Kosten für die Reinigung wegen der Corona-Folgen“, sagt Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt.

Mehr als eine Million nur in diesem Jahr, versteht sich. Voriges Jahr war es auch schon eine knappe Million zusätzlich, weil die Leute wegen der Pandemie im großen Stil draußen statt drinnen feierten – und ihren Müll im ebenso großen Stil irgendwo in der Stadt liegen ließen.

Frankfurt: Corona-Lockdown hat das Müllproblem in Frankfurt verschärft

Hatten die Sauberfrauen und -männer im Lockdown noch Zeit für ein gründliches Großreinemachen, war es damit anschließend schnell wieder vorbei. Der Run auf die Freiflächen begann. „Mit zunehmender Wärme wurden in diesem Jahr auch öffentliche Bereiche bespielt, die man bisher gar nicht so sehr im Blick hatte“, sagt Gabriel. Oft waren das Grünflächen dort, wo man Essen zum Mitnehmen bekommt, etwa im Anlagenring. Und die „Peaks“, die Spitzenzeiten der Verschmutzung, pendelten sich schnell ein: zur Mittagessenszeit und abends.

400 zusätzliche große 120-Liter-Mülltonnen orderte das Umweltdezernat. „Die wurden die ganze Saison über sehr gut angenommen“, sagt die Stabsstellenchefin. „Und trotzdem waren die Flächen extrem verschmutzt.“ Sie sieht in dem Verhalten „eine Form des Aggressionsabbaus“, besonders im Phänomen des Flaschenzerdepperns. „Wir hatten noch nie so viele Scherben wie seit Corona.“ Und nie so große Zerstörungswut. Die humorigen Abstimmungsboxen, in die man Zigarettenstummel für Pro oder Contra einwerfen kann, und die Pfandringe an den Mülleimern: oftmals mutwillig demoliert. „Es fällt schwer, sich in die Gedankengänge dieser Leute hineinzuversetzen. Ich verstehe es nicht.“

Frankfurt: Zerstörungswut und Lust auf Pizza sorgen für noch mehr Müll

Nie zuvor trafen sich die Leute in Frankfurt an so vielen verschiedenen Orten massenhaft im Freien, Opernplatz, Hafenpark, Stadtteilzentren, nie zuvor mit so „professioneller“ (Gabriel) Musikbeschallung. Zum Leidwesen der Anwohner:innen. Im Nordend ziehen Hunderte vom Friedberger zum Luisenplatz, wenn der Reinigungstrupp kommt, und verschlingen Pizza – mit erwartbaren Folgen. Auch die großen „Tonnengaragen“ können die Pizzakartons nicht fassen.

Die Pizzeria vor Ort habe auf freundliche Ansprache seitens der Stadt nicht reagiert und das Geschäft ihres Lebens gemacht. Mehrwegpackungen für die Pizza? Die absolute Ausnahme. „Viele berufen sich auf Corona und Hygiene, um Mehrweglösungen zu umgehen“, sagt Claudia Gabriel. „Das ist bequemer.“

Frankfurt: Reinigungskräfte hoffen auf Entspannung der Müllsituation im Herbst

Bringt der Herbst nun Linderung, wenn es draußen ungemütlich wird? „Ich wünsche mir aus dienstlichen Gründen ja das ganze Jahr Kälte und Nieselregen“, scherzt die Stabsstellenleiterin. Aber es sei durchaus auch bei schönem Wetter möglich, seinen Müll sozialverträglich zu entsorgen. „Es geht mir nicht in den Kopf, dass man seine leere Packung nach dem Essen nicht mehr tragen kann, wenn es vorher möglich war, die volle Packung zu tragen.“

Im Oktober wird die teure Reinigung der öffentlichen Plätze traditionell zurückgefahren. Ob das Konzept auch in diesem Jahr aufgeht? „Wir halten die Luft an.“ Schon möglich, dass viele auch bei Kälte draußen weiterfeiern, weil die Corona-Inzidenz steigt. Wenig überraschend, wenn sie vom Weihnachtsmarkt – falls er stattfindet – mit Glühwein und Nierenspieß ans Mainufer gehen, wilde Entsorgung inklusive. „Wir gucken in die Glaskugel. Ich fürchte, es wird uns noch weiter beschäftigen.“

Wichtig ist Claudia Gabriel vor allem eines: „Für die Zeit nach Corona müssen wir ein Umdenken in die Köpfe kriegen – spätestens.“ Dass es nicht sinnvoll ist, sich draußen zu verhalten wie in der Kneipe. „Draußen gibt es nämlich keinen Wirt, der den Gästen alles hinterherräumt.“ (Thomas Stillbauer)

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