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Der Bahnübergang in Frankfurt-Nied nach dem Unfall.

„Die Schranke muss weg“

Nach tödlichem Unfall an Bahnübergang in Frankfurt: Lösungen gefordert

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Nach dem schlimmen Unfall an einem Bahnübergang machen die Nieder Druck auf Bahn und Politik. Die Schranke an der Oeserstraße soll einer Unterführung weichen.

  • An einem Bahnübergang im Frankfurter Stadtteil Nied kam es zu einem tödlichen Unfall
  • Eine 16-jährige Fußgängerin kam dabei ums Leben - eine 50 Jahre alte Autofahrerin sowie ein 52 Jahre alter Radfahrer schwer verletzt 
  • Schon lange sorgt der als gefährlich geltende Bahnübergang für Diskussionen - nun soll gehandelt werden

Frankfurt - Nied macht Druck. Die Betroffenheit der Menschen weicht einer kämpferischen Einstellung. Der Bahnübergang muss weg! Das ist jetzt die Parole im Stadtteil. Am vergangenen Donnerstag (07.05.2020) war eine 16-Jährige an der Kreuzung von Oeserstraße und Regionalbahnstrecke ums Leben gekommen, eine Autofahrerin und ein Radler wurden schwer verletzt. Die Schranke war nicht geschlossen gewesen.

Warum, versucht die Polizei zu klären. Die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts wollen derweil sicherstellen, dass sich so ein Unfall nicht wiederholt. Gleich mehrere Akteure haben Initiativen gegründet oder Internet-Petitionen gestartet.

Frankfurt: Tödlicher Unfall an Bahnübergang - „Die Schranke muss weg“

Peter und Heike Stoner etwa. Ihrer Einladung in die Facebook-Gruppe „Die Schranke in Nied muss weg“ sind bereits 506 Menschen gefolgt. Stand Montag, 11.05.2020, 15 Uhr. Tendenz steigend. „Überwiegend“ Nachbarn aus dem Frankfurter Stadtteil Nied fänden sich dort zusammen, sagt Peter Stoner.

Am heutigen Dienstag (12.05.2020) drückt die neue Bürgerinitiative mit einem Kranz am Bahnübergang ihre Trauer aus. Auch der Vereinsring will Blumen niederlegen. „Das Unglück hat uns tief erschüttert“, schreibt Vorsitzender Hauke Hummel in einer Mitteilung. „Wir setzen uns seit vielen Jahren für die Beseitigung des Bahnübergangs ein. Nun müssen wir eingestehen, dass unser Bemühen nicht ausreichend war“, hadert Hummel, „während sich die Verantwortlichen gegenseitig die Schuld zuschieben.“

Frankfurt: Diskussionen über Bahnübergang in Nied - Stimmung zunehmend „genervt“

Die Stimmung im Stadtteil sei zunehmend „genervt“, hat Peter Stoner beobachtet. Immerhin „wird seit 105 Jahren über die Schranke diskutiert“. Entsprechende Dokumente der Reichsbahn datieren von 1915. Fahrt aufgenommen hat die Diskussion in den 1980er Jahren. 1988 haben Stadt und Bahn die Unterführung der S-Bahn eröffnet, 400 Meter weiter die Oeserstraße entlang, gen Main. Da hieß es, die zweite soll schnell folgen. Getan hat sich nichts. Zu teuer schien das Projekt, zu kompliziert, inzwischen sind weitere Häuser entstanden, gibt es immer weniger Platz.

Dennoch ist es an der Zeit zu handeln, fordert Milli Romic, SPD-Stadtverordnete aus Frankfurt-Nied. Sie hat auf dem Portal Open-Petition einen Aufruf zur Beseitigung der Schranke initiiert. Sie sei „eine nicht mehr zumutbare Belastung“. Die Oeserstraße ist Stadtteilverbindungsstraße, die Höchst und Nied mit dem Rebstockgelände, der Messe und der Frankfurter Innenstadt verbindet. Entsprechend viele Autos fahren dort - beziehungsweise stehen an der oft geschlossenen Schranke.

Frankfurt: Bahnübergang in Nied „gefährlich und unübersichtlich“ - Politik unter Druck

„Wartezeiten von zehn Minuten sind keine Seltenheit“, sagt Romic. Der Bereich ist zudem gefährlich, unübersichtlich, die Birminghamstraße mündet dort, Kinder laufen zur Schule, nachmittags und abends nutzen viele die Zufahrt zum Sportverein.

„Es hat sich schon so oft verzögert“, sagt Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) verärgert. Zuletzt habe ein Urteil des Europäischen Gerichtshof zur Honorarleistungen von Ingenieuren eine neuerliche Abstimmung zwischen Bahn und Stadt nötig gemacht. Damit soll es nun vorbei sein. Die CDU bringt einen Eilantrag in die heutige Sitzung des Ortsbeirats ein. Der Tenor: Planung und Umbau der Kreuzung sollen endlich beginnen. Serke hofft, dass viele Fraktionen das Papier mit tragen.

Auch die CDU im Römer bringt sich in Stellung. Martin Daum, verkehrspolitischer Sprecher, fordert für die kommende Sitzung der Stadtverordneten am 26. Mai einen gründlichen Sachstandsbericht von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ein.

Von George Grodensky

Im Nachgang des tödlichen Unfalls an dem Bahnübergang in Frankfurt-Nied soll eine Sonderermittlungsgruppe klären, warum die Schranken offen waren.*

Wegen eines Notarzteinsatzes kommt es aktuell zu mehreren Teilausfällen, Umleitungen und Verspätungen im Netz der Deutschen Bahn in und um Frankfurt. Betroffen ist neben der S-Bahn-Linie S6 besonders der Regionalverkehr.

Einige Bürger forderten schon lange vor dem Unfall am Bahnübergang in Frankfurt-Nied*, dass sich etwas ändert. Das geschah allerdings nicht.

Im Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne halten sich Besucher nicht an die Regeln, trampeln abseits der Wege, fangen Tiere ein. Die Naturschutzbehörde verzweifelt.

Eine andere Frau hatte ebenfalls einen Unfall am Bahnübergang Nied*. Sie ist froh, dass sie ihn überlebt hat.

*fr.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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