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Kriminalität

Frankfurt: Subventionsbetrug mit Flirt-Beratung

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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30-Jähriger steht wegen unrechtmäßiger Corona-Hilfen vor Gericht

Wenn sie eine Frau sind und auf einer Parkbank sitzen und vor Ihnen taucht plötzlich ein verzweifelt wirkender Beischlafbettler mit Knopf im Ohr auf, starrt Ihnen auf die Schuhe und stottert „D…d…du hast wunderschöne Augen“, dann ist es sicherlich selbst tagsüber am Klügsten, die Polizei anzurufen. Es kann aber sein, dass der arme Kerl selbst ein Opfer ist, und zwar eines von Dschingis Kahn. Und gerade dessen „Street Assistant – dein Daygame Booster“ gehört hat. Also „ein einzigartiges, innovatives Daygame Trainingsprogramm, das dir helfen wird, Frauen tagsüber sehr leicht und erfolgreich anzusprechen“. Knopf ins Ohr „und schon geht es los!“

Dschingis Kahn nennt sich eigentlich anders, aber sein Name soll hier verändert sein, denn die Welt ist voller „Hater“ (engl. Hasser). Vor allem die digitale Welt, in welcher der im realen Leben 30 Jahre alte BWL-Student als Dschingis Kahn auftritt. Wenn auch nicht als Hater, eher im Gegenteil. Dschingis Kahn ist „Flirt Coach“ und nach eigenen Angaben „Master Pick up Artist“. Das muss man sich so vorstellen wie eine Mischung aus Influencer, Junggesellenverabschieder und FDP-Generalsekretär, also was ganz Seriöses, was teilweise auch bezahlt wird. Dschingis Kahn kennt die hohe Kunst, jede Frau mit der Macht seines Wortes dazu zu bringen, ihm freudig beizuwohnen, und bietet im Netz auch Untalentierten Nachhilfe an.

Aber deswegen steht Dschingis Kahn am Freitagmorgen nicht vor dem Amtsgericht, sondern wegen Subventionsbetrugs. Er hatte im vergangenen Jahr 10 000 Euro Corona-Hilfe beantragt und auch erhalten, indem er den Ausfall eines Umsatzes geltend gemacht hatte, den es gar nicht mehr gab. Von den 10 000 Euro erwarb der Kahn ein Trimm-Dich-Gerät. Ein Hater verpfiff ihn, und zum Gram des Kahn übernahm ein Mann die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Dagegen ist er machtlos.

Es tue ihm ja auch leid. „Ich bin wohl falsch beraten wurden“, etwa durch seinen Steuerberater. Aber er sei durch den heutigen Tag schon gestraft genug, glaubt Dschingis Kahn und meint damit nicht seine Frisur, obwohl er zweifelsfrei einen Bad-Hair-Day hat – das wasserstoffblonde Kopfnest sieht aus wie mit dem Staubsauger geföhnt. Aber eine Boulevardzeitung habe heute über ihn und den Prozess getwittert, und im Radio sei auch irgendwas gelaufen. Das sei natürlich ein gefundenes Fressen für die Hater.

Erfolgreicher Einspruch

Dschingis Kahn hat Einspruch eingelegt gegen einen Strafbefehl über 120 Tagessätze à fünf Euro. Damit wäre er nämlich vorbestraft. Eine Vorstrafe aber könne seinem erhofften Comeback als Amors virtueller Abschleppunternehmer hinderlich sein. Und tatsächlich gilt die Anmache „Baby, keiner macht’s dir wie ein Vorbestrafter!“ in der Branche als Quotenkiller.

Da will das Amtsgericht nicht im Wege stehen, vor allem auch, weil Dschingis Kahn neben der Geldstrafe ja auch noch die Trimm-Dich-Soforthilfe zurückzahlen muss. Die Tagessätze werden auf 90 reduziert. Bei der Höhe von fünf Euro bleibt’s, weniger geht sowieso nicht, und Kahns Geschäfte laufen in Zeiten von Corona so gut wie gar nicht mehr. Aber er ist nicht mehr vorbestraft. Und ein zärtliches „Frau, du bist mein teurer Schatz, noch teurer als mein Tagessatz“ von einem Unvorbestraften hört jede gern.

Aber falls doch nicht: Auf die Frage der Amtsrichterin, ob er ein letztes Wort wünsche, verrät Dschingis Kahn immerhin die drei magischen Worte, die selbst die hartleibigsten Flirti-Flirti-Fachkräfte in die Flucht zu jagen vermögen. Sie lauten „Dankeschön und Nein!“

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