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Frankfurt: Tankstelle für Wasserstoffzüge

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Von: Florian Leclerc

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Der Mann von der Wasserstoff-Tankstelle: Tarek Al-Wazir auf dem Weg zur Anlage. Monika Müller
Der Mann von der Wasserstoff-Tankstelle: Tarek Al-Wazir auf dem Weg zur Anlage. Monika Müller © Monika Müller

Im Industriepark Höchst in Frankfurt ist die erste von vier Zapfsäulen einsatzbereit. Von dort aus soll die größte Wasserstoff-Flotte der Welt in den Taunus starten.

Von Frankfurt aus soll von Dezember an die größte Wasserstoff-Flotte der Welt in den Taunus fahren. Im Industriepark Höchst hat der Betreiber Infraserv nun die erste von vier Wasserstoff-Tankstellen aufgebaut. Dort sollen künftig 27 Züge der Firma Alstom, Typ „Coradia iLint“, mit Wasserstoff betankt werden. Drei Gleise führen auf das Werksgelände.

Die Züge werden von DB Regionalverkehr Start Deutschland betrieben, einer Tochter der Deutschen Bahn; der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat den Auftrag erteilt. Vier Linien werden auf Wasserstoff-Züge umgerüstet: RB 11 (Frankfurt-Höchst - Bad Soden), RB 12 (Frankfurt - Königstein), RB 15 (Frankfurt - Brandoberndorf) und RB 16 (Bad Homburg - Friedberg).

Bei einem Rundgang mit zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentierte Joachim Kreysing, der Geschäftsführer von Infraserv, die neue Anlage. Der Wasserstoff werde im Industriepark Höchst als ein Nebenprodukt der chemischen Industrie erzeugt, sagte er. Ein großer Teil - etwa 70 bis 80 Prozent - würden derzeit „thermisch verwertet“, sprich verbrannt. Der Rest gehe über Trailer, also große Lastwagen, an Chemieunternehmen, die das Gas nutzten. Durch die neue Wasserstoff-Tankstelle verändere sich das Verhältnis: Die Züge verbrauchten künftig ein Viertel bis ein Drittel des vorhandenen Gases.

Wasserstoff

Grüner Wasserstoff ist klimaneutral. Er wird durch Elektrolyse hergestellt. Bei der Elektrolyse wird Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Strom kommt aus erneuerbaren Energiequellen.

Bei grauem Wasserstoff kommt Strom aus fossilen Brennstoffen zum Einsatz; er ist nicht klimaneutral.

Bei türkisem Wasserstoff wird Erdgas in Wasserstoff und festen Kohlenstoff gespalten. Bleibt der Kohlenstoff gebunden, ist das Verfahren klimaneutral.

Bei blauem Wasserstoff wird Erdgas in Wasserstoff und Kohlendioxid zerlegt. fle

Auf Nachfrage führte Kreysing aus, das Gas werde als grauer Wasserstoff hergestellt, also mit Strom aus fossilen Energiequellen. Es sei aber möglich, den Strom auf erneuerbare Energiequellen umzustellen. „Der RMV gibt vor, welcher Strom genutzt wird“, sagte er.

Auf dem Industriegelände mit den imposanten Backsteingebäuden aus dem frühen 20. Jahrhundert, die von zahlreichen Rohrleitungen ummantelt sind, hat Infraserv eine Anlage zur Aufbereitung des Gases aufgebaut. Vom Herstellungsort verlaufen Rohrleitungen auf etwa zwei Kilometern zu einer Verdichtungsanlage. Dort wird der Wasserstoff gereinigt, also von restlichem Sauerstoff und Wasser befreit, und dann auf 500 bar verdichtet.

Al-Wazir: Weg von fossilen Energiequellen

Gespeichert wird das Gas in vier Modulen, in denen jeweils 100 Gasflaschen gelagert sind. Der Vorrat reicht den Angaben zufolge aus, um die Züge zwei Tage lang zu betanken. Kosten der Anlage: 30 Millionen Euro, die sich Infraserv und Bund/Land teilen. Von den Modulen führen Rohre zur Tankstelle, welche an den Gleisen liegt. Im Laufe des Rundgangs führte RMV-Geschäftsführer André Kavai aus, die Züge würden sukzessive zum Einsatz kommen - die ersten zum Fahrplanwechsel im Dezember.

Der hessische Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verwies auf das Aus für Verbrennungsmotoren, das nach Willen der Umweltminister:innen der EU-Länder von 2035 gelten soll. „Wir müssen weg vom Einsatz fossiler Energiequellen“, sagte er. Hessen wolle bis 2045 klimaneutral werden. Weitere Teile des Schienennetzes würden elektrifiziert. Auf Nebenstrecken könnten Wasserstoffzüge zum Einsatz kommen.

Die Bahn wolle den Regionalverkehr bis 2040 CO2-frei machen, sagte Jörg Sandvoß, Vorstandsvorsitzender von DB Regio. Das Bahnwerk in Griesheim werde zu einem „Zentrum für Zukunftstechnologie“ umgerüstet. Für den Betrieb der Wasserstoffzüge würden 67 Lokführerinnen und Lokführer und zahlreiche Fahrgastberater eingestellt.

Eine öffentliche Wasserstoff-Tankstelle für Autos, Lastwagen und Busse gibt es im Industriepark Höchst schon seit 2006.

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