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Das Wasserhäuschen Snack FM hat den letzten Wettbewerb gewonnen.
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Das Wasserhäuschen Snack FM hat den letzten Wettbewerb gewonnen.

FR-Wettbewerb

Frankfurt sucht das tollste Wasserhäuschen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die FR sucht wieder das Frankfurter Wasserhäuschen des Jahres. Der beliebte FR-Wettbewerb geht in die fünfte Runde. Bei der Büdchen-Führung durch vier Frankfurter Stadtteile sind noch Plätze frei.

Orange Beach, Snack FM, Gudes, noch mal Snack FM – die Siegerliste der bisherigen Frankfurter Wasserhäuschen des Jahres wird auf jeden Fall um einen neuen Namen erweitert. Denn: Keiner der glorreichen Preisträger früherer Jahre ist zur 2017er Runde qualifiziert. Die Leser der Frankfurter Rundschau entschieden sich in ihrer Vorauswahl für drei neue Bewerber, und die Fachleute des Sozialen Netzwerks Wasserhäuschen steuerten wieder drei Kandidaten bei.

Zu diesem Netzwerk zählen die Büdchen-Förderer von allesgude.de, wasserhäuschen.eu und linie11.org. „Ein Wasserhäuschen ist ein Soziotop“, sagt Oliver Tepper, der Vorsitzende des Vereins Linie 11, „ein Spiegel der Gesellschaft. Wir arbeiten daran, den Kern herauszuarbeiten, was die Wasserhäuschen für die Stadt bedeuten.“ Die Büdchenszene zu stärken, dazu trage auch der FR-Wettbewerb bei, sagt Tepper.

Das Jahr 2017 ist ein besonders intensives für die Trinkhallenkultur. Im August war schon der erste Frankfurter Wasserhäuschentag, veranstaltet von ebendiesem Netzwerk, mit Aktionen quer durch die ganze Stadt und gut 3500 Besuchern. „Der Wasserhäuschentag hat uns sehr viel gebracht“, sagt Tepper, „vor allem an Zusammenhalt und an Kontakt zu Büdchenbetreibern, Besuchern und zur Stadt.“ Aber auch manch bittere Erkenntnis: „Mitunter haben wir da die volle Staatsmacht erlebt, was es alles an Auflagen gibt. Büdchenbetreiber haben es nicht leicht.“ Da halfen die Leute von der Linie 11 schon mal aus, denn nicht jeder Wasserhäuschenpächter ist mit der deutschen Genauigkeit bis ins Detail vertraut.

Vorstandskollege Freddy Löbig und Tepper standen nach dem Wasserhäuschentag „am Rande des Burnouts“, blicken sie zurück, aber schon bald danach stand für sie fest: „Das wollen wir gern wieder machen.“ Ob jährlich oder im Zweijahresabstand, sei auch abhängig von der Unterstützung der Stadt. Sponsoren mit Lokalkolorit, traditionelle Frankfurter Unternehmen, hätten jedenfalls bei der Premiere vorbildlich mitgezogen.

Was die Zukunft der Büdchen angeht, ist die Lage weiter ernst. Feuerteufel haben zuletzt einige Häuschen angezündet. Und in den neuen Wohngebieten sind auch nicht gerade Wasserhäuschen in Massen zu sehen.

Für die Tour mit dem „Wasserhäusje-Lotsen“ Hubert Gloss durch vier nördliche Stadtteile an diesem Donnerstag, 14 Uhr, sind noch Plätze frei. Start ist in Preungesheim, das Ziel in Heddernheim, bei gutem Wetter per Rad, sonst per Bahn.

Anmeldung: www.fr-abo.de/Gewinnspiel, Stichwort: Wasserhäuschen-Tour.

Holbeinstraße: Für alle offen Das Wasserhäuschen auf der Verkehrsinsel in der Holbeinstraße ist ein Frankfurter Original. Das Sortiment: Bier, Zigaretten und gemischte Tüte (10 Cent das Stück) - kein unnötiger Schnickschnack. Das Aufregendste sind die „Mispelchen im Glas“, die das Wasserhäuschen vom „Apfelwein Wagner“ bezieht.

„Wir sind für die Sachsenhausener eine Art Kulturinstitution“, erzählt Onur. Er ist der Sohn der Besitzerin und hilft ihr manchmal aus. Wenn er nicht gerade hinter der Verkaufsfläche steht, studiert er Bauingineurswesen in Darmstadt. Das Wasserhäuschen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Es stehe seit 100 Jahren auf der Verkehrsinsel in der Nähe des Schweizer Platzes, erzählt Onur. Inzwischen sei es von der Stadt sogar unter Denkmalschutz gestellt worden.

„Unser Wasserhäuschen ist für alle offen“, sagt Onur. Die Kundschaft reiche von Stammgästen, die jeden Tag auf ein paar Bier vorbeikommen, bis zu den Kindern aus den umliegenden Schulen, die ihr Taschengeld gegen gemischte Tüten und Kaugummi eintauschen. Gerade im Sommer würden auch viele Sachsenhausener hier ihr Feierabendbier trinken. Wenn die Sonne scheint, kann man es sich – umgeben von dezenten Verkehrsgeräuschen – auf ein paar Bierbänken vor dem Wasserhäuschen gemütlich machen. (prme)

Mühlberglädchen: Sozialer Treffpunkt Zoltan Ajkay grüßt während unseres Gesprächs mindestens ein Dutzend vorbeigehende Fußgänger mit Namen und Handschlag. „Von Anfang an war es mein Ziel, dass die Nachbarschaft sich kennenlernt“, beschreibt der Inhaber des Mühlberglädchens in Sachsenhausen seine Geschäftsphilosophie.

Vor elf Jahren hat der gebürtige Ungar, der seit 21 Jahren in Sachsenhausen lebt, den Laden übernommen. „Ein liebloser Lebensmittelladen“ sei das damals gewesen, erinnert sich Ajkay. Er habe die komplette Inneneinrichtung entfernt und neu aufgebaut. Herausgekommen ist eine Mischung aus Tante-Emma-Lädchen und Wasserhäuschen: In einer kleinen Lebensmittelabteilung gibt es Spezialitäten aus Ajkays Heimat, etwa eingelegte Paprika und Weine aus West-Ungarn. Entstanden ist hier auch ein kleiner Café-Bereich mit vier Tischen, der von vielen Anwohner als sozialer Treffpunkt genutzt werde. Ansonsten hat das Mühlberglädchen von Rubbel-losen bis Binding Export das klassische Wasserhäuschen-Repetorie auf Lager.

Bekannt ist das Mühlberglädchen vor allem für den Nachbarschaftstreff, der zweimal im Monat freitags stattfindet. „Viele Freundschaften und sogar die eine oder andere Beziehung haben hier ihren Anfang genommen“, sagt Ajkay. (prme)

Kurfürstenplatz: Milch und Mettwurst Gemütlich sieht es aus, das Wasserhäuschen am Kurfürstenplatz, auf dessen Dach das gute, alte Schild mit der Aufschrift „Trinkhalle“ angebracht ist. Ein Vordach zieht sich rund um das Gebäude, dazu schützt eine durchsichtige Plane vor Wind und Wetter. So entsteht beinahe eine kleine Kneipe – mit Bank und Stehtisch, versteht sich. Keine Frage, im Wasserhäuschen am Kurfürstenplatz kann man sich wohlfühlen.

Das finden auch die Bockenheimerinnen und Bockenheimer, denn die Bude ist gut besucht. Und auch in der Kommunalpolitik war das Wasserhäuschen schon Thema. Sieben Jahre ist es her, dass der Bau abgerissen werden sollte. Die Menschen im Stadtteil sammelten Unterschriften gegen diese Pläne, und auch die SPD im Römer setzte sich für den Erhalt ein. Mit Erfolg, die Trinkhalle blieb bestehen.

Das Angebot des Wasserhäuschens reicht weit über die Klassiker – Bier, Schnaps, Zeitungen, saure Zungen – hinaus. Es gibt zum Beispiel Milch, Mettwurst, Toast und Nutella, sprich: Alles, was man am Sonntagvormittag braucht, wenn man samstags nicht eingekauft hat. Das Wasserhäuschen ist dann oft die letzte Rettung. Aber Obacht: An Sonn- und Feiertagen öffnet es erst um 9 Uhr, während werktags der Betrieb schon um 6.30 Uhr losgeht. Schluss ist immer um 22 Uhr. (geo)

Palaver: Familiäre Atmosphäre Seit 40 Jahren steht das „Palaver“ unverändert am Gerhart-Hauptmann-Ring in der Nordweststadt, und davor stand eine Bretterbude auf der gegenüberliegenden Straßenseite; das erzählt Angelika, die seit 24 Jahren in dem Wasserhäuschen arbeitet und mittlerweile die meisten der Kunden beim Namen kennt. Drei Besitzer hatte die Trinkhalle, die sich seit den 70er Jahren kaum verändert hat, bereits; die jetzige Besitzerin ist seit 19 Jahren da. Das Sortiment entspricht dem einer typischen Trinkhalle: Zeitungen, Handykarten, Getränke, und natürlich Süßigkeiten für die Schüler der Erich-Kästner-Schule nebenan.

Das Besondere an der Bierstube ist aber nicht das Sortiment, sondern vor allem die familiäre Atmosphäre, die hier herrscht. Im Gegensatz zu anderen Wasserhäuschen hat das „Palaver“ einen Raum mit Sitzgelegenheiten für seine Gäste, vor allem für seine etwa 20 Stammkunden. Die kommen nicht nur in die Trinkhalle, weil sie direkt vor der Haustür steht, sondern auch weil in es in dem Viertel mittlerweile „das Einzige ist, wo man einkehren kann“, wie Angelika sagt. Früher gab es noch Gaststätten und Restaurants in der Nähe, aber mittlerweile existiert nur noch das „Palaver“, in dem die Stammgäste sich jeden Abend treffen.  (prar)

Fein: Im Stil eines Cafés Statt Zeitschriften und Bier zieren Croissants und selbstgemachter Schoko-Mandelknusper die Auslage. Auf den ersten Blick erinnert das „Fein“, das im Grüngürtel zwischen der Konstablerwache und dem Nordend liegt, an ein Café - und nicht so sehr an ein richtiges Wasserhäuschen.

Honja, die neben ihrem Studium hier arbeitet, sieht das „Fein“ dennoch in einer Frankfurter Tradition. Trotz des umgestellten Sortiments sei die für das Wasserhäuschen stilgebende runde Außenfassade beibehalten worden. „Und das ist schließlich so ein Ur-Frankfurter Ding, das es sonst nirgendwo gibt“, sagt Honja. Vor drei Jahren hat Honjas Chefin das Wasserhäuschen von dem Vorgänger übernommen und umgebaut. Jetzt gibt es einen Außenbereich mit rund zehn Tischen und einen gemütlich gestalteten Innenraum – mit Wohnzimmerathmosphäre. Honja beschreibt die Chefin als „wahnsinnig leidenschaftlichen Menschen“.

Neben Kaffeespezialitäten und Kuchen, der täglich von einer hauseigenen Konditorin gebackt wird, umfasst das Sortiment des „Fein“ auch die Wasserhäuschen-Klassiker Bier und gemischte Tüte. (prme)

Parkblick: Ruhige Lage An der untersten Spitze des Sees im Ostpark steht das Wasserhäuschen „Parkblick“ in einem Pavillon aus den 20er Jahren. Der Kiosk wird seit elf Jahren von Marcel Arapovic zusammen mit seiner Frau betrieben; sein Vorgänger war 33 Jahre lang da. Der Inhaber liebt seine Trinkhalle, die er selbst als älteste Frankfurts bezeichnet, vor allem für den schönen Blick auf den Park, die ruhige Lage und die wenigen Autos, aber auch dafür, dass er im Park nur wenig Konkurrenz hat, weshalb er sich im Gegensatz zu anderen Trinkhallen der Stadt weniger an den Durchschnittspreisen orientieren muss.

Ansonsten richtet er sich vor allem nach seiner sehr unterschiedlichen Kundschaft: deshalb bietet er im „Parkblick“ Ketchup, Holzkohle und Wassereis für Griller im Park an, für die er im Sommer gar bis Mitternacht geöffnet hat. Ansonsten gibt es Getränke für die Hobbykicker am Wochenende oder Konservendosen für die Bewohner des Obdachlosenheims nebenan. Mütter mit Kindern, die im Park spazieren, können am Wasserhäuschen ihre Babymilch erhitzen. Wenn es mit der Sanierung des Ostparks nächste Woche losgeht, möchte Arapovic jeweils schon um 9 Uhr öffnen, um den Bauarbeitern morgens heißen Kaffee zu verkaufen, und mittags wird er auch wieder Frikadellen und Würstchen anbieten. (prar)

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