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Frankfurt: Tanz den Beethoven

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Von: Thomas Stillbauer

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Die Reihe „Musik & Diskurs“ lädt das Publikum zum Hören, aber auch zum Mitreden in die Brotfabrik ein.

Die Hausener Brotfabrik lebt – und sie ist Schau- und Hörplatz einer interessanten Reihe. „Musik & Diskurs“ nennt Moderator Jean Trouillet, bekannt von Radio X, was in diesem Monat an drei Abenden aufs Publikum zukommt. Da spielen etwa am 21. Mai The Ohohohs, tags darauf Prosechòs und das Cemil-Qocgiri-Duo, und am 29. Mai Mauro Durante & Justin Adams. Sie spielen aber nicht nur – es gibt auch was zu besprechen. Und zu lernen.

„Musik & Diskurs wird keine akademische Veranstaltung sein“, sagt Trouillet, „sondern den Konzerten einen informativen Mehrwert geben und damit den Künstlern die Möglichkeit, sich zu erklären.“ Das Publikum, kündigt er an, erhalte auch Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Bei den Ohohohs, einem Duo aus Frankfurt, wird es am Samstag, 21. Mai, etwa darum gehen, wie sie die Verwandlung vom Live-Techno-Act zu ihrem heutigen Erscheinungsbild vollzogen haben: Konzertante Clubmusik nennt sich, was sie machen, mit Konzertflügel und Schlagwerk, die sich auf der Bühne gegenüberstehen.

Was ist spannend an klassischer Musik? Darf man die Musik der großen Meister in einem zeitgenössischen Soundkonzept neu erscheinen lassen? Bach und Drum’n’Bass – geht das? Und warum ist Beethoven ein Revolutionär? Fragen, die Trouillet den beiden Musikern stellen will. Nach dem Gespräch mit vielen Musikbeispielen werden die Stühle weggeräumt, „und man kann die Erfahrung machen, dass man zu Beethoven tanzen kann“.

Flucht, Migration und Identität sind dagegen die Themen am Sonntag, 22. Mai. Prosechòs, vor 40 Jahren von vier Griechen auf der Flucht vor dem Militärdienst als erste Rembetiko-Band auf deutschem Boden gegründet, hat dazu viel zu erzählen: von der Welt des griechischen Undergrounds, vom Blues aus Piräus, der die Fluchterfahrung und „das konsequente Leben abseits der Gesellschaft“ verarbeiten hilft. Cemil Qocgiri, der an demselben Abend auftritt, wurde in Deutschland geboren und musste sich seine kurdische Identität hier erst erarbeiten. Er spielt die Tenbûr, eine Langhalslaute mit drei Saiten, begleitet von der Frankfurter Cellistin Susanne Hirsch.

Trancekulturen fusioniert

„Superstars der Weltmusik“ kündigt Trouillet für Sonntag, 29. Mai, an. Mauro Durante & Justin Adams werden eine Deutschlandpremiere in der Brotfabrik feiern. Der eine, Durante, ist erfolgreich als Frontmann der italienischen Folkband Canzoniere Grecanico Salentino, der andere, Adams, ist als Musiker mit vielen Projekten unterwegs und Produzent sowie Begleiter von Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant. Zusammen mischen sie die Trancerhythmen der süditalienischen Tarantella mit elektrisierendem Delta-Blues, heißt es in der Vorschau.

Wer kurz reinhört – es gibt ein knapp 45-minütiges Youtube-Video von ihnen im Studio bei den Aufnahmen zu „Still Moving“ – kann das leicht nachvollziehen. Violine und Perkussion auf der einen, die raue Vintage-Bluesgitarre auf der anderen Seite, dazu der Gesang aus zwei Welten. Trancekulturen, fusioniert. Ein Thema des Gesprächs mit den beiden: Wie rettet man eine Musikkultur vor dem Museum und damit vor dem Tod?

Gastgeber Jean Trouillet hat 1989 „WeltBeat“ veröffentlicht, nach seinen Worten das erste deutsche Buch über Weltmusik, und war einer der Gründer von Radio X. Mit „Globalwize“ ist er dort mittwochs auf Sendung.

Kartenvorverkauf: www.brotfabrik.de

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