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Frankfurt: Mordprozess nach tödlicher Messerattacke und provoziertem Autounfall

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Von: Stefan Behr

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Polizeieinsatz auf der A661.
Polizeieinsatz auf der A661. © Renate Hoyer

Ein 41-Jähriger muss sich nach eine Karambolage und einer darauffolgenden tödlichen Messerattacke vor dem Landgericht verantworten.

Frankfurt - Die Mordanklage, die die Staatsanwältin am Mittwochmorgen (11. Januar) vor der Großen Strafkammer des Landgerichts verliest, klingt fast zu schaurig, um wahr zu sein. Und sie geht so: Im März 2022 beschließt der heute 41 Jahre alte Aleksandar S., seine Ehefrau Tanja umzubringen. Er kann es nicht ertragen, dass sie sich im September des Vorjahres von ihm getrennt und ihn aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen hatte – auch aus Verdruss über seine ständigen Dating-Eskapaden auf Kupplerplattformen wie Tinder. Seitdem stalkt er sie.

Am Morgen des 19. März kauft S. in einem Baumarkt zwei Schnitzmesser und ein Sappie – ein eispickelähnliches Forstwerkzeug. Als seine Frau auf dem Heimweg von der Arbeit Richtung Offenbach ist, verfolgt er sie mit seinem Wagen auf die A661. Zwischen der Ausfahrt Eckenheim und dem Preungesheimer Dreieck zwingt er sie mit mindestens drei gezielten Kollisionen zum Anhalten. Dann steigt er aus und sticht der Frau, die die Fahrertür geöffnet hat, siebenmal in den Oberkörper. Die Frau wehrt sich verzweifelt.

Mordprozess in Frankfurt: Mann zwingt Frau zum Anhalten und sticht auf sie ein

In dem Moment hält ein anderer Autofahrer an, der einen Auffahrunfall vermutet. S. ist kurz abgelenkt, die schwerverletzte Frau schließt die Tür und verriegelt sie von innen, S. macht sich nun mit dem Sappie an der Tür zu schaffen, die Frau versucht, im Auto zu fliehen, legt aber den Rückwärtsgang ein und kollidiert mit dem Auto des Zeugen, der jetzt merkt, dass das hier kein Unfall ist, und die Polizei ruft. S. wird noch am Tatort festgenommen, seine Frau erliegt kurze Zeit später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

S. erzählt dem Gericht eine andere Geschichte. Die allerdings ist viel zu dämlich, um wahr zu sein. Es sei nämlich so gewesen: Messer und Sappie habe er an jenem Tag gekauft, aber als Geschenke für einen Freund und zur Renovierung des väterlichen Hauses. Auf dem Weg dorthin habe er zufällig seine Frau in deren Auto überholt, beide erkannt und freundlich „gehupt und zugewinkt“. Die Frau habe ihn daraufhin selbst überholt, scharf ausgebremst und dadurch einen Auffahrunfall provoziert.

Als er sie in aller Höflichkeit nach dem Grund ihres Fahrverhaltens habe fragen wollen, habe sie die Tür aufgerissen und ihn auf das Unflätigste beschimpft. Er habe ihr nun ganz zart das Handy aus der Hand nehmen wollen, um wegen des Unfalls die Polizei zu rufen, sie aber habe ihn brutal gekratzt, „tief in den Bauch oder noch tiefer getreten“ und sei danach mit den Worten „Ich werde dich jetzt demolieren“ zweimal vorsätzlich in sein Auto gefahren.

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„In diesem Augenblick habe ich die Kontrolle verloren“, räumt S. ein, und seine Frau im Zorn vielleicht „ein-, zweimal mit dem Messer verletzt“, aber nur leicht, und es habe ihm auch sofort sehr leidgetan. Er habe noch versucht, das Auto seiner Frau mit bloßen Händen anzuhalten, „damit niemand verletzt wird“. Dann sei die Polizei aufgetaucht und habe ihn mitgenommen, was er nicht recht verstanden hätte. Als er dann im Gefängnis gehört habe, dass man ihm versuchten Totschlag vorwerfe, sei er sehr traurig geworden.

Noch trauriger wird S., als ihm auf der Anklagebank einfällt, dass aus dem versuchten Totschlag ein vollendeter Mord geworden ist. Er fängt hemmungslos an zu weinen, bekreuzigt sich manisch und beteuert tränenreich, wie sehr er seine Frau doch geliebt habe. Auch die anderen Anwesenden im Gerichtssaal blicken etwas betreten zu Boden – nicht aus Empathie mit Aleksandar S., sondern in bodenloser Fremdscham. Der Prozess wird fortgesetzt. Geplant ist ein Urteil gegen Ende des Monats. (Stefan Behr)

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