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Frankfurt: Trauer um Jörg Bannach

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Von: Georg Leppert

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Jörg Bannach übernahm 2010 die Leitung des Ordnungsamtes.
Jörg Bannach übernahm 2010 die Leitung des Ordnungsamtes. © Rolf Oeser

Der frühere Leiter des Frankfurter Ordnungsamts stirbt im Alter von 67 Jahren.

Bis zum Schluss träumte er davon, bald wieder zur See fahren zu können. Kreuzfahrten waren die große Leidenschaft von Jörg Bannach, dem früheren Leiter des Frankfurter Ordnungsamtes. Sei es die luxuriöse Variante mit den schicken Ozeanriesen. Oder die Touren mit der „grauen Aida“, wie er die „Frankfurt“ scherzhaft nannte. Zum Versorger der Marine hatte Bannach als Reserveoffizier der Bundeswehr eine besondere Beziehung. Regelmäßig empfing er die Crew im Römer.

Am Freitag der vergangenen Woche ist Jörg Bannach im Alter von nur 67 Jahren gestorben. Sein Tod wurde erst am Mittwoch bekannt. Seit seiner Pensionierung hatte der frühere Amtsleiter recht zurückgezogen in Seckbach gelebt.

Bannach übernahm die Leitung des Amtes im März 2010. Der damalige Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) hatte den Juristen von der Hanauer Staatsanwaltschaft in die Frankfurter Stadtverwaltung geholt.

Die Arbeit des Ordnungsamts transparent zu machen, das hatte sich Bannach vorgenommen. Und das gelang ihm. Der Amtsleiter, der als junger Mann für eine Lokalzeitung geschrieben hatte, präsentierte seine Behörde als eine bürgernahe Einrichtung.

Kontrollen, so vermittelte er stets, seien kein Selbstzweck und kein Zeitvertreib für die Stadtpolizei, die unter seiner Ägide ausgebaut wurde. Sondern sie dienten der Sicherheit der Menschen in Frankfurt. Und weil Bannach wusste, dass solche Aussagen mit Leben gefüllt werden müssen, ging er regelmäßig mit Reporterinnen und Reportern der Frankfurter Tageszeitungen auf Tour. Zu Kontrollen in Gaststätten, in Spielsalons oder an Kioske, die es mit dem Verbot der Abgabe alkoholischer Getränke an Jugendliche nicht so genau nahmen.

Bannach war ein guter und äußerst pragmatischer Amtsleiter. Und er war durch und durch Realist. Während sein früherer Chef Volker Stein im OB-Wahlkampf 2018 für ein sauberes und sicheres Bahnhofsviertel kämpfte, hatte Bannach längst akzeptiert, dass dieser Stadtteil niemals zu einem Ort ohne Kriminalität wird. Dennoch wollte er den Menschen, die die Straßen täglich passieren, so viel Sicherheit bieten wie möglich. Dafür setzte er auf die Kooperation zwischen Landes- und Stadtpolizei. In seiner Amtszeit gab es erstmals gemeinsame Streifen.

Sein Abschied im Amt war geprägt von der Corona-Krise. Wenige Wochen, bevor er an seinem letzten Arbeitstag stilecht in einem Oldtimer der Polizei ins Ordnungsamt gefahren wurde, gab es die ersten Kontaktverbote. Bannach, der dem städtischen Krisenstab angehörte, war hauptverantwortlich für die Umsetzung und zeigte sich schnell desillusioniert. Wenn sich etwa trotz Verbots 200 Menschen im Hafenpark versammelten. Oder wenn Geschäftsleute einfach ihre Läden nicht schließen wollten und plötzlich Schokoriegel im Angebot hatten, um als Nahversorger zu gelten.

Einmal hat Jörg Bannach während seiner Zeit als Amtsleiter auch als Strafverteidiger gearbeitet. Vor Gericht stand - am Fastnachtssamstag – die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Ankläger waren die Frankfurter Karnevalvereine, die zuvor den Römer erstürmt hatten, wie es eben Tradition ist in Frankfurt. Roth konnte nach den närrischen Tagen weiterhin regieren, denn Bannach hatte in dem Schauprozess eine pragmatische Lösung gefunden. Wie für so viele Probleme in seiner Amtszeit.

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