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Frankfurt: Strom sparen im smarten Haus

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Von: Thomas Stillbauer

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Es leuchtet wieder auf der „Light + Building“ nach zweieinhalb Jahren Corona-Pause.
Es leuchtet wieder auf der „Light + Building“ nach zweieinhalb Jahren Corona-Pause. © Messe Frankfurt Ehibition GmBH

Die Messe „Light + Building“ zeigt von Sonntag an Technik für die Energiewende. Dem Haus kommt dabei zentrale Bedeutung zu.

Europa in der Energiekrise – Frankfurt liefert Lösungen: auf der Messe „Light + Building“ (Licht und Gebäude) von Sonntag an. Es ist eine Sonderausgabe, die „Herbst-Edition“. Die Light+Building war die allererste Messe, die 2020 wegen Corona verschoben wurde, bis heute, erinnert Messe-Geschäftsführer Wolfgang Marzin.

Umso höher die Erwartungen. „Dem Branchentreffen kommt große Bedeutung zu aufgrund der aktuellen Lage“, sagt Marketingchefin Dominique Ewert. Energie ist knapp, es muss gespart werden. „40 Prozent der Energie werden in den Gebäuden verbraten“, sagt Marzin. Folglich stünden Gebäude im Zentrum der Energiewende, ergänzt Wolfgang Weber vom Verband der Elektro- und Digitalindustrie. Häuser würden selbst Stromproduzenten mit Photovoltaikanlagen, Standorte von Energiemanagementsystemen mit Wärmepumpen und Batterien – dramatische Veränderungen stünden an. 65 Prozent der Energie im Haus ließen sich durch Elektrifizierung und Digitalisierung einsparen.

Und wie? LED-Beleuchtung wird eine große Rolle spielen: 80 Prozent Einsparung gegenüber herkömmlichem Licht. Eine Elektroheizung, die Umweltwärme nutzt: wesentlich effizienter als das zudem umweltzerstörerische Verbrennen fossiler Ressourcen. Und das Auto: Fahre es 10 000 Kilometer mit Benzin, entspreche das einem Verbrauch von 7000 Kilowattstunden Energie, sagt Weber. Das Elektroauto benötige nur 2000 Kilowattstunden für diese Strecke. Moment – Auto? Sind wir nicht bei der Licht- und Gebäudemesse? „Die Mobilität holen wir ins Gebäude rein“, sagt Weber: Tanken an der Hauswand. „Und wenn der Strom dann noch vom Solardach kommt, ist es das Effizienteste, was man sich vorstellen kann.“

Außerdem sollen Messebesucherinnen und -besucher erleben können, wie die Digitalisierung alles noch sparsamer macht. „Digital kann ich die Grundlast besser steuern“, sagt Alexander Neuhäuser vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerker. „Wenn ich außer Haus bin, kann sich das System abschalten, dann ist gar kein Verbrauch mehr da.“ Im Klimawandel werde es wichtiger, Gebäude zu kühlen. „Intelligente Verschattung“ werde zu sehen sein auf der Light + Building.

Big Brother, aber sicher

Das Energiesparsystem erhöhe sogar den Nutzwert der Häuser, betont er. Überwachungsanlagen im System seien denkbar, und „Aktivitätsmonitoring“ für Senioren. Nach dem Motto: Ist bei Oma und Opa noch alles in Ordnung? Da sind wir schon im Bereich Sensorik. „Wie viele Leute sind gerade da?“, fragt Weber, „welche Leute sind da, welche Gewohnheiten haben sie?“ All das könnten „smarte“ Systeme erkennen und darauf reagieren. Und wenn wir gerade bei Big Brother sind: Cyber Security, also die Sicherheit in der ganzen Überwachungstechnologie – wichtiger denn je, sind sich die Fachleute einig. Weber: „Wenn wir alles immer stärker vernetzen, erwarten die Kundinnen und Kunden zu recht, dass das Thema Sicherheit mitgedacht wird.“

Bleibt die Frage: Wo soll das alles herkommen, und wer baut es ein? „Leider ist politisch viel verschlafen worden“, sagt Handwerkerfunktionär Neuhäuser, „wir haben viel Aufholbedarf.“ So müsse in den kommenden Jahren fünf Mal so viel Photovoltaik hergestellt werden wie zurzeit. Es fehlten aber die Fachkräfte; das Problem werde angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung nicht zu lösen sein, nicht einmal durch das Anwerben von Leuten aus dem Ausland, wofür Neuhäuser plädiert.

Auch wenn Material knapp ist: Tauschen und reparieren spielen auf der Light + Building nicht die größte Rolle – die Branche will ja verkaufen. Sie setze aber verstärkt auf recyclingfähige Materialien, versichern die Macher.

Die Messe mit 1500 Ausstellern aus 46 Ländern dauert vom 2. bis zum 6. Oktober. Es folgt eine digitale Verlängerung: Interessierte können sich bis zum 14. Oktober mit Ausstellern vernetzen. Info: light-building.messefrankfurt.com

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