+
Die Jugendlichen beenden ihren Workshop mit einem Theaterstück.

Rassismus

Frankfurt: Theater gegen Ausgrenzung

  • schließen

Jugendliche setzen sich in Workshop mit ihrer Herkunft, Mobbing und Rassismus auseinander.

Die Aula der Anne-Frank-Schule im Frankfurter Dornbusch ist prall gefüllt. Vor den Stuhlreihen stehen 16 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in einer Reihe. Eine von ihnen fragt auf Englisch: „Wer hat schon einmal Rassismus erfahren? Wer schon einmal Mobbing ? Und wer hat schon einmal Vorurteile erfahren?“ Ausnahmslos heben die Jugendlichen, die vor einem Publikum aus Schülern, Lehrern und anderen Zuschauern stehen, die Hand.

Die Jugendlichen haben an einem trilateralen Theater-Workshop teilgenommen. Sechs Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Schule, sechs israelische und vier Roma-Jugendliche haben die vorausgegangenen vier Tage zusammen in der Jugendherberge Lohr/Main verbracht. Sie haben sich Zimmer geteilt, gemeinsam gegessen und gespielt, diverse Freizeitaktivitäten wie Kanufahren unternommen und Theaterübungen gemacht. Das Endprodukt war ein von ihnen selbst erarbeitetes Stück, das am Freitag vor Publikum gezeigt wurde. „Ich habe wirklich viele tolle Erfahrungen gemacht und neue Freunde kennengelernt“, sagt Amina Ndiaye, eine Anne-Frank-Schülerin, ihre Freundin Kidest Negash nickt zustimmend.

Das Projekt fand zum zweiten Mal statt. Organisiert wurde es von der Kinder- und Jugend-Aliyah, einer Organisation für die Betreuung, Erziehung und Berufsausbildung jüdischer Kinder in Israel, dem Förderverein Roma und der Anne-Frank-Schule. Ziel des Projektes, das dieses Jahr unter dem Namen „Darf ich mitspielen? – Identität, Zugehörigkeit, Ausgrenzung“ stand, ist, dass die Jugendlichen sich mit sich selbst und ihrer Herkunft auseinandersetzen, die anderen Gruppen kennenlernen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herausarbeiten sollen.

„Ich hatte faszinierende Gespräche, beispielsweise mit einem muslimischen Mädchen über die Rolle der Frau in der Religion“, sagt Sara, die aus dem Kibbuz Honatan im Norden von Israel kommt. „Man konnte auch viele Gemeinsamkeiten zwischen den Gruppen feststellen.“

Das Theaterstück bestand aus vielen kleinen Szenen, in denen beispielsweise humoristisch die einzelnen Gruppen vorgestellt oder Szenen aus dem Leben der Jugendlichen nachgestellt wurden, in denen sie selbst Rassismus oder Mobbing am eigenen Leib erlebt haben. Das Ende des Stückes zeigte aber, dass es nicht immer so ablaufen muss wie in diesen Fällen. Die letzte Szene wurde dreimal gespielt, bis ein Ende gefunden war, bei dem alle, egal welcher Herkunft, miteinander spielten.

Warum gerade Theater das Medium der Wahl ist? „Theater kann man lernen, dafür braucht es keine großen Voraussetzungen“, sagt die federführende Leiterin Pava Raibstein der Kinder- und Jugend-Aliyah.

Außerdem könne Theater auch ohne Sprache funktionieren. Weil die Roma nur schlecht Deutsch sprächen und die israelischen Jugendlichen gar nicht, hätten sie oft sprachliche Brücken bauen müssen, berichtet Raibstein, Das sei eine Herausforderung gewesen. Sie betont aber: „Das Wichtigste ist, dass das, was die Kinder erlebt haben, Wellen schlägt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare