Die umstrittene Kamera hängt seit 2018 im Viertel. Foto: Christoph Boeckheler

Frankfurt-Innenstadt

Frankfurt: Studenten sollen ins Allerheiligenviertel ziehen

  • Judith Köneke
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Die Kameraüberwachung verschlechtere Wohnsituation, sagen die Grünen. Ihre Idee: das Viertel durch junge Leute aufwerten.

Die Kamera im Allerheiligenviertel ist keine Hilfe, ist Andreas Laeuen überzeugt. Im Gegenteil, sie habe das Leben der Anwohner und Geschäftstreibenden verschlechtert, sagt der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Ortsbeirat 1. Um den Blickwinkeln der Kamera auszuweichen hätten die Dealer ihre Geschäfte stärker auf Hauseingänge, Hinterhöfe und Gaststätten verlagert und rückten den Bewohnern mehr auf die Pelle, so Laeuen.

Bis Mai 2020 soll die Kamera, die probeweise 2018 zwischen Allerheiligen Straße und Breite Gasse aufgehängt wurde, noch bleiben. Die Polizei hatte im Dezember berichtet, dass die Kriminalität nicht zurückgegangen sei und selbst die Verlagerung der Dealer erwähnt. Allerdings habe das Gerät bei der Aufklärung von Straftaten gute Dienste geleistet.

Begonnen habe die Misere bereits mit der Kameraüberwachung an der Konstabler Wache in den 80er Jahren, so Laeuen. Quasi über Nacht habe die Dealerschaft ihre Geschäfte in das einst – trotz des in der Breite Gasse ansässigen Prostitutionsgewerbes – gut situierte Viertel verlagert. Viele der Bewohner lebten dort seit Jahrzehnten. Im Laufe der Jahre seien diejenigen, die es sich leisten konnten weggezogen.

Laeuen glaubt, dass Studierende die Situation im Viertel verbessern könnten. Die Grünen fordern in der Ortsbeiratssitzung am Dienstag von der Stadt, studentisches Wohnen im Viertel zu fördern. In einem Bericht solle sie darlegen, wie und wann sich das umsetzen ließe.

Neuer Supermarkt

In die Räumedes Möbelgeschäfts Segmüller an der Kurt-Schumacher-Straße 30-32 wird eine Tegut-Filiale einziehen. Die Eröffnung ist für das erste Halbjahr 2021 geplant.

Nach Angabendes Lebensmittelhändlers soll die reine Verkaufsfläche rund 1700 Quadratmeter betragen.

Segmüller wirddamit nach mehr als 60 Jahren in der Innenstadt sein Geschäft Mitte 2020 schließen. jkö

Studentinnen und Studenten könnten durch ihre Kaufkraft, Aktivität und Kreativität vorhandene Strukturen stärken und dazu beitragen, das Wohnumfeld zu verbessern, heißt es in dem Antrag. „Studierende finden oft schnell Bezug zu vorhandenen Bevölkerungskreisen und wirken bereichernd.“

Nur ein einziges Geschäft, ein kleiner Schlüsselladen, aus der einst vielfältigen Geschäftswelt habe bis heute überlebt, sagt Laeuen. Nachgezogen seien zweifelhafte gastronomische Einrichtungen, aber auch anspruchsvoll eingerichtete Restaurants sowie Lebensmittelläden für migrantische Kunden. Zuletzt habe das seit 1949 ansässige Schlosserfachgeschäft Hilpert aus der Albusstraße das Viertel verlassen. Viele der Gebäude seien zudem heruntergekommen und scheinen sich selbst überlassen. „Leerstände sind unübersehbar.“

Immerhin soll ein Tegut-Markt in die Räume des Segmüller-Möbelgeschäfts an der Kurt-Schumacher-Straße einziehen, so Laeuen. Darauf freuten sich viele Anwohner, da es sonst keinen guten Supermarkt im Quartier gebe.

Die FDP-Fraktion fordert zudem die „nachweislich ineffektive Videoüberwachung“ sofort zu beenden. Es mache keinen Sinn an der kostenintensiven Videoüberwachung festzuhalten, wenn gleichzeitig die Freiheitsrechte des Individuums so stark eingeschränkt würde, schreiben die Liberalen in ihrem Papier.

Der Ortsbeirat 1tagt am Dienstag, 14. Januar, um 19 Uhr, in der Mensa der Hellerhofschule, Idsteiner Straße 47.

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