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So breiten Protest hat Frankfurt lange nicht gesehen,

Fridays for Future

Frankfurt: Tausende für das Klima

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Die „Fridays for Future“ haben es geschafft, aus einem Jugendprotest eine breite Bewegung zu entwickeln. Rund 20.000 Menschen sind beim „Klimastreik“ auf der Straße.

Der Klimastreik beginnt früh. Gegen acht Uhr positionieren sich an verschiedenen Stellen Frankfurts, etwa unweit der Bockenheimer Warte und am Baseler Platz, kleine Gruppen von Aktivisten auf der Straße, um den Berufsverkehr zu blockieren. Genervte Pendler hupen, die Polizei twittert, Eingriffe in den Straßenverkehr könne sie nicht dulden. Bevor es Stress gibt, ziehen die Blockierer wieder ab. Sie haben noch anderes vor.

Weltweit, in fast 150 Ländern, soll an diesem Freitag für eine andere Klimapolitik demonstriert werden. Die Frankfurter Ortsgruppe der „Fridays for Future“ hat ihren Protest unter das Motto „System change, not climate change“ gestellt. Denn den jungen Leuten, die seit fast einem Jahr am Main auf der Straße sind, geht es schon lange nicht mehr nur um weniger CO2-Ausstoß. Sie stellen die herrschende Wirtschaftsordnung infrage, die, wie Sprecher der Bewegung zunehmend betonen, „auf der Ausbeutung von Mensch und Natur“ basiere. Parallel gibt es Demos in anderen hessischen Städten wie Wiesbaden, Darmstadt und Bad Homburg.

Gegen 11 Uhr kommt der Verkehr auf der Mainzer Landstraße zum Erliegen. Gut 150 Menschen, Schülerinnen, Eltern mit Kinderwagen, Gewerkschafter, ziehen als Teil eines Sternmarsches in Richtung Opernplatz. „Es gibt kein Recht, ein SUV zu fahren“, rufen die Demonstranten fröhlich. Ein Junge, vielleicht acht Jahre alt, hält mit großem Ernst ein Schild in die Luft. „Politiker, schützt unsere Umwelt“ steht darauf.

Gegen kurz nach 12 wird dann klar, dass die Klimastreik-Demonstration einer der größten Proteste werden wird, die Frankfurt seit langem gesehen hat. Tausende Menschen strömen auf den Opernplatz, junge und alte, mit Greenpeace- und Gewerkschaftsfahnen. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird viel gejubelt. „Das K in CDU steht übrigens für Klimaschutz“ steht auf einem Protestschild.

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Am Rand sitzt eine Gruppe von Schülerinnen. Sie seien vom Phorms-Gymnasium in Steinbach, sagen sie. „Der Planet wird immer heißer, und wir versuchen, es zu verhindern“, sagt eine. Sie glaube, dass die Proteste wirkten, sagt eine andere aus der Gruppe. Allein dass auf der ganzen Welt Menschen auf der Straße seien, sei doch ein Signal.

Seit 1990 wenig passiert

Wie wichtig die Proteste der „Fridays for Future“ seien, ist dann auch von der Bühne zu hören. Der erste Bericht des Weltklimarats sei von 1990, ruft Volker Mosbrugger, Generaldirektor des Senckenberg- Forschungsinstituts. „Seitdem sagen wir Wissenschaftler eigentlich nichts Neues, und nichts ist passiert.“ Erst durch die Jugendproteste sei Bewegung in die Klimadebatte gekommen, sagt Mosbrugger. „Eure Bewegung bewegt was, ihr dürft nicht aufgeben.“

Ähnlich drückt es Volker Quaschning aus, Professor für Regenerative Energiesysteme. „Die junge Generation, ihr habt einfach recht“, ruft er unter Applaus. „Erst seit ihr auf der Straße seid, ist das Thema in den Köpfen drin.“ Es sei wissenschaftlich belegbar, dass bis 2030 Schluss sein müsse mit Kohlestrom und es keine Zukunft für Verbrennungsmotoren gebe, sagt Quaschning. „Wir brauchen einen radikalen Systemwechsel, sonst haben wir keine Chance, das Klima zu retten.“

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Und dann zieht die Demo los, angeführt von den Schülern der „Fridays for Future“. Die Polizei spricht später von rund 12 500 Teilnehmern, die Organisatoren von 25 000. Klar ist: So breiten Protest hat Frankfurt lange nicht erlebt. Als die Demo wieder am Opernplatz ankommt, stürmen rund 30 Aktivisten noch einige Hundert Meterv weiter in die Paulskirche und erklären sie für besetzt – als Zeichen für eine andere Klimapolitik. Die Polizei riegelt das Gebäude ab, die Besetzer verhandeln mit der Stadt. Gegen 17 Uhr verlassen die jungen Aktivisten die Paulskirche freiwillig – unter dem Applaus ihrer Mitstreiter auf dem Paulsplatz.

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