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Frankfurt: Studieren auf der Couch

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Von: George Grodensky

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Das jüngst eröffnete Studierendenwohnheim auf dem Riedberg findet allenthalben Anklang.
Das jüngst eröffnete Studierendenwohnheim auf dem Riedberg findet allenthalben Anklang. © Rolf Oeser

In Rhein-Main sind erschwingliche Wohnräume rund um Hochschulen knapp wie lange nicht.

Frankfurter Studierende sind zu Semesterbeginn oft unkonzentriert. Das ist keine böse Absicht, sondern den Umständen geschuldet. „Man kann sich nicht in Ruhe dem Studium widmen, wenn man 10 bis 20 Wohnungs-castings absolvieren muss und bei Freunden auf dem Sofa schläft“, sagt Tim Hoppe.

Der Wohnraumreferent des Allgemeinen Studierendenausschusses der Goethe-Uni schlägt nicht zum ersten Mal deswegen Alarm. „Aber so schlimm wie heute ist es seit zweieinhalb Jahren nicht mehr gewesen“, sagt er. „Mehr als 3000 Studierende stehen auf der Warteliste des Studierendenwerks für einen Platz im Wohnheim.“ Rund 60 000 Menschen studieren in Frankfurt. 3518 Wohnheimplätze gibt es beim Studierendenwerk, bei anderen Trägern weitere 2001. Die Versorgungsquote liegt damit bei 5,9 Prozent. Das gesamte hessische Rhein-Main-Gebiet mitgerechnet, kommen auf 75 000 Studierende 6800 Wohnheimplätze, Versorgungsquote 4,9 Prozent.

Eine Quote von zehn Prozent hat sich die hessische Landesregierung als Zielmarke gesetzt. Seit 2014 habe sie 1014 zusätzliche Wohnheimplätze im Land geschaffen, weitere 1087 befinden sich im Bau und 702 Plätze in der Planung. Sobald sie bezogen seien, werde die Versorgungsquote auf mehr als acht Prozent ansteigen, hat Ayse Asar, Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium, kürzlich errechnet.

„Es passiert einfach zu wenig“, sagt hingegen Tim Hoppe. Schwarz-Grün habe das Ziel bereits zweimal in den Koalitionsvertrag geschrieben. „Jetzt, in Frankfurt, fehlen 3000 Plätze im Bestand.“ Und da ist der Bedarf in Darmstadt, Wiesbaden, Kassel, Marburg, Gießen gar nicht eingerechnet. „Stadt und Land müssen Flächen bereitstellen“, fordert Hoppe. Das Studierendenwerk habe gezeigt, dass es „gut bauen kann“, das heißt, nach sozialen und ökologischen Kriterien und dabei eine „hohe Wohnqualität ermöglicht“, lobt Hoppe.

Bafög nicht regionalisiert

Die Wohnheimmieten seien die einzigen, die wenigstens irgendwo im Bereich lägen, den das Bafög abdecke. 360 Euro im Monat ist der Bafög-Höchstsatz für Wohnen. Der Platz im Wohnheim kostet zwischen 210 und 420 Euro im Monat. Der freie Markt: so gut wie unbezahlbar. Das Frankfurter WG-Zimmer liege im Schnitt bei 550 Euro. Hinzu kommen die steigenden Energiepreise.

„Die allermeisten sind auf Unterstützung angewiesen“, sagt Hoppe. Wer voll studiert, kann nebenher höchstens auf 450-Euro-Basis arbeiten. Also nur für die Miete. Oder man studiert nebenher und arbeitet voll. „Es gibt ja auch kein regionalisiertes Bafög, das sich an den Lebenshaltungskosten vor Ort orientiert“, sagt Hoppe. Da müsse der Bund ran. „In Leipzig sind die Mieten günstiger als in Hamburg oder Frankfurt.“

So prekär ist die Lage, dass die Hochschulen, Städte und das Studierendenwerk regelmäßig Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer zu Semesterbeginn dazu aufrufen, günstig an Studierende zu vermieten. Die Kampagne findet Hoppe gut. „Es gibt immer wieder Privatleute, die das tun, denen das ein Anliegen ist, die nicht auf Gewinnmaximierung aus sind.“

Aber: „Das ist leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Wenn es 50 günstige Wohnungen sind, dann könnten vielleicht 150 Studierende in WGs unterkommen. Die können dann in Ruhe studieren und müssen nicht auf der Couch schlafen.

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