In der Europa-Allee liegt die Startbaugrube, wo der Tunnel beginnt.
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In der Europa-Allee liegt die Startbaugrube, wo der Tunnel beginnt.

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Frankfurt: U-Bahn-Röhre endet an der Wand

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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In Frankfurt ist der Tunnel für die U-Bahn-Linie U5 ins Europaviertel ist fertig. Als nächstes wird die Station Güterplatz gebaut. Eine Fahrt durch die Tunnelröhre.

Frankfurt - Der Tunnelzug in der Startbaugrube an der Europa-Allee hat etwa anderthalb Stunden auf seine Fahrgäste gewartet, da geht die Action los. 15 Menschen, mit Helm, Sicherheitsweste und Schutzschuhen ausgerüstet, nehmen auf den Holzbänken Platz. Ruckelnd setzt sich die Dieselmaschine in Bewegung, hinein in den schwach beleuchteten Tunnel. Dort soll von Ende 2025 an die U-Bahn-Linie U5 vom Hauptbahnhof ins Europaviertel fahren. Der Tunnelabschnitt zwischen Platz der Republik und Startbaugrube an der Europa-Allee ist nun fertig.

Unter einigem Lärm, Dieselgeruch und Rumpeln fährt die Lore für Personen von etwa 14 Metern unter der Oberfläche zum tiefsten Punkt, etwa 25 Meter tief unter dem Alten Polizeipräsidium, hinab. Dort steht Wasser auf den Gleisen, was aber dem Abspritzen des Zuges geschuldet sei, versichert Ingo Kühn von der Stadtbahn-Projektbaugesellschaft SBEV. Nach 1,2 Kilometern Fahrt endet der Tunnel an einer Wand.

Frankfurt: Eine Wand trennt alten und neuen U-Bahn-Tunnel

Diese Wand hat es in sich. Denn etwa 40 Zentimeter dahinter verbirgt sich der Anschluss an die Linie U5 am Platz der Republik. Der Anschluss war schon in den 1990er Jahren gebaut worden, Jahrzehnte später findet er seinen Nutzen. Neben dem Tunnel rauscht die U-Bahn-Linie U4 vorbei.

Um die Wand herzustellen, bedurfte es einiger Anstrengung. Als die Tunnelbohrmaschine vor einem Jahr mit dem Großteil der beiden Röhren fertig war, blieben noch einige Meter Frankfurter Ton bis zum Anschlussbauwerk unter dem Platz der Republik übrig. Der Abschnitt, elf Meter für die südliche Röhre, drei Meter für die nördliche, musste bergmännisch gegraben werden. Aber nicht mit Spitzhacke und Schaufel. Ein Bagger grub und grub.

Lottofee Franziska Reichenbacher war Patin des Tunnelbaus.

Die Arbeiter, die den Bagger bedienten, schufteten unter Druckluft, was besonders anstrengend war. Deswegen dauerten die Schichten nur sechs Stunde. Die Druckluft sollte eindringendes Grundwasser abhalten. Zum selben Zwecke wurde der Boden vereist.

Hatte der Bagger einen Hohlraum gegraben, wurde der anschließend gesichert, mit Bewehrungsmatten aus Stahl und Spritzbeton. Dann wurden Innenschalen eingebaut, bis das letzte Stück Tunnel fertig war.

Das Projekt

Bis Dezember 2025 verlängert die Stadtbahn-Projektbaugesellschaft SBEV die U-Bahn-Linie U5 vom Hauptbahnhof ins Europaviertel. Die Strecke ist 2,7 Kilometer lang, 1,2 Kilometer liegen im Tunnel Vier Stationen werden gebaut: Güterplatz, Emser Brücke, Europagarten, Wohnpark. Die Kosten liegen den Angaben zufolge bei etwa 373 Millionen Euro.

Im Anschluss steht laut Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) die Verlängerung der U5 zum Römerhof an. Zwei Stationen sind geplant: Römerhof und Römerhof-West. Es wird mit Kosten von etwa 33 Millionen Euro gerechnet. Außerdem wird eine Verlängerung der U5 über Nied bis nach Höchst geprüft.

Zum Schluss soll die U5 im Norden von Preungesheim bis zum Frankfurter Berg verlängert werden. fle

Frankfurt: Für einen Teil des Tunnels ist die Lebenszeit schon wieder vorbei

Die Tradition sieht vor, die heilige Barbara, also eine Ikone, durch den fertigen Tunnel zu reichen, aber das passierte diesmal nicht. Die Wand zwischen altem und neuem Tunnel bleibt zu, bis Kabelkanäle eingebaut werden. Solange schützt die Wand den neuen und den alten Tunnel, falls etwas passiert. Zum Beispiel, falls Wasser eindringt. An einigen Stellen sind die Tübbinge, also die Schalen des Schachts, tatsächlich feucht. Aber diese Stellen würden noch saniert, versichert ein Arbeiter, der Tunnel werde in einem fertigen Zustand übergeben.

Für einen Teil des Tunnels, den Abschnitt unter dem Güterplatz, ist die Lebenszeit schon wieder vorbei. Denn jetzt beginnt der Aushub für die Station Güterplatz. Ein leerer Tunnel hielte der Belastung aber nicht stand. Also wird der Abschnitt mit Flüssigboden aufgefüllt, der etwa aus feinem Sand, Zement und Wasser besteht. Ist das Material hart, wird der Tunnel abgetragen. Die Station Güterplatz braucht den Tunnel nicht.

Per Tunnelzug geht es 1,2 Kilometer zur Endstation an der Wand.

Die Fahrt im Tunnelzug zurück ist wieder rumpelig. Man sieht die nackten Tübbinge, an denen noch keine Gleistechnik verbaut ist – dabei wird die U5 einmal der modernste Abschnitt im Frankfurter U-Bahn-Netz sein. Das System Digital Train Control wird hier zum Einsatz kommen, ebenso auf der Linie U4. Dabei können Züge dichter hintereinander fahren, weil sie ständig miteinander kommunizieren. So passen mehr Züge auf die Strecke. Ein wenig Wehmut kommt bei der Fahrt zurück auch auf. Denn so viele Tunnelbauten wird es in Frankfurt nicht mehr geben. Nach dem Tunnel ins Europaviertel soll noch der Tunnel für die U4 zwischen Bockenheim und Ginnheim gebaut werden. Und der Fernbahntunnel. Dann ist das Jahr 2040 vorbei. Und die Preise werden sich weiter erhöht haben. Schon jetzt kostet ein Kilometer U-Bahn-Tunnelstrecke 300 Millionen Euro. Ein Kilometer Straßenbahn-Strecke kostet 20 Millionen Euro. Nur Laufen und Radfahren sind günstiger. (Florian Leclerc)

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