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Frankfurt: Treffpunkt für geflüchtete Familien

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Von: Steven Micksch

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Auf dem Platz der SG Bornheim finden die ukrainischen Familien Ablenkung.
Auf dem Platz der SG Bornheim finden die ukrainischen Familien Ablenkung. © Monika Müller

Der Frankfurter Verein SG Bornheim bietet Familien aus der Ukraine einen Mittagstisch sowie Spiel- und Lernangebote. Die Kinder und Mütter sollen Ablenkung erfahren und in Sicherheit bleiben.

Da der Rasen vom Regen nass ist, spielen die ukrainischen Kinder zunächst im Inneren des Kinder- und Familienzentrums des SG Bornheim in Frankfurt. Sie malen, bauen Papierflieger, kichern und können Kind sein. Vielleicht haben sie für den Moment die Strapazen der Flucht und die Gefahr für ihre zurückgebliebenen Familienmitglieder vergessen.

Angst um Angehörige

„Aber sie machen sich Sorgen um ihre Väter und Großeltern. Sie vermissen sie sehr und manche haben Angst in die Ukraine zurückzukehren“, übersetzt Anastasiya Stepanenko vom Haus der Volksarbeit die Berichte der Mütter Olga Taran, Elena Babenko und Olga Gorban. Die drei und ihre Kinder gehören zu denrund 15 ukrainischen Familien, die seit etwa zwei Wochen auf das Gelände der SG kommen. Dort finden sie Anschluss, vernetzen sich untereinander und sind Teil des pädagogischen Mittagstischs, den das Familienzentrum schon länger anbietet.

Harald Seehausen leitet das Zentrum auf dem Vereinsgelände. Als er auf einer Veranstaltung des Haus der Volksarbeit Frankfurt von den ukrainischen Familien erfährt, kommt schnell die Idee, ihnen bei der SG zu helfen. Der Verein hat bereits viel Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten sammeln können. Schnell und unkompliziert habe die Hilfe für die Familien aus der Ukraine geklappt.

Frauen wollen anderen etwas zurückgeben

Die Familien kommen mttags auf den Sportplatz. Es gibt Mittagessen, eine Sprachförderung und Spielmöglichkeiten. Die Mütter arbeiten in der Küche mit, betreuen und helfen. Auf der einen Seite ist es Ablenkung, aber auf der anderen auch der ausdrückliche Wunsch der Frauen. „Momentan denken wir von heute auf morgen und wissen nicht was kommt“, sagt Olga Taran. Aber sie möchten das Gute, das ihnen in Deutschland widerfahren ist, auch zurückgeben, sei es jetzt bei der SG oder später bei einer Arbeit. Man wolle sich nützlich machen.

Das Familienzentrum der SG schafft einen Begegnungsort für die Mütter ebenso wie für die Kinder. Diese kommen mit anderen in Kontakt, spielen Fußball oder tanzen und können ihre eigenen Stärken einbringen. Seehausen spricht von einer zeitweisen Integration, da niemand sagen könne, wie lange der Krieg noch dauere. Wichtig sei, dass die Familien sich trauen andere zu treffen, sich auch zu öffnen und die Kultur kennenzulernen.

Manche Geflüchtete verlassen Deutschland bereits wieder

In der kommenden Woche, beim Fußball- und Freizeitcamp der SG Bornheim, werden die Kinder wieder Gelegenheit bekommen, neue Freundschaften zu knüpfen. Die kostenlose Teilnahme sowie das tägliche Angebot für die ukrainischen Familien werden durch die Kinderhilfsorganisation „Children for a better world“, dem Schlappekicker und dem Sportbund Frankfurt ermöglicht.

Stepanenko lobt das Angebot der SG als „das einfachste und tollste, was mir bisher begegnet ist“. Und sie habe in den zurückliegenden Wochen viel erlebt und organisiert. Dass sie sich so sehr für die Menschen aus der Ukraine einsetzen kann, liege auch an der Bereitschaft ihrer Kolleg:innen im Haus der Volksarbeit. Momentan sei sie freigestellt und die anderen übernähmen ihre Pflichten. Dass die Geflüchteten Anschluss in Deutschland finden, sei wichtig. Sie kenne bereits einige, die schon wieder zurück in die Ukraine fahren. Zwar sei es in Deutschland sicher, aber viele haben keine Kontakte, keinen Anschluss und verstehen die Sprache nicht – sie sind fremd im Land. Angebote wie auf dem Gelände der SG könnten daran etwas ändern.

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