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Frankfurt sucht einen Platz für Oskar Schindler

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Von: George Grodensky

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Schindlers Briefmarke.
Schindlers Briefmarke. © Renate Hoyer

Der Vorplatz des Hauptbahnhofs ist weiterhin ein Kandidat für die Würdigung des Fabrikanten Schindler. Der hat nach dem Krieg in Bahnhofsbnähe gewohnt. Ina Hartwig und Michel Friedmann diskutieren im Chagallsaal der Oper.

Der Fabrikant Oskar Schindler hat in der NS-Zeit mehr als 1200 jüdische Menschen vor dem Tod bewahrt. Das weiß man aus Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ von 1993. Was viele nicht wissen: Schindler lebte von 1957 bis zu seinem Tod 1974 zeitweise in Frankfurt. Er pendelte zwischen einer Einzimmerwohnung am Hauptbahnhof und Jerusalem.

In Israel wird Oskar Schindler als „Gerechter unter den Völkern“ verehrt. Und in Frankfurt? Hängt seit 1996 wenigstens eine Gedenktafel am Haus, in dem sich Schindlers einstige Wohnung befindet. Die frühere SPD-Stadtverordnete Ursula Trautwein hatte schon angeregt, den großen, bisher namenlosen Bahnhofsvorplatz nach Schindler zu benennen. Der habe zu seiner Frankfurter Zeit zwar schwere gesundheitliche und geschäftliche Schläge hinnehmen müssen, sei aber sehr präsent im Viertel gewesen.

Der Vorschlag fand im Ortsbeirat 1 allerdings keine Mehrheit. Zu schäbig schien manchen das Areal, andere murrten, es gebe bereits eine Schindlerstraße in Nieder-Eschbach. Sonderlich repräsentativ ist die kleine Sackgasse aber nicht. Den Bahnhofsvorplatz hingegen will die Bahn neu und schmuck gestalten.

Ortsbeirat, Fritz-Bauer-Institut und Kulturdezernat unternehmen deswegen einen neuen Vorstoß, Oskar Schindlers Andenken prominenter zu gestalten. Daher laden sie zu einem Vortrag mit Diskussion für Freitag, 24. Juni, 18 Uhr im Chagallsaal der Oper Frankfurt.

Uniprofessorin Sybille Steinbacher, die Leiterin des Fritz-Bauer-Instituts, eröffnet mit einem Impulsvortrag zur geschichtlichen Bedeutung Schindlers. Es folgt die Diskussion mit Stadträtin Ina Hartwig (SPD) und Michel Friedman über eine angemessene Ehrung Schindlers in Frankfurt und Perspektiven der städtischen Erinnerungskultur.

„Bei wenigen Personen klaffen weltweite Anerkennung und städtische Würdigung so weit auseinander wie bei Oskar Schindler“, findet Hartwig zum Beispiel. Eine Benennung des zentralen Platzes sei ein wichtiges Bekenntnis der Stadt und würde nebenbei „die historische Verbindung dauerhaft im öffentlichen Raum sichtbar machen“.

„Ein Mensch kann die Welt verändern, die kleine und manchmal sogar die große“, sagt Michel Friedman. Schindler „handelte, als andere mitmachten und wegsahen“. Er sei Vorbild für Mut und Zivilcourage.

„Ein Oskar-Schindler-Platz für Frankfurt“ – Vortrag und Diskussion. Freitag, 24. Juni, 18 Uhr, Chagallsaal der Oper. Eintritt frei, Anmeldung per E-Mail an anmeldung@fritz-bauer-institut.de notwendig. Livestream auf Youtube.

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