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Ganz viel Power bei der Tanzdemo gegen Gewalt an Mädchen und Frauen.

Aktion

Tanzdemo am V-Day in Frankfurt

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400 Frauen und Männer protestieren gegen Gewalt und Sexismus.

Time to break the chain“, dröhnt es am Donnerstagabend aus den Lautsprechern. Also Zeit, die Ketten zu zerschlagen. Der Beat ist mitreißend, die Stimmung voller Girlpower. Eine, die selbst die Spice Girls und Beyoncé abfeiern würden.

Auf dem Platz unweit der Katharinenkirche an der Hauptwache tanzen aber keine Popstars, sondern laut Veranstalter 400 Demonstranten. Die meisten sind Frauen, aber auch immer wieder dazwischen sind Männer. Ein Herr mit Lederjacke tanzt nicht etwa die eben einstudierte Frankfurter Version der „Break the Chain“-Choreo, die mit Kicks in der Luft beginnt, sondern Ballett-Schritte. Egal.

Es geht um den gemeinsamen Protest: Bei der Tanzdemo zum weltweiten Aktionstag V-Day. Und dabei wird nicht etwa für mehr Rosen zum Valentinstag getanzt. „Es geht darum, das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufzuzeigen und dagegen zu protestieren“, ruft Linda Kagerbauer vom städtischen Frauenreferat der Menge zu. Auch der Female-Samba-Flashmob trommelt für mehr Frauenrechte.

Seit 2012 gibt es den V-Day. In Frankfurt hat das Frauenreferat gemeinsam mit einem breiten Aktionsbündnis zur Tanzdemo aufgerufen. Das Tanzen im öffentlichen Raum zeige Stärke, Kraft und Solidarität. Das V bei V-Day stehe nicht nur eben für Valentinstag und Vagina, sondern für „Victory“ über Violence, also der Sieg über Gewalt, so Kagerbauer.

„One Billion rising“ ist der Demo-Aufruf: Eine Milliarde bezieht sich auf eine UN-Statistik, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung wird – eine Milliarde Frauen weltweit. Mittlerweile beteiligen sich 190 Länder mit Tausenden von Aktionen. Aber es geht nicht nur um Gewalttaten gegenüber Frauen, sondern eben auch, um sein Gesicht gegen Sexismus und Diskiminierung zu zeigen. „Das ist leider auch im Jahr 2019 wieder sehr nötig“, sagt eine Demonstrantin. Sie ist Mitte 50.

Maike (27) aus Frankfurt klagt: „Ich werde sehr oft, wenn ich tanzen gehe, von Männern angegrabscht: am Hintern, sogar gerne an den Brüsten. Das muss aufhören. Es verdirbt mir auch das unbeschwerte Gefühl, wenn ich ausgehe“, sagt sie.

Ziemlich weit vorne ist auch Sascha (21). Der Offenbacher meint: „Gerade gibt es einen Rückfall in klassische Rollenbilder. Ich finde es wichtig, als Mann auf die Straße zu gehen. Wir müssen uns gemeinsam für Gleichberechtigung einsetzen.“

Und dann wird wieder getanzt. Für ein gewaltfreies Leben in Frankfurt. Für alle. „Das ist nicht ganz unanstrengend mit der feministischen Bewegung “, sagt Linda Kagerbauer etwas außer Atem vom vielen Tanzen und lacht.

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