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Die Schneiderinnen vom Schneideratelier Stitch by Stitch bekommen gerade „irrsinning vielen Maskenanfragen“.  

Masken

Frankfurt: Mit stylischen Masken durch die Corona-Krise

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Ab Montag gilt auch in Hessen die Pflicht, einen Mund-und Nasen-Schutz zu tragen. Frankfurter Schneiderinnen bis Designer sind kreativ geworden.

Call me after Pandemie“, also „Ruf mich nach der Pandemie an“, steht in knallgrüner Schrift auf einer der Masken. Besonders gefragt sind beim Sachsenhäuser Modelabel Leonid Matthias seine neongelben Masken mit dem Kussmund, aber auch die auf denen „FFM“ (Fabulous Face Mask) oder „Must Have“ steht. Die Behelfs-Mund-Nasen-Masken (kurz BMN-Masken) werden spätestens ab Montag, wenn das Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung zur Eindämmung der Corona-Pandemie beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr in Hessen Pflicht ist, in der Tat ein „Must Have“ sein. „Und viele wollen dabei aber auch stylish aussehen, die Maske soll zum Outfit passen. Man kann auch stylish durch die Krise gehen“, sagt Matthias Gruner (35) von Leonid Matthias.

Vor einem Monat, kurz vorm Shutdown, hatten er und sein Geschäftspartner, der Designer des Labels, Leonid Sladkevich, sich zur Krisensitzung zusammengesetzt. „Wir haben zunächst eine Exit-Strategie überlegt, wie es weitergeht, als wir unseren Laden wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Dann kamen wir auf die Idee, selbst Masken zu nähen und sie online zu verkaufen. Die Masken haben uns finanziell über Wasser gehalten.“

Sehr beliebt nicht nur bei Lokalpatrioten, die „FFM“ beim Sachsenhäusern Modelabel Leonid Matthias.  

Zu Beginn hätten sie meist internationale Bestellungen gehabt: aus Mexiko, Frankreich und Italien. „Dann bestellten auch viele Arztpraxen, Apotheken aus der Region bei uns, weil es eben zu wenig Masken gibt. Und seit ein paar Tagen will jeder eine Maske. Wir kommen mit den Bestellungen kaum hinterher“, erzählt Gruner. Zwei bis vier Stickmaschinen liefen nun fast ununterbrochen, sie hätten ihre Kapazitäten mit der hauseigenen Schneiderei erweitern müssen, extra Aushilfen angestellt. „Seit Montag, als wir unseren Laden wieder öffnen durften, kommen auch viele Leute und kaufen direkt bei uns ein.“ Ihre Masken seien, so betont Gruner, wie alle modischen Masken keine medizinischen Masken, die vor Ansteckung mit Covid-19 schützen könnten. Die Behelfs-Mund-Nasen-Masken mit Gummiband dienten dazu, dass man sich nicht direkt ins Gesicht fasse. „Außerdem hilft sie bei der Reduzierung der Verbreitung von Tröpfchen, was das Ansteckungsrisiko für Mitmenschen minimiert.“

Alle Masken seien durch ihre zwei Lagen atmungsdurchlässig. Man müsse sie nicht täglich heiß waschen, „sondern es reicht auch, mal heiß drüberzubügeln oder sie im Backofen oder in der Mikrowelle zu erhitzen. Auch das killt die Viren. Und ist möglich, weil sie keine Metallbügel haben, die brennen könnten“, so Gruner. Die Masken kosten je nach Design und ob sie bestickt oder bedruckt sind zwischen 10 und 25 Euro. Sie sind aus Baumwolle oder einer Baumwollmischung.

Auch der Kussmund ist bei Leonid Matthias sehr nachgefragt.  

„Auch wir mussten uns überlegen, wie es weitergeht. In der ersten Woche nach dem Shutdown sind uns fast alle Aufträge weggebrochen“, sagt Nicole von Alvensleben, eine der beiden Geschäftsführerinnen vom Schneideratelier „Stitch by Stitch“. Sie arbeiten ausschließlich mit geflüchteten Frauen. Die zehn Frauen, zwischen 22 und 31 Jahre alt, absolvieren hier ihre Ausbildung zur Maßschneiderin. Auf die Idee mit den Masken seien sie gekommen, als eine Manufaktur sie in der Corona-Krise angefragt habe, ob sie gleich mehrere Tausend Masken für sie nähen könnten.

„Dann kamen viele Firmenanfragen hinzu: von Pflegeheimpersonal bis zu Umzugsunternehmen“, erzählt von Alvensleben. Vor knapp zwei Wochen starteten sie ihren Onlineshop. „Seitdem wird irrsinnig viel bestellt. Eine Einzelperson kauft im Schnitt zwei bis drei Masken“, sagt von Alvensleben. Auch sie haben Masken in unterschiedlichen Preiskategorien. Die „Basic-Maske“ aus nachhaltiger Baumwolle kostet sechs Euro. Sie ist wie alle anderen ihrer Masken waschbar bis zu 95 Grad, man kann zwischen zwei Größen wählen. Es gibt sie in Weiß, Beige oder Schwarz. 12,90 Euro kostet die Mund- und Nasenmaske aus Biobaumwolle mit farbig passendem Gummiband zum Schnüren. „Sie hat Ösen und ist so individuell verstellbar in der Größe. Es gibt sie in Jeansblau und Pink.“ Die bestickten Masken, auf denen „Maskenball“ oder „Reden ist Silber“ steht, kosten 14 Euro.

Maskenball-Masken gibt es von Stitch by Stitch.  

Ansonsten kann man sich für welche mit einem aufgedruckten Erdbeermund oder Schnurrbart (13 Euro) entscheiden. Für Kinder gibt es Masken aus 100 Prozent Baumwolle mit Robben oder Füchsen darauf (6,90 Euro.) „Am heutigen Samstag starten wir auf unserer Facebook-Seite eine besondere Aktion. Jeder kann im Kommentarfeld ein Wunschwort schreiben, das er gerne auf der Maske haben möchte. Wir suchen die zehn besten aus. Dann dürfen die Leute abstimmen. Die drei mit den höchsten Stimmen werden wir produzieren.“ Von Alvensleben betont: „Auch in solchen Krisenzeiten braucht man ein bisschen Humor.“

Genauso sehen das auch Silvia Ballweg und Manuela Lange von der Papeterie und Trendartikelfirma „Mainspatzen“. „Wir wollten aber keine Witze mit dem Wort Corona selbst machen, sondern haben unsere Sprüche, die es sonst auf unseren Postkarten und Bierdeckeln gibt, jetzt auf einen Schlauchschal drucken lassen.“ Den, wie sie ihn nennen, „hessische Bazillestobber“ gibt es wahlweise mit dem Spruch „Bevor isch misch uffreesch, isses mer lieber egal“ oder „An Äppler a day keeps the Doctor away“. „Auch nach der Corona-Krise kann er als Sportschal verwendet werden. Er ist aus Mikrofaser, einem atmungsaktiven Polyesterstoff“, so Ballweg. Am Donnerstagabend haben sie die ersten Schals, die sie lokal bedrucken lassen, abgeholt. Ab Samstag sollen sie nicht nur im Onlineshop, sondern auch in den Hessenshops, dem Kaufhaus Hessen und der Kulturothek zu haben sein. Einen „Bazillestopper“ gibt es für 14,90 Euro, er sollte bei 40 Grad gewaschen werden.

Peter Frey ´verkauft im Laden Artwork unweit der Paulskirche die Masken seine Onkels, der Maßschneider ist. Sie sind aus „feinstem Zwirn“.

Eigentlich kennt man den Laden Artwork unweit der Paulskirche als den Laden, der vor allem bunte Schilder verkauft. Jetzt haben sie aber aufgestockt. Der Schaufensterhund steht wie Mitarbeiter Peter Frey Model für Masken, die aus „feinstem Zwirn“ sind. „Mein Onkel ist Maßschneider in Sachsenhausen. Im Atelier Bechtloff schneidert er die Masken aus dem Stoff, den er ansonsten nur für feine Hemden verwendet“, erzählt Frey. Die Masken sind zweilagig genäht. Es gibt sie von blau-weiß-gestreift bis zu bunten Mustern für 17,95 Euro. „Man muss nicht jeden Tag die Waschmaschine anschmeißen, sondern es reicht, wenn man einfach abends kochend heißes Wasser drüberschüttet und sie trocken lässt“, betont Frey.

Masken in Frankfurt kaufen

Das Modelabel Leonid Matthias verkauft Masken in ihrem Laden in der Walter-Kolb-Straße 7. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 11 bis 19 Uhr, Samstag, 11 bis 18 Uhr, und im Onlineshop: https://leonidmatthias.com/ collections/bmn-maske. Sie kosten zwischen 10 und 25 Euro. 

Die „MainSpatzen“ Manuela Lange (li.) und Silvia Ballweg haben Schlauchschals mit lustigen hessischen Sprüchen bedruckt. Die Schlauchschals können als Mund-Nasen- Schutz in Corona Zeiten genutzt werden. Auch „Hessische Bazillestobber“ genannt.


Das Schneideratelier Stitch by Stitch bietet Mund-und Nasenschutz im Onlineshop: https://www.stitchbystitch.de. Sie kosten zwischen sechs und 14 Euro.

Die Bazillestopper-Schals von den Mainspatzen gibt es in den Hessenshops, Kaufhaus Hessen und Kulturothek oder im Onlineshop: https://mainspatzen-shop.de für 14,90 Euro.

Masken aus feinstem Zwirn verkauft der Laden Artwork, Neue Kräme 18 (Paulsplatz), ,Öffnungszeiten; Montag bis Samstag, 12 bis 18 Uhr. Eine Maske kostet 17,95 Euro.

Derweil halten sich viele Menschen in Frankfurt nicht an das Corona-Kontaktverbot. Die Polizei hatte auf dem Opernplatz und am Paulsplatz jede Menge zu tun. 

In Frankfurt gilt Maskenpflicht in Bus und Bahn – aber nicht jeder hält sie ein. Schaffner und Zugbegleiter sind machtlos gegen Corona-Verstöße in öffentlichen Verkehrsmitteln.

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