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Aktuell herrscht Uneinigkeit, ob die Restauranttüren zukünftig nur für Geimpfte und Genesene geöffnet werden sollen. Foto: Arne Dedert/dpa
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Aktuell herrscht Uneinigkeit, ob die Restauranttüren zukünftig nur für Geimpfte und Genesene geöffnet werden sollen.

Corona-Virus

Frankfurt: Suche nach dem richtigen Weg beim 2G-Modell

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Die Gastronomien in Frankfurt sind sich nicht einig, ob künftig 2G oder 3G gelten soll. Die Wahlfreiheit finden nicht alle gut.

Vor vielen Frankfurter Gastronomiebetrieben stehen seit Tagen Aufsteller, Schilder oder Tafeln mit dem Hinweis: Hier gilt 3G. Also Gäste müssen geimpft, genesen oder getestet sein. Ein Café fordert sogar 4G. Bitte nur mit Gude Laune hinsetzen. Noch gibt es etwas Humor, auch wenn angesichts der Verordnungen, des Hin und Her und vor allem des optionalen 2G-Modells (geimpft, genesen) nicht mehr jedem in der Branche zum Lachen ist.

Am Donnerstagnachmittag galt auf dem Römerberg und nahe der Hauptwache noch in den Gastrobetrieben die 3G-Regel – auch im Freien. Dabei hat das hessische Corona-Kabinett noch Tags zuvor formuliert: „In Außenbereichen wird die Verpflichtung zum 3G-Nachweis, da wo er bislang gilt, gestrichen.“

Cafer Karaaslan, Inhaber des Restaurants Helium in der Bleidenstraße, sagt: „Ich bin von der Politik enttäuscht. Ich hätte mir jetzt mehr Pragmatismus gewünscht.“ Das optionale 2G-Modell wälze die Verantwortung auf die Gastronomie ab. Sie müsse nun entscheiden, ob die Moral (2G) oder die Wirtschaftlichkeit (3G) im Vordergrund stehe. Er selbst könne mit 2G in seinem Restaurant leben, aber er würde sich wünschen, dass alle an einem Strang zögen. „Wenn die anderen Gastronomien rundherum 3G hätten und ich 2G, müsste ich mich erklären und würde auch Gäste verlieren.“ Bereits in den vergangen Tagen – nach der Einführung der 3G-Regel – habe er gemerkt, dass das Geschäft zurückgehe. Zudem berichtet er von gefälschten Tests ohne QR-Code, mit denen einige Menschen auftauchten. „Da hatte ich schon viel Ärger.“

Manuel Peraica leitet das Restaurant „My Frankfurt“ am Liebfrauenberg. „Ich bin gegen 2G“, sagt er konsequent. Diese Regelung würde Menschen aus der Gesellschaft ausschließen, auch weil sich nicht jeder impfen lassen könne. Er denke, dass die Option auf 2G im schlimmsten Fall durchaus zu einer Art Pflicht zum Impfen führen könne. „Das ist eine politische Entscheidung“, sagt er.

Ein paar Straßen weiter, an der Glasscheibe des Friseursalons von Harald Jachowski, hängt ein Schild, das besagt: „Eintritt nur nach 2G-Regel“. Sein Geschäft an der Hasengasse habe er seit 30 Jahren. „Ich habe kaum Laufkundschaft und meine Stammkundschaft ist geimpft“, berichtet er. Deshalb gelte bei ihm 2G. Dann zeigt er auf seinen Ordner, in dem die Kontaktnachverfolgungen und die Vermerke über den Impfstatus seiner Kundschaft vermerkt sind. „Wer anfangs nur ein Mal geimpft war, musste uns noch einen negativen Test zeigen“, erinnert Jachowski sich. Dass er die 2G-Regel machen könne, liege an seiner langjährigen Stammkundschaft. Wer neu einen Salon eröffne, könne es sich gar nicht leisten, Kundschaft abzuweisen. Über die Politik ärgere er sich, weil sie sich bei den Regelungen nicht einig werde. Gute Ideen aus dem falschen politischen Lager würden niedergemacht.

Das Restaurant „Zum Schwarzen Stern“ am Römerberg hat nach langer Umbauzeit erst seit wenigen Wochen wieder geöffnet. Doch schon in dieser kurzen Zeit habe man erlebt, welche Probleme es geben könne, erzählt Geschäftsführer Andreas Laschewski. „Wir hatten Gruppen, wo eine Person nicht geimpft oder genesen war und auch keinen Test dabei hatte. Die sind wieder gegangen, weil wir sie nicht bedienen konnten.“ Die Regelungen könnten so auch manchmal ein Nachteil sein. Aktuell diskutiere man intensiv im Team darüber, welches Modell man nutzen solle. „Tendenziell wird es wohl zu 2G gehen“, sagt der Geschäftsführer. Auch weil sich das Geschäft in den kommenden Monaten nach drinnen verlagern werde und dann ein Wegfall von Masken und Abstand für alle angenehmer sei. Aktuell warte man aber noch ab, was vonseiten der Politik und auch des Branchenverbands Dehoga noch komme. Laschewski hofft auf einen gemeinsamen Nenner bei den Regeln, das habe er in der Vergangenheit oft vermisst.

Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt begrüßt unterdessen die Einführung des 2G-Optionsmodells für Gastronomen und Veranstalter. Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt, schrieb in einer Pressemitteilung: „Mit der Einführung verschafft die Landesregierung den Unternehmen mehr Möglichkeiten. Viele Betriebe dürfen nun selbst entscheiden, welche Variante sie wählen.“ Die Unternehmen vor Ort könnten dies besser entscheiden als eine landesweite Einheitsregelung. Caspar sprach von einem wichtigen Schritt zu mehr Normalität. Für Unternehmen bedeute dies, eigene Entscheidungen treffen zu können. Völlige Normalität könne nur mit einer hohen Impfquote einhergehen.

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