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Frankfurt: Theater Willy Praml bringt Bestseller auf die Bühne

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Von: Andreas Hartmann

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Dem Theater Willy Praml in Frankfurt ist ein Coup gelungen: Regisseur Michael Weber konnte die deutschen Rechte des Stücks Serotonin von Michel Houellebecq erwerben. Grade laufen die letzten Proben. Foto: Rolf Oeser
Dem Theater Willy Praml in Frankfurt ist ein Coup gelungen: Regisseur Michael Weber konnte die deutschen Rechte des Stücks Serotonin von Michel Houellebecq erwerben. Grade laufen die letzten Proben. Foto: Rolf Oeser © ROLF OESER

Das Theater Willy Praml zeigt erstmals in Deutschland Michel Houellebecqs „Serotonin“ - und teilt die Hauptfigur durch sechs.

Als Michel Houellebecqs Roman „Serotonin“ Anfang 2019 fast zeitgleich in Frankreich und Deutschland erschien, da sprang das neue Buch des französischen Skandalautors in beiden Ländern auf Anhieb auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Dass aus dem Roman nun ein Theaterstück geworden ist, das am 26. August seine Premiere feiern kann, ist ein echter Coup, der dem Frankfurter Regisseur Michael Weber gelungen ist. Das Theater Willy Praml startet damit als erstes Haus in Frankfurt – noch in den Sommerferien – in die neue Saison.

„Eigentlich ist es eine Ich-Erzählung, die wir für die Bühne bearbeitet haben“, berichtet Weber, der praktisch zeitgleich mit dem Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 als Nachfolger Pramls vom Schauspiel- ins Regisseurfach wechselte. Auch die Premiere von „Serotonin“ hat Corona um viele Monate verzögert. „Da mussten wir noch mal eine lange, lange Pause machen“, sagt Weber.

Grade ist er in den Endproben. Es habe dem Stück schließlich sogar gutgetan, dass die Schauspieler:innen sich so lange mit dem Text Houellebecqs beschäftigt hätten, meint der 59-Jährige, der seit 1991, von Anfang an, Teil des Theaters in der Naxoshalle ist. Sehr gut geschrieben sei der Roman, findet Weber, der ihn für das Theater adaptiert hat. „Diese gegenwärtigen, starken Bilder finde ich ganz toll.“

Das Stück

„Serotonin. Eine Eurovison.“ nach dem Roman von Michel Houellebecq feiert seine Premiere am 26. August, 20 Uhr, im Theater Willy Praml Frankfurt in der Naxoshalle, Waldschmidtstraße 19.

Karten gibt es unter Tel. 069/43 05 47 34 oder theater.willypraml@t-online.de. Am 12. September, 19.30 Uhr, bietet das Theater eine „Nachlese“ im Haus am Dom zum Thema „Diagnose Depression“ an.

Der Regisseur hat den depressiven Ich-Erzähler der Vorlage, den Agraringenieur Florent-Claude Labrouste aus dem französischen Landwirtschaftsministerium, mit drei Schauspielerinnen und drei Schauspielern besetzt, ein siebter Darsteller übernimmt die Rolle des Psychiaters. Der verschreibt regelmäßig das titelgebende Glückshormon Serotonin.

Stück um Stück verschwindet die Hauptfigur, zieht sich immer mehr zurück, jammert und klagt. „Ein Weichei“ nennt ihn Weber. „Er ist ein völlig durchschnittlicher Mensch“. Das Rezept für das Antidepressivum abzuholen, ist eine der wenigen, eine der letzten Gelegenheiten, noch das verdunkelte Zimmer zu verlassen.

„Der Text hat homophobe und frauenfeindliche Stellen. Aber wenn die Schauspielerinnen chauvinistisch vom Leder ziehen, dann wird das im Grunde sehr komisch.“ Und eigentlich, meint Weber, sei der Roman auch voller Sehnsucht und Liebe, ja, eigentümlich spirituell..

Houellebecq, immerhin einer der bekanntesten französischen Schriftsteller, war in der Zusammenarbeit sehr unkompliziert, wie der Regisseur berichtet. Anders als viele andere zeitgenössische Autoren (oder deren Erben) habe er sich nicht in die Inszenierung eingemischt. Allerdings, räumt er ein, seien die Tantiemen, die das Theater Willy Praml an den Schriftsteller zahlen muss, ziemlich hoch.

Eine Hauptrolle dürfte auch dieses Mal die historische Naxoshalle spielen. Vom mehr als 100 Jahre alten Lastenkran soll Musik des Barockkomponisten Charpentier erschallen. Der Kran lässt sich noch bewegen, wenn auch nur mit Muskelkraft, Weber nutzt die gesamte enorme Länge des Gebäudes für die Bühne und das minimalistische Bühnenbild. „Serotonin“ dürfte also nicht nur ein bisher nie gesehenes Stück, sondern auch ein ganz ungewöhnlicher Blick auf eines der atmosphärischsten historischen Gebäude Frankfurts bieten,

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