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Frankfurt: Tausende in Solidarität mit der Ukraine

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Von: Sandra Busch

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Am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt kommen am Mittwoch etwa 5000 Menschen zusammen.
Am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt kommen am Mittwoch etwa 5000 Menschen zusammen. © Monika Müller

In Frankfurt begehen 5000 Menschen den Unabhängigkeitstag der Ukraine und protestieren gegen den Krieg.

Sofiia lebt seit Anfang März mit ihrer Mutter in der Nähe von Frankfurt. Es ist das zweite Mal im Leben, dass die 15-Jährige flüchten musste. Vor Krieg in der Ukraine. Zunächst 2014 aus Donezk, dem Osten der Ukraine nach Kiew. Vor sechs Monaten aus Kiew nach Deutschland. Bei Großonkel und Großtante lebt sie jetzt, „es gefällt mir in Deutschland“, sagt sie, „aber es gibt viel Bürokratie.“ Monatelang war sie nicht krankenversichert. Aber sie hat eine Intensivklasse besucht, in der zugewanderte Schülerinnen und Schüler vor allem Deutsch lernen. Nach den Sommerferien wird sie auf ein Gymnasium gehen.

Mit Großonkel und Großtante steht sie am Mittwochabend auf dem Willy-Brandt-Platz. Nicht nur ist an diesem Tag seit genau sechs Monate Krieg in der Ukraine. Russland hatte die Ukraine am 24. Februar angegriffen. An diesem Mittwoch ist auch ukrainischer Nationalfeiertag: der 31. Jahrestag der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Rund 5000 Menschen sind in die Innenstadt gekommen. Der Willy-Brandt-Platz ist ein Meer aus blau-gelben Fahnen, Frauen tragen Blumenkränze im Haar. Sie sind nicht nur wegen des Unabhängigkeitstags dort, sondern protestieren auch gegen den Krieg.

Viele haben sich in die ukrainischen Fahnen gehüllt.
Viele haben sich in die ukrainischen Fahnen gehüllt. © Monika Müller

Die Verwandtschaft in Kiew könne heute nicht feiern, sagt Sofiias Großonkel Yuri Gerenko. Jeden Tag habe man Kontakt zur Familie in der Ukraine, „heute ist Kiew leer, es gibt Warnungen vor Angriffen“. In der Menge ist auch eine junge Mutter mit zwei Kindern. Seit April leben sie in einer Unterkunft in Frankfurt. „Es ist nicht schön“, sagt sie während ein ukrainisches Lied gegen den Krieg gesungen wird. „Ich will nach Hause.“

Zuvor hatten FDP, Grüne, SPD, CDU und Volt zu einer Kundgebung unter dem Motto „Frieden, Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit für eine freie Ukraine in einem freien Europa“ auf dem Paulsplatz aufgerufen. Rund 80 Menschen kamen und haben für Solidarität mit der Ukraine demonstriert. „Wir wollen, dass der Krieg bald endet“, sagte der Frankfurter FDP-Chef Thorsten Lieb. „Die Voraussetzung dafür ist, dass Russland die Ukraine verlässt – und zwar die ganze Ukraine.“ Es dürfe nicht nachgelassen werden in der Unterstützung der Ukraine, auch mit weiteren Waffen. Das sei fundamental für die Ukraine, „um durchhalten zu können“. Es müsse aber mehr geben als Waffenlieferungen. „Die Ukraine muss und soll künftig Mitglied der Europäischen Union werden.“

Nilab Alokuzay-Kiesinger (Grüne) sagte, dass der Tag zeige, „wie schmal der Grat zwischen Frieden Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit sowie Flucht und Tod sein kann“. Menschen befänden sich seit Monaten auf der Flucht. „Der Zustand darf nicht zur Normalität werden.“ Yannick Schwander (CDU) wollte daran erinnern, dass „die Ukraine nicht nur ihre Unabhängigkeit ihres Landes verteidigt, sondern auch die Freiheit, die Demokratie nach unserem Vorbild“. Und Jan Pasternack (SPD) forderte weitere Waffen für die Ukraine. „Gebt ihnen die Waffen, die sie brauchen, um ihre Leben zu retten.“ Das Handeln der Kriegsverbrecher könne nicht geändert werden. „Aber wir können die Haltung bestimmen, mit der wir ihnen entgegentreten“. Mikael Horstmann (Volt) sprach die Hoffnung aus, in einem Jahr an selber Stelle den 32. Unabhängigkeitstag der Ukraine feiern zu können. „Einer freien, unabhängigen Ukraine ohne Krieg.“

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