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Frankfurt: Üben mit Krim-Kongo-Fieber

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Von: Steven Micksch

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Mitarbeiter mit Vollschutz bei der Dekontamination.
Mitarbeiter mit Vollschutz bei der Dekontamination. Peter Jülich (2) © Peter Jülich

Das Uniklinikum probt den Umgang mit einem hochinfektiösen Erreger.

Das orangefarbene Spezialfahrzeug der Feuerwehr mit dem Schriftzug „Intensiv-Transport“ fährt rückwärts bis zum Eingang der Frankfurter Sonderisolierstation. Es hält an und lässt seinen Anhänger herab. Ein Mann in einem orangen Schutzanzug nähert sich und bereitet die Desinfektion für die Schuhe der Insassen des Fahrzeugs vor. Drei Personen – zwei in blauen Schutzanzügen, eine in Weiß – steigen schließlich aus und betreten das Gebäude. Dort werden sie von einem Team mit gelben Spezialanzügen in Empfang genommen, denn der Mann in Weiß steht im Verdacht, sich mit einem hochpathogenen Erreger der höchsten Sicherheitsstufe infiziert zu haben.

Nach dreijähriger Pause hat am Universitätsklinikum Frankfurt wieder eine Übung zum Schutz der Bevölkerung stattgefunden. Im diesjährigen Szenario kehrt ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation aus dem Irak zurück. Am fünften Tag nach seiner Einreise entwickelt er grippeähnliche Symptome und meldet sich beim zuständigen Gesundheitsamt. Schnell steht der Verdacht einer Infektion mit dem Krim-Kongo-Fieber im Raum. Ein Spezialfahrzeug holt dem Mann aus dem Hochtaunuskreis ab, um ihn an das Universitätsklinikum zu bringen.

Ein Großteil der Arbeit sei Kommunikation und Organisation, erklärt der stellvertretende Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts Antoni Walczok. Am Gesundheitsamt ist das Kompetenzzentrum für hochpathogene Infektionserreger angesiedelt. Bei der Übung schaue man, ob Dinge optimiert werden könnten. Hinzu komme, dass es nach der langen Corona-Pause für einige Beteiligten die erste Übung dieser Art sei.

Ziel des Verfahrens sei es, den Patienten oder die Patientin so schnell wie möglich in die Spezialeinrichtung zu bringen – und dabei niemand anderen anzustecken. Das sei besonders herausfordernd, weil die Mitarbeitenden, die Kontakt mit der Person hatten, üben müssten, sich aus ihren Schutzanzügen zu schälen, ohne mit der kontaminierten Außenseite der Anzüge in Kontakt zu kommen. Auch das Tragen der speziellen Gebläseanzüge sei nicht einfach und müsse geprobt werden.

DAS KOMPETENZZENTRUM

Das KHPI , also das Kompetenzzentrum für hochpathogene Infektionserreger in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, ist am Frankfurter Gesundheitsamt angesiedelt.

2001 wurde es vom Hessischen Sozialministerium ins Leben gerufen, seit 2005 ist es auch für Rheinland-Pfalz und seit 2014 auch für das Saarland zuständig.

Es sorgt für das sichere Management beim Umgang mit Erkrankungen wie Ebola, Lassafieber oder Marburg-Fieber, die häufig aus anderen Ländern eingeschleppt werden und unbehandelt tödlich enden können. mic

An der Übung waren neben dem Gesundheitsamt und dem Uniklinikum auch die Branddirektion Frankfurt und das Sicherheitsstufe-4-Labor der Virologie in Marburg beteiligt. Dorthin musste am Mittwoch noch eine Probe gebracht werden, um den Erreger zweifelsfrei nachzuweisen. Dafür wurden inaktive Erreger verwendet, die aber messbar sind und dadurch auch auf der Isolierstation richtig bestimmt werden konnten. Die Probe musste beim Transport besonders gesichert werden.

Die Übung selbst kostet mindestens einen höheren vierstelligen Betrag. Der wird aus dem Budget des Gesundheitsamts beglichen, das dafür aber auch Ländermittel nutzt, die für einen solchen Rahmen zur Verfügung gestellt werden. „Das Geld ist gut investiert“, sagt Walczok. Im Ernstfall seien die Abläufe dann trainiert und kein Novum mehr.

Dass das Ganze durchaus Realität werden kann, zeigten etwa ein SARS-Fall aus dem Jahr 2003 oder auch ein Fall von Lassafieber im Jahr 2016. In beiden Beispielen sei der Infektions-Rettungswagen aus der Übung am Mittwoch zum Einsatz gekommen. Dabei werden nicht nur Menschen aus Hessen transportiert, sondern auch Infizierte aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Der Patient wird in einem speziellen Zimmer versorgt.
Der Patient wird in einem speziellen Zimmer versorgt. © Peter Jülich

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