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Sommerferien

Sommerbaustellen: Das kommt auf Frankfurt zu

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Zwischen Südbahnhof und Heddernheimer Landstraße fahren sechs Wochen lang keine U-Bahnen. Wie Anwohner sich darauf vorbereiten.

Auf dem Wochenmarkt im Dornbusch sitzen zwei Rentnerinnen bei Weißweinschorle zusammen. Edith (73) und Hildegard (71) leben im Stadtteil. Ihre echten Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen, sie geben aber bereitwillig Auskunft, wie sie mit der U-Bahn-Sperrung klarkommen wollen.

Wenn die Sommerferien am Montag beginnen, fahren sechs Wochen lang keine U-Bahnen zwischen Südbahnhof und Heddernheimer Landstraße. Es ist die wichtigste U-Bahn-Verbindung in der Stadt, 120.000 Fahrgäste am Tag, das Rückgrat des Frankfurter Nahverkehrs. Gesperrt.

„Wir müssen irgendwie damit zurechtkommen“, sagt Edith. Sie greift in ihre Tasche und faltet die Kopie eines Plans der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) auf. Darauf ist die Sperrung eingezeichnet. Die Station Miquel-/Adickesallee ist schwarz unterstrichen. Hier müsse sie einsteigen, wenn sie zu ihrem Arzt nahe der Hauptwache wolle. „Weißt Du, wo der Ersatzbus hält?“, fragt sie. „Der hält ganz in der Nähe der Miquel-/Adickesallee. Da kannst du hinlaufen“, antwortet Hildegard. „Und wo muss ich aussteigen? Mein Arzt ist am Roßmarkt“. Daraufhin wird der Plan auf die besten Möglichkeiten untersucht. Edith: „Mit Brille ginge das besser.“

Der Ersatzbus hält zum Beispiel am Eschenheimer Tor, von dort kann sie die Schillerstraße entlanglaufen. Oder sie fährt mit dem Ersatzbus zur Konstablerwache und weiter mit der U-Bahn zur Hauptwache. „Nein, das ist doch ein Riesenumweg“, sagt Edith.

Entspannung dank Ferien

Friedgard (75) und ihr Mann Rolf (80), der im Rollstuhl sitzt, nippen am Nachbartisch an ihrem Weißwein vom rheinhessischen Weingut Hees. „U-Bahn fahren wir eigentlich nie, wegen des Rollstuhls, wir nutzen einen Fahrdienst“, sagt Friedgard. Ihr Mann nickt. Das Umsteigen an der Hauptwache, die Suche nach einem funktionierenden Aufzug sei zu stressig. Den Fahrdienst könnten sie für 96 Fahrten im Halbjahr nutzen, „das ist wirklich großzügig, ein tolles Angebot“, sagt Friedgard. Die Sperrung der A-Strecke belaste sie nicht.

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Anders in der Mobilitätsinsel von Traffiq an der Hauptwache. Ein Rentnerehepaar aus Langen kommt herein und fragt, wie es während der Sperrung zum Nordwestzentrum gelangen soll. Von der Hauptwache aus fahre ja keine U-Bahn dorthin. Der Mann am Infotisch greift zu einem Faltplan, wie ihn auch Edith besitzt, und händigt ihn aus. Dann fragt er, ob er den Weg ausdrucken soll. Auch den Rückweg? Dankbar nimmt das Ehepaar die Ausdrucke entgegen. Da ginge viel Papier über den Tisch, wenn sich alle 120 000 Fahrgäste den Fahrplan ausdrucken ließen.

Wegen der Ferien wird mit einer gewissen Entspannung gerechnet. Einige sind im Urlaub, der Schülerverkehr morgens und mittags fällt weg. Dafür fahren die Schüler zu anderen Zeiten – ins Schwimmbad, in die Stadt. Die meisten Fahrgäste an der Eschersheimer Landstraße werden auf die Ersatzbusse umsteigen, die alle fünf Minuten von der Heddernheimer Landstraße über die Eschersheimer Landstraße zur Konstablerwache fahren. In der Hauptverkehrszeit seien es zwei Gelenkbusse hintereinander, sagt VGF-Sprecher Bernd Conrads. Wobei in einen Zug mit drei Wagen natürlich mehr Fahrgäste passen als in zwei Gelenkbusse. Mehr Busse auf der Straße würden sich aber gegenseitig blockieren.

Rückstaus sind absehbar

„Es kann zu Rückstaus kommen“, sagt Friedrich Hesse (CDU) voraus. Der Ortsvorsteher im Ortsbeirat 9 erwartet sie vor allem auf der Eschersheimer Landstraße nördlich der Hügelstraße. Die ist einspurig. Auf Antrag des Ortsbeirats sei die Linie 64 verstärkt worden. Diese Buslinie ist aus Hesses Sicht die beste Möglichkeit, schnell zum Hauptbahnhof oder nach Ginnheim zu kommen. „Es wird auch laut werden“, sagt er, wegen der Arbeiten am Schotterbett und den Kreuzungen.

Ein Ärgernis, das die VGF beheben sollte, sei eine veraltete Weiche am Dornbusch. Die erzeuge bei der Überfahrt „ein Knallgeräusch von 90 Dezibel“. Um etwas gegen die Überhitzung zu unternehmen und den Lärm der Züge zu senken, fordert Hesse die VGF auf, Rasengleise anzulegen und die Gitter entlang der Strecke zu bepflanzen. „Das wäre eine große Hilfe.“

Für Rasengleise machen sich auch die Grünen im Römer stark. „Sie sehen nicht nur besser aus, sie haben auch einen nachhaltigen Klimaeffekt, da sie Wasser speichern und im Vergleich zu Schotter oder Teer die Aufheizung erheblich verringern“, sagt Wolfgang Siefert, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen. Die Bepflanzung binde Feinstaub und Schadstoffe und mindere Geräusche. Auf Antrag der Grünen soll der Magistrat erläutern, wo Rasengleise angelegt werden können.

Vielleicht ja auf der Eschersheimer Landstraße?

Übersicht: Baustellen auf Frankfurter Straßen und Brücken

Für die Sanierung von 25 Straßen und Brücken in den Sommerferien, teilweise darüber hinaus, gibt das Frankfurter Straßenbauamt nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Euro aus.

An der Autobahn 661 wird die Anschlussstelle Bonames zurückgebaut und renaturiert. Bauzeit: 15. Juli bis Oktober. Kosten: 537 000 Euro.

Auf der Mainzer Landstraße wird die Fahrbahndecke zwischen Camberger Brücke und Hafenstraße in Richtung City erneuert, ein provisorisch abgetrennter Radweg wird gebaut. Bauzeit: 22. Juli bis 11. August: Kosten: 328 000 Euro.

An der Stroofstraße wird die Fahrbahn saniert, eine Verkehrsinsel kommt dazu. Bauzeit: bis 2. August. Kosten: 242 000 Euro.

Am Martinszehnten wird ein Radweg neu gebaut, bis 1. September. Kosten: 290 000 Euro.

Auf dem Alleenring werden neun Bushaltestellen barrierefrei umgebaut. Bauzeit: Oktober 2019 bis September 2021. Kosten: 3,2 Millionen Euro.

Auf der Königsteiner Straße werden Fahrbahn, Radwege, Bürgersteige, Parkplätze erneuert, zwischen den Hausnummern 98 und 84, bis 9. August. Kosten: 590 000 Euro.

Am Miquelknoten, einer Autobahnbrücke für die A66, wird ein Bauwerk aus dem Jahr 1973 erneuert, bis November 2019. Kosten: 1,8 Millionen Euro.

Weitere Arbeiten: Alte Fahrt (Erneuerung der Fahrbahn und Gehwege); Arnsburger Straße zwischen Mainkurstraße und Eichwaldstraße (Ausbesserung der Fahrbahn); Beselerstraße (Erneuerung der Fahrbahn und Gehwege); Ernst-Kahn-Straße (Sanierung).

Außerdem stehen im Sommer folgende Arbeiten an: Eschersheimer Landstraße von Hansaallee bis Querstraße (neue Decke); Hammarskjöldring (Sanierung der Fahrbahn, Gehwege und Radwege); In den Gräben (Aufpflasterung); Kaulbachstraße (neue Decke); Mainstraße (Sanierung der Gehwege); Praunheimer (Sanierung Fahrbahn, Radweg, Gehwege); Rosa-Luxemburg-Straße (Sanierung Fahrbahn, Radwege, Gehwege); Ibellstraße (Sanierung Gehwege, neue Fahrbahndecke, barrierefreie Bushaltestelle); Steinbacher Hohl (neue Decke); Fritz-Tarnow-Straße (neue Decke). 

Staus auf Autobahnen

Zum Beginn der Sommerferien rechnet die hessische Straßenbehörde Hessen Mobil mit Staus auf den Hauptreiserouten. Am Freitag und Samstag komme es zu Staus auf den Autobahnen A3, A5, A7. Gleiches gelte für das Ferienende am 9. und 10. August. Auf den Autobahnen A44, A45, A66 und A67 wird ebenfalls mit Stau gerechnet. Der tägliche Pendlerverkehr im Rhein-Main-Gebiet nimmt laut Hessen Mobil aufgrund der Urlaubszeit in der Rushhour um bis zu zehn Prozent ab. Nach dem Sommerferien will Hessen Mobil mehrere Dauerbaustellen einrichten. 

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