Die umstrittene Kamera hängt seit 2018 im Viertel. 
+
Die umstrittene Kamera hängt seit 2018 im Viertel.

Frankfurt-Innenstadt

Studenten sollen ins Allerheiligenviertel ziehen

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
    schließen

Im Allerheiligenviertel in Frankfurt verschlechtere die Video-Überwachung die Wohnsituation, sagen die Grünen. Ihre Idee: das Viertel durch junge Leute aufwerten.

  • Kritik an der Video-Überwachung in Frankfurt
  • Überwachung helfe nicht im Allerheiligenviertel, so die FDP
  • Die Grünen haben einen Vorschlag: Studenten sollen das Viertel aufwerten

Die Kamera im Allerheiligenviertel ist keine Hilfe, ist Andreas Laeuen überzeugt. Im Gegenteil, die Video-Überwachung habe das Leben der Anwohner und Geschäftstreibenden verschlechtert, sagt der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Ortsbeirat 1 von Frankfurt. Um den Blickwinkeln der Kamera auszuweichen hätten die Dealer ihre Geschäfte stärker auf Hauseingänge, Hinterhöfe und Gaststätten verlagert und rückten den Bewohnern mehr auf die Pelle, so Laeuen.

Frankfurt: Seit zwei Jahren gibt es die Video-Überwachung im Viertel

Bis Mai 2020 soll die Kamera, die probeweise 2018 zwischen Allerheiligen Straße und Breite Gasse aufgehängt wurde, noch bleiben. Die Polizei hatte im Dezember berichtet, dass die Kriminalität nicht zurückgegangen sei und selbst die Verlagerung der Dealer erwähnt. Allerdings habe das Gerät bei der Aufklärung von Straftaten gute Dienste geleistet.

Begonnen habe die Misere bereits mit der Kameraüberwachung an der Konstabler Wache in den 80er Jahren, so Laeuen. Quasi über Nacht habe die Dealerschaft ihre Geschäfte in das einst – trotz des in der Breite Gasse ansässigen Prostitutionsgewerbes – gut situierte Viertel verlagert. Viele der Bewohner lebten dort seit Jahrzehnten. Im Laufe der Jahre seien diejenigen, die es sich leisten konnten weggezogen.

Video-Überwachung in Frankfurt: Studenten sollen Wohnsituation verbessern

Laeuen glaubt, dass Studierende die Situation im Viertel verbessern könnten. Die Grünen fordern in der Ortsbeiratssitzung am Dienstag von der Stadt, studentisches Wohnen im Viertel zu fördern. In einem Bericht solle sie darlegen, wie und wann sich das umsetzen ließe.

Studentinnen und Studenten könnten durch ihre Kaufkraft, Aktivität und Kreativität vorhandene Strukturen stärken und dazu beitragen, das Wohnumfeld zu verbessern, heißt es in dem Antrag. „Studierende finden oft schnell Bezug zu vorhandenen Bevölkerungskreisen und wirken bereichernd.“

Frankfurt: wenige Geschäfte bleiben im Viertel – „Leerstände unübersehbar“

Nur ein einziges Geschäft, ein kleiner Schlüsselladen, aus der einst vielfältigen Geschäftswelt habe bis heute überlebt, sagt Laeuen. Nachgezogen seien zweifelhafte gastronomische Einrichtungen, aber auch anspruchsvoll eingerichtete Restaurants sowie Lebensmittelläden für migrantische Kunden. 

Zuletzt habe das seit 1949 ansässige Schlosserfachgeschäft Hilpert aus der Albusstraße das Viertel verlassen. Viele der Gebäude seien zudem heruntergekommen und scheinen sich selbst überlassen. „Leerstände sind unübersehbar.“

Immerhin soll ein Tegut-Markt in die Räume des Segmüller-Möbelgeschäfts an der Kurt-Schumacher-Straße einziehen, so Laeuen. Darauf freuten sich viele Anwohner, da es sonst keinen guten Supermarkt im Quartier gebe.

Frankfurt: FDP fordert die Video-Überwachung zu beenden

Die FDP-Fraktion im Ortsbeirat fordert zudem die „nachweislich ineffektive Videoüberwachung“ sofort zu beenden. Es mache keinen Sinn an der kostenintensiven Videoüberwachung festzuhalten, wenn gleichzeitig die Freiheitsrechte des Individuums so stark eingeschränkt würde, schreiben die Liberalen in ihrem Papier.

Und auch die FDP im Römer wünscht sich, dass die Überwachung dort beendet wird. Die Bilanz sei ernüchternd, kritisiert sie. Bei den überführten Rauschgifthändlern, handele es sich überwiegend um Kleindealer aus dem Cannabis-Bereich. Lediglich eine körperliche Auseinandersetzung sei aufgezeichnet worden.

Der Ortsbeirat 1tagt am Dienstag, 14. Januar, um 19 Uhr, in der Mensa der Hellerhofschule, Idsteiner Straße 47.

Von Judith Köneke

Trotz der Kritik an der Video-Überwachung in Frankfurt wurden im letzten Jahr weitere Kameras installiert – Unter anderem an der Hauptwache.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare