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Frankfurt: Tödliche Messerattacke im Gallus

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Von: Oliver Teutsch

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Nach dem Tötungsdelikt sichern Polizeibeamte die Spuren am Tatort, in der Idsteinerstraße Foto: Bernd Kammerer
Nach dem Tötungsdelikt sichern Polizeibeamte die Spuren am Tatort, in der Idsteinerstraße Foto: Bernd Kammerer © Bernd Kammerer

Vorfall in Frankfurt offenbar eine Beziehungstat und trauriger Höhepunkt einer Entwicklung Polizeipräsident Stefan Müller will etwas gegen die Zunahme von Messerattacken unternehmen.

Bei einer Messerattacke im Frankfurter Stadtteil Gallus ist am Donnerstagabend ein 44-Jähriger ums Leben gekommen. Wie die Polizei berichtet, hielt sich der Mann auf dem Bürgersteig der Idsteiner Straße auf, wo er auf dem Sitz seines Rollers saß und sich mit einer 41-jährigen Frau unterhielt. Gegen 20.45 Uhr kam ein 42-jähriger Mann hinzu, bei dem es sich um den Lebensgefährten der 41-Jährigen handelte. Dieser sprach den 44-Jährigen an, woraus sich zunächst ein Streitgespräch unter den Männern entwickelte.

Die Polizei geht bislang davon aus, dass der 42-Jährige seinen Nebenbuhler zu Boden brachte und mehrfach mit einem Messer auf ihn einstach. Die 41-Jährige dürfte noch versucht haben, dies zu unterbinden, wurde dabei aber schwer am Arm verletzt und entfernte sich zunächst vom Tatort. Der Tatverdächtige konnte später noch am Ort des Geschehens widerstandslos festgenommen werden.

Der schwer verletzte Mann verstarb trotz versuchter Reanimation noch im Rettungswagen. Die Frau wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht und stationär aufgenommen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat werden von der Frankfurter Kriminalpolizei geführt und dauern zurzeit noch an. Weitere Hintergründe zur Tat nannte die Polizei am Freitag nicht.

Der tödliche Streit im Gallus ist der vorläufige traurige Höhepunkt einer ganzen Reihe von Vorfällen in der Öffentlichkeit, bei denen Messer zum Einsatz kamen. Ende August verletzte ein 49-Jähriger zwei junge Männer im Hauptbahnhof durch Messerstiche schwer, nur zwei Tage zuvor war ein Handyshop im Westend mittels Vorhalt eines Messers ausgeraubt worden. Mitte August bedrohte ein 48-Jähriger in Fechenheim zwei Polizeibeamte mit einem Messer, Ende Juli wurde ein 22-Jähriger in einer Diskothek im Ostend schwer verletzt.

Der neue Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller hatte zu seinem Amtsantritt verkündet, dass er gegen die Zunahme von Messerangriffen etwas unternehmen wolle. Die Zahl der Angriffe steigt hessenweit seit Jahren. 2015 registrierte die hessische Polizei 865 Delikte, 2019 waren es schon 1212. Anders als bei Schusswaffen ist für Messer oder das ebenfalls in Mode gekommene Pfefferspray keine Waffenbesitzkarte notwendig.

Die Polizei sieht Waffenverbotszonen als ein mögliches Gegenmittel. Dann könnte das Mitführen von Messern mit hohen Geldstrafen sanktioniert werden. Doch die ermöglichen anlassunabhängige Kontrollen und bedeuten einen starken Eingriff in Bürgerrechte. Bislang waren solche Waffenverbotszonen meist nur temporär und anlassbezogen erlassen worden, etwa im Frankfurter Hauptbahnhof rund um große Fußballspiele oder Demonstrationen. In Wiesbaden war Anfang 2019 für Teile der Innenstadt eine dauerhafte Waffenverbotszone eingerichtet worden. Der damals für die Stadt verantwortliche Polizeipräsident war Stefan Müller.

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