Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Amtsgericht

Frankfurt: Tritt gegen Pinkler aus Notwehr

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Frankfurter Amtsrichter spricht einen Polizisten nach einem „Stopp-Fußstoß an den Oberschenkel“ frei.

Soviel steht mal fest: Am Abend des 15. Juli 2020 zerdeppert Herr P. mit einem Flaschenwurf die Glastür eines Wettbüros in der Münchener Straße. Das ist zwar nichts im Vergleich zur Gründung eines Wettbüros, aber dennoch eine Straftat, weshalb die alarmierte Polizei ihren alten trunksüchtigen Bekannten mit auf die Wache nimmt.

Dort angekommen beleidigt P. die Beamten, randaliert, speit sie an, trifft nicht, bekommt aber nichtsdestotrotz eine Spuckschutzhaube und Handschellen verpasst. Nach dem üblichen Prozedere wird P. wieder auf freien Fuß gesetzt und vor der Wache entfesselt. Das nutzt er dazu, nach den Beamten zu schlagen, ohne zu treffen, und dann sein Gemächt auszupacken und kraftvoll loszupinkeln, bis ihn ein Tritt von Polizeioberkommissar Daniel S. zu Boden bringt.

An diesem Tritt scheiden sich nun die Geister. Der 29 Jahre alte S. beteuert am Donnerstag vor dem Amtsgericht, er habe treten müssen, „um den Urin-Angriff“ abzuwehren. Denn während des Erleichterns habe P. sich zu drehen begonnen, „flüssig um die eigene Achse“.

Und so wäre P.s Strahl ohne seinen Tritt in beziehungsweise auf die Hose gegangen, und zwar auf die seines Kollegen Yannick H. Es habe sich aber um einen vorschriftsmäßigen „Stopp-Fußstoß an den Oberschenkel“ gehandelt, wie er an der Polizeiakademie zur Abwehr unerbetenen Anurinierens gelehrt werde.

Kollege H. bestätigt S.s Aussage und präzisiert: P. habe sich „mit dem Urinstrahl nach rechts“ gedreht, also in seine Richtung. Dem widerspricht Zeuge Moritz B.. Der 29-Jährige war an diesem Abend am Tatort mit seinem Dackel spazieren. Zweck des Spaziergangs war das Urinieren (Hund). Vor der Wache habe er Schreie gehört. Ein Polizist habe Herrn P. angeschrien, er solle „sich verpissen“, was der wohl zu wörtlich genommen habe. Der Tritt habe P. dann hinterrücks während des Wasserlassens in den Steiß getroffen. Von einem Drehmoment habe er nichts bemerkt. B. behauptet, in der folgenden Nacht so etwas wie ein Gewissen verspürt zu haben, das ihn keinen Schlaf habe finden lassen – woraufhin er den Vorgang am nächsten Morgen anzeigte und S. daher wegen Körperverletzung im Amt vor dem Amtsgericht steht. Herr P. steht mangels ladungsfähiger Anschrift nicht als Zeuge zur Verfügung.

Nicht das mildeste Mittel

Laut Staatsanwalt handelt es sich hier zwar wegen P.s vorheriger Pöbeleien um eine minderschwere Tat, aber nichtsdestotrotz um einen Notwehrexzess. Denn zur Strahlabwehr sei „der Tritt nicht das mildeste Mittel“ gewesen, Ausweichen oder Regenschirm hätten es auch getan. S.s Verteidigerin hingegen plädiert auf Notwehr. Ihr Mandant sei zum Treten „befugt und berechtigt“ gewesen. „Das wird so auch gelehrt – gerade bei Urin-Angriffen.“

In seinem letzten Wort sagt Daniel S., sein Tun und Treten seien „absolut verhältnismäßig und notwendig“ gewesen. Seine Verurteilung wäre „ein fatales Signal für alle Kollegen“ und ein Freibrief für alle Ununiformierten, Uniformierte straflos anzupinkeln. Der Amtsrichter sieht das ähnlich und spricht S. frei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare