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Näher an die Goethe-Uni gerückt: das neue Gebäude der Europäischen Akademie der Arbeit. 

Bildung

Frankfurt: Studieren ohne Abitur

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Die Europäische Akademie der Arbeit nimmt den  Lehrbetrieb auf. Ziel ist eine Qualifizierung für Berufstätige.

Innerhalb des vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmens sei es entstanden, das neue House of Labour nahe der Miquelallee, der neue Sitz der Europäischen Akademie der Arbeit (EADA) und der Academy of Labour. Dieses Detail hat sich keiner der Redner zur offiziellen Eröffnung des Hauses am Mittwochmorgen entgehen lassen. Die Studierenden des nunmehr 84. Jahrgangs hatten bereits am Dienstag den Lehrbetrieb aufgenommen.

Die Arbeit der Menschen, die das Haus mit ihrer Handwerkskraft errichtet haben, spielte während der Eröffnungsfeier eine zentrale Rolle – angesichts der Geschichte des Hauses keine unerhebliche Geste. Die Gründung der damaligen Akademie der Arbeit im März 1921 sei eine Reaktion auf die Gründung der Goethe-Universität gewesen, sagt Armin Clauss, ehemaliger hessischer Minister für Soziales (SPD) und selbst Absolvent der Schule. Die Universität sei damals jenen Handwerkern verschlossen geblieben, die die Gebäude erbaut hatten. Daraus sei der Impuls entstanden, eine Bildungsstätte für Arbeitnehmer zu gründen.

Noch heute ist die EADA in Deutschland einmalig in ihrer Herangehensweise an die akademische Lehre und Forschung aus der Perspektive von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Dieser Kern soll auch weiterhin die Lehre an der Akademie bestimmen. Die Studierenden, von denen viele bereits aktiv im Berufsleben stehen, sollen auf kritische Weise ausgebildet werden, um dann neue Impulse in die Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit bringen zu können, heißt es seitens der Schule. Um diesen Nachwuchs entsprechend zu fördern hat die IG Metall den Großteil der Finanzierung des Neubaus getragen.

Eigene Machtressourcen stärken

Der Wandel des Arbeitsmarkts, und dessen neue Herausforderungen, erforderten neue Perspektiven, sagt Jörg Hofmann, erster Vorsitzender der IG Metall. Es gehe darum, die eigenen Machtressourcen zu stärken, um das Verhältnis von Arbeit und Kapital wieder auszubalancieren.

Die Symbolkraft des Houses of Labour, so nahe am Campus Westend und dem dortigen House of Finance ist nicht nur Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bewusst. Frankfurt als Stadt der Widersprüche beherberge sowohl „die härtesten Kapitalisten, als auch die härtesten Kritiker in derselben Kneipe“, sagte er.

Die neue Nähe zur Universität solle aber über die symbolische Ebene hinausgehen und auch im wissenschaftlichen Austausch Früchte tragen. Daher lege man großen Wert auf die künftige Kooperation der beiden Hochschulen, betonte auch Roger Erb, Vizepräsident der Goethe-Universität.

Unter den Gästen waren Vertreter aller beteiligten Kooperationspartner von den Gewerkschaften bis hin zur Landesregierung. Auch Ayse Asar (Grüne), hessische Staatssekretärin des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, beglückwünschte die Akademie zu ihrer Eröffnung und kündigte zudem die Bereitstellung 50 mietzinsfreier Wohnheimplätze für die Studierenden aus dem Um- und Ausland an.

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