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Frühjahr 2018: Sonderfahrt mit dem Coradia iLint von Wiesbaden nach Höchst.

Spatenstich

Tankstelle für Wasserstoff-Züge

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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In zwei Jahren werden 27 emissionsfreie Fahrzeuge im Taunusnetz unterwegs sein. Den Treibstoff liefert der Industriepark Höchst.

Mit einem symbolischen Spatenstich hat am Montag der Bau einer Wasserstoff-Tankstelle für Passagierzüge im Industriepark Höchst begonnen. Es ist die erste in Hessen. Von Dezember 2022 an soll sie Nachschub für die neue Brennstoffzellenzug-Flotte des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) liefern. Zum Einsatz kommen die innovativen Fahrzeuge im sogenannten Taunusnetz. Also auf den Strecken Frankfurt-Höchst–Bad Soden (RB11), Frankfurt–Königstein (RB12), Frankfurt–Bad Homburg–Brandoberndorf (RB 15) sowie Friedrichsdorf–Friedberg (RB16). Herstellerin ist die Firma Alstom. Die Industriepark-Betreibergesellschaft Infraserv Höchst errichtet und betreibt die Tankstelle.

Fahrzeuge Coradia iLint

Alstom ist nach eigenen Angaben der erste Schienfahrzeughersteller weltweit, der mit dem CO2-emissionsfreien Regionalzuges „eine echte Alternative zum Dieselzug darstellt“. Die Entwicklung hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Mobilität unterstützt.

Der Hersteller verspricht saubere Energieumwandlung, flexible Energiespeicherung in Batterien sowie intelligentes Management von Antriebskraft und verfügbarer Energie.

Nach einem zweijährigen Testbetrieb in Niedersachsen ist das Fahrzeug derzeit bis November drei Monate in Österreich unterwegs.

www.alstom.com

Jens Deutschendorf, Staatssekretär im hessischen Verkehrsministerium, hob den „Mut“ der Verantwortlichen des RMV und des Industrieparks hervor. „Hessen ist Schrittmacher auf dem Weg in eine klima- und umweltfreundliche Mobilität“, sagte er. In zwei Jahren würden schadstofffreie Brennstoffzellenzüge die alten Dieselfahrzeuge ablösen, schwärmte Deutschendorf von einem „Elektrobetrieb ohne Oberleitung, der auch für andere Regionen eine interessante Alternative sein kann“.

Das Projekt habe einen besonderen Stellwert, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. „Mit den Brennstoffzellenzügen von Alstom schlagen wir beim RMV ein neues Kapitel emissionsfreier Mobilität auf.“ Wenn in zwei Jahren die 27 Fahrzeuge große Flotte in Betrieb gehe, stelle sie einen „Weltrekord“ auf: „Nirgendwo sonst gibt es eine so große Brennstoffzellenflotte im Personennahverkehr.“ Das „Mammutprojekt“ bleibe im vorgesehenen Kosten- und Zeitplan. Das Gesamtauftragsvolumen betrage 500 Millionen Euro. Die Reichweite der Alstom-Brennstoffzellenzüge des Typs „Coradia iLint“ beträgt bis zu 1000 Kilometer. Dies ermöglicht, dass sie einen ganzen Tag lang im Netz des RMV fahren können. Laut Geschäftsführer Jörg Nikutta handelt es sich um den weltweit ersten Personenzug, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird. Er fahre komplett emissionsfrei, sei geräuscharm, und gebe einzig Wasserdampf und Kondenswasser an die Umwelt ab.

Für Infraserv Höchst ist es nicht die erste Wasserstoff-Tankstelle; bereits 2006 ging im Industriepark ein Exemplar für Autos in Betrieb. Der Wasserstoff entsteht bei der Chlorelektrolyse im Industriepark als Nebenprodukt.

Die Chemie gehöre traditionell zu den Branchen, die innovative Technologien hervorbringe, betonte Geschäftsführer Joachim Kreysing. „Auch die drängenden Fragen zur Energieversorgung und den Mobilitätskonzepten der Zukunft werden nur mit der Chemieindustrie beantwortet werden können.“

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