Viktor Frankenstein (Fabian Schwarz) und seine Studenten (Iken Sturm und Christina Schmideder) steigen in ein Grab.  
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Viktor Frankenstein (Fabian Schwarz) und seine Studenten (Iken Sturm und Christina Schmideder) steigen in ein Grab.  

Festival

Frankfurt: Theater am Main trotz Corona

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Das Ensemble Comoedia Mundi lädt zum traditionellen Theater- und Musikfestival „Tangente“ am Mainufer in Frankfurt ein. Das Programm fällt wegen Corona in diesem Jahr kleiner aus.

Wie für alle Kulturschaffenden waren die vergangenen Monate für Theatermacher Fabian Schwarz und das Ensemble von Comoedia Mundi eine Zeit des Bibberns und Wartens: Können sie, wie schon seit über 30 Jahren, Ende Juni in Frankfurt ihr Theaterzelt aufschlagen? Inzwischen steht fest: Sie können. Die Stadt hat ihnen Mitte Juni die Erlaubnis erteilt, ihr traditionelles Theater- und Musikfestival Tangente am Sachsenhäuser Mainufer abzuhalten. Auf dem Spielplan am Freitag, 3. Juli, steht zum Auftakt „Frankenstein“, eine Inszenierung des berühmten Schauerromans der britischen Autorin Mary Shelley.

Das Festivalprogramm fällt allerdings in diesem Jahr bedingt durch die Corona-Krise kleiner als in den Vorjahren aus. Wegen der langen Zeit der Unsicherheit konnten Schwarz und seine Ehefrau, die Schauspielerin und Sängerin Loes Snijders, die künstlerische Leiterin des Festivals, keine verbindlichen Absprachen mit Künstlerinnen und Künstlern treffen. Auf dem Programm stehen deshalb in erster Linie Eigenproduktionen der Comoedia Mundi, wie eben die „Frankenstein“-Inszenierung, die im Frühjahr 2019 im Schloss Trautskirchen, der Heimatbühne des in Bayern beheimateten Ensembles, Premiere hatte, sowie Auftritte von Kolleginnen und Kollegen, die, wie Schwarz es ausdrückt, zur „erweiterten Hausgemeinschaft“ der 1983 gegründeten Theatertruppe gehören.

Tangente-Festival

Das Ensembles Comeodia Mundi gastiert von Sonntag, 28. Juni, bis Dienstag, 4. August, in Frankfurt am Mainufer in Höhe des Schaumainkais 42 – 48. Erster Veranstaltungstag ist Freitag, 3. Juli.

Karten für die Veranstaltungen sollten möglichst vorbestellt werden, da die Zahl der Plätze wegen der Corona-Verordnungen auf 26 reduziert werden musste. Erwachsene zahlen 25 Euro, Studenten 20 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren 9 Euro.

Reservierungen nehmen die Veranstalter vorzugsweise per E-Mail entgegen: kontakt@comoedia-mundi.de Sie sind aber auch möglich unter 01 51/26 93 97 81. Darüber hinaus können Karten von Sonntag, 28. Juni, an täglich von 17 bis 23 Uhr auch am Café-Wagen erstanden werden.

Der Biergarten am Café-Wagen ist von Sonntag, 28. Juni, an, abhängig vom Wetter, während der Festspielzeit täglich von 17 bis 23 Uhr geöffnet.

www.comoedia-mundi.de  

Herbert Fischer, der als Regisseur für Comoedia Mundi gearbeitet hat, bestreitet jeweils am Sonntag, 5., und Montag, 6. Juli, zusammen mit Judith Rohr unter dem Titel „Wir alle? Wir alle!“ einen musikalisch-theatralischen Abend über die Ringparabel aus Lessings letztem Werk „Nathan der Weise“. Der Sänger und Pianist Chris B., eigentlich Christian Jung, gibt mit seinem Chris B. Quartett am Dienstag, 14. Juli, ein Konzert, bei dem er eigene Stücke spielt, die vom Blues inspiriert sind und in einem Genremix auch Elemente aus Jazz, Boogie Woogie und Soul enthalten.

„Wir hoffen, dass wir mit einem blauen Auge durch dieses Jahr kommen“, sagt Fabian Schwarz. Das für Mai geplante Gastspiel in Erlangen musste sein Ensemble absagen, staatliche Hilfen hat das Tourneetheater bislang nicht erhalten. Es wird zwar seit Jahren vom Freistaat Bayern gefördert und erhält für das Gastspiel am Main auch wieder Geld von der Stadt Frankfurt, doch die Fördermittel decken nur etwa 30 Prozent der Jahreskosten. Den größten Teil muss es durch den Verkauf von Eintrittskarten und die Gastronomie erwirtschaften. Das wird in diesem Jahr schwierig.

Wie andere Spielstätten musste Comoedia Mundi, um die Abstandsregeln einzuhalten, die Zahl der Sitzplätze im Theaterzelt von 150 auf 26 reduzieren. Und auch für die Gastronomie gibt es besondere Regelungen. Am Caféwagen entsteht wieder ein Biergarten, in dem Besucherinnen und Besucher von Sonntag, 28. Juni, 14 Uhr, an in gehörigem Abstand voneinander Getränke ausgeschenkt bekommen. Ob dazu auch, wie sonst üblich, kleine Speisen wie Tapas serviert werden dürfen, ist noch nicht geklärt.

„Als Theater haben wir einen Kulturauftrag, und der heißt zu spielen“, sagt Schwarz. Er hofft, dass viele Interessenten ihre Ängste vor einer möglichen Ansteckung überwinden, im gut durchlüfteten Theaterzelt Platz nehmen und ihre Kinder mitbringen. Für die gibt es wieder ein eigenes Angebot. Neu im Programm ist „Janko“, ein musikalisches Märchen für Kinder ab sechs Jahren, das an den Sonntagen, 12. und 19. Juli sowie am Samstag, 18. Juli, zu sehen ist. Darin geht ein Junge im Boot auf eine Abenteuerreise, bei der er auf einen Drachen trifft.

Mit drei Lastern und elf Zirkuswagen macht sich Comoedia Mundi auf die Reise. Erst nach Frankfurt, Ende August weiter nach Regensburg und im September nach Erlangen, wo das Ensemble das ausgefallene Festival nachholen will. Durch die Corona-Pandemie wird die Tournee für die Theaterleute zu einem Abenteuer.

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