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Frankfurt tanzt in der Schmidtstraße

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Von: Katja Sturm

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Ein Aktionstag will Lust auf Bewegung machen. Doch das Wetter erfordert eine Umplanung.

Die Vorstellung war schön gewesen: Ein möglichst sonniger Tag im Licht- und Luftbad Niederrad. Hier eine Tanzperformance, dort ein bewegender Workshop zum Mitmachen und neben Menschen, die sowieso schon Lust auf „Contemporary“ oder Hip-Hop haben, auch solche, die sich ganz spontan locken lassen.

Doch die prognostizierten Regenfälle und der bereits durchfeuchtete Boden in dem Biotop im Süden hat die Veranstalterinnen von „Frankfurt tanzt“ kurzfristig umplanen lassen. Statt in die Natur luden sie am Samstag ins LAB in der Schmidtstraße ein, an einen Ort also, der sowieso schon Heimat von Performances, aber, etwas abgelegen im Gallus, kaum von Laufpublikum frequentiert ist. Dennoch herrschte eine besondere Stimmung in den Studios und den Räumen drumherum. Ein Vibrieren war zu spüren. Selbst draußen, im Hof, sah man Menschen fröhlich tanzen.

Die künstlerischen Leiterinnen des Projekts, Mareike Uhl und Amelia Uzategui Bonilla vom „ID_Tanzhaus Frankfurt Rhein-Main“, zeigten sich zufrieden mit dem, was sie ausgelöst hatten. Das Förderprogramm Kulturerwachen, durch das sie das kostenlose Angebot hatten finanzieren können, ist dafür gedacht, Kinder und Jugendliche nach pandemiebedingt langen Aufenthalten zu Hause mit niedrigschwelligen Angeboten ins Freie zu holen. „Wir wollten aber etwas Inklusives für alle machen“, sagt Uhl.

So richtete sich der Großteil ihrer Mitmachofferten zwar an die junge Gruppe, doch es gab neben einer großen Party am Ende auch gemischte Kurse und die Aufführungen waren sowieso für alle gedacht. Zudem verschwammen die Grenzen schnell: Mütter tanzten mit ihren Kindern, Urban Dancer oder Ballettküken experimentierten mit dem japanischen Butoh-Tanz und bei den Vorstellungen wie der von den Afrotudes hielt es manche Zuschauer:innen nicht auf ihren Stühlen und sie hüpften mit den Darsteller:innen mit und imitierten deren Schritte und Gesten.

„Das Programm hat sich von selbst zusammengestellt“, sagt Uhl. Gemäß den Zielen, die ihre Initiative für Independent Dance (ID) verfolgt, wollten sie und ihre Kollegin keine Hierarchie aufbauen und von oben planen. „Wir haben Frankfurter Künstler angeschrieben“ und die Zusagen nur „arrangiert“. Angesprochen werden sollte mit dem Ergebnis nicht nur die Szene, die sowieso tanzaffin ist, sondern alle, die offen genug für Neues sind.

Manuel Gaubatz hat mit solchen Versuchen schon einiges an Erfahrung gesammelt. Seit dem Sommer 2021 ist der Tänzer und Choreograf für das Education Programm der Dresden Frankfurt Dance Company zuständig. Kinder können dort erste Schritte, Erwachsene auch ohne Vorkenntnisse Teile von dem erlernen, was die Profis auf der Bühne zeigen.

Die Resonanz, auch bei Schulklassen, sei sehr gut, sagt Gaubatz. „Wir haben einen Bildungsauftrag und wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben“, erklärt er. Viele Teilnehmer:innen, die vorher noch nie bei einem Ballettabend gewesen seien, treffe er dort wieder. Neues Publikum zu erschließen gehöre zu den Antrieben.

Gerne würden Uhl und ihre Kollegin ihren Tanztag wiederholen. Doch dafür bedarf es einer neuerlichen Förderung oder eines Sponsors.

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