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Frankfurt: Trubel in der Kleinmarkthalle

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Lebensmittel, Feinkost, Obst und Gemuese werden fuer die Feiertage an den Marktstaenden gekauft. Foto: Renate Hoyer,
Lebensmittel, Feinkost, Obst und Gemuese werden fuer die Feiertage an den Marktstaenden gekauft. Foto: Renate Hoyer, © Renate Hoyer

Vor Heilig Abend werden noch schnell letzte Besorgungen für ein Festmahl gemacht.

Wer die letzten Stunden vorm Fest noch mal ein Kontrastprogramm zur stillen, heiligen Nacht erleben möchte, der kann sich in die Frankfurter Innenstadt begeben. Christian ist deren lebendiger Atmosphäre schon am späten Vormittag des 23. Dezember entkommen. Mit einer braunen Einkaufstüte in der Hand kommt er aus der U-Bahn-Station. Eine blau-rote Kartonverpackung lugt aus seiner Tasche hervor. Das sei eine Carrerabahn für seinen Sohn, verrät er. Normalerweise gehe er nicht „so auf den letzten Drücker Geschenke kaufen“. Im Kaufhof sei es sehr voll und überfüllt gewesen. Er möge den weihnachtlichen Trubel gar nicht. Aber trotzdem habe er es nicht früher geschafft.

Damit scheint er nicht alleine zu sein. Schon auf dem Weg zur Zeil durch die Schillerstraße zeichnen sich die ersten Vorboten des Menschenflusses ab, der sich durch die Straßen schiebt. Auf dem Schillermarkt stehen am Freitag schon um elf Uhr morgens circa zehn Leute vorm Gemüsestand des Riedhofs und vorm „Schinken Becker“ .

Ein Stück weiter im Hugendubel ergibt sich ein ähnliches Bild, die Schlange geht von der Kasse bis zur gegenüberliegenden Wand. Katerina aus Bad Homburg füllt draußen die Postkarten auf. Die Kartenstände seien fast ausverkauft gewesen. Sie freue sich, in der Stadt so reges Treiben zu sehen.

Die feine Balance zwischen regem Treiben und dichtem Gedränge lässt sich in der Kleinmarkthalle in der Hasengasse erforschen. Im Dunst aus heißen Wurstwaren, Blumendüften und Weindämpfen wandeln Menschen mit halbvollen Einkaufskörben. Auffällig ist, dass sie sich vorwiegend an den Ständen tummeln, die Frischwaren anbieten.

Andreas steht mit seiner sechsjährigen Tochter Nala bei der Metzgerei Hoos. Fünf Mitarbeiter:innen kümmern sich um die Wünsche der Kund:innen. Trotzdem stehen vor den beiden noch ein Dutzend Leute. Vater und Tochter warten trotzdem – Weißwürstchen bekomme man fast nur an diesem Stand, sagt Andreas. Die werden Heiligabend mit Sauerkraut und Kartoffelbrei verzehrt, da lohnt sich das Warten bestimmt.

Bis zur Mitte der Kellertreppe stehen die Menschen bei Fisch-Burkard. Ein älterer Herr wird jedes Jahr von seiner Frau hergeschickt, um einen Karpfen zu holen. Traditionell brieten sie die eine Hälfte an, die andere Hälfte werde „auf jüdische Art“ zubereitet erzählt er. Aber wie das gehe, das wisse nur seine Frau. Von einem vegetarischen oder veganen Weihnachtsessen erzählt an diesem Tag niemand.

Auch im Hessenshop gibt man sich Mühe, einander nicht auf die Füße zu treten. Mit Bethmännchen oder einem Bembel-Kuschelkissen kann man hier so manchem Frankfurter und so mancher Frankfurterin eine Freude machen. Mandy Böttcher, die mit Nikolausmütze hinter der Kasse steht, erzählt: „Am 22. war schon der umsatzstärkste Tag des Jahres“. Sie ist optimistisch, dass das bis Heiligabend noch überboten werden könnte. In den Tagen, bevor das Weihnachtsgeschäft richtig losgeht, versucht sie viel zu schlafen und nicht auszugehen.

Eine Etage weiter oben, in der Casa Italiana, nimmt man das mit dem in Ruhe Kraft für die Feiertage tanken sehr ernst. Über den Köpfen der geschäftigen Händler:innen entziehen sich drei Unternehmer aus Bad Kreuznach bei ein paar Gläsern Rotwein dem Vorbereitungsstress. „Morgen ist auch noch ein Tag“, ist ihr Motto. Sie fühlen sich von Geschäftsführer Francesco Belvedere gut umsorgt. Heute sind sie nach Frankfurt gefahren, um ihre Weihnachtsfeier nachzuholen. Belvedere wirkt auch ganz entspannt. Er freue sich, dass dieses Jahr wieder so viel los sei.

Diese Herren aus Bad Kreuznach stimmen sich auf der Galerie bei italienischen Koestlichkeiten auf die Feiertage ein. Foto: Renate Hoyer,
Diese Herren aus Bad Kreuznach stimmen sich auf der Galerie bei italienischen Koestlichkeiten auf die Feiertage ein. Foto: Renate Hoyer, © Renate Hoyer

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